Flughafen-Chaos: Er wartet seit Samstag

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Nur der Gepäckschein ist Gert Köglsperger geblieben, sein Koffer ist noch verschollen. Wahrscheinlich liegt er irgendwo am Flughafen Heathrow

München - Die Zahl der Annullierungen am Münchner Flughafen ist gesunken, aber die Nachwehen des Wetterchaos sind noch immer zu spüren, wie unser Beispiel eines betroffenen Passagiers zeigt.

Nur langsam normalisiert sich der Betrieb am Flughafen München wieder. Dabei ist „die Welt im Erdinger Moos wettertechnisch in Ordnung“, sagt Airport-Sprecher Robert Wilhelm und erklärt: „Schuld sind die Schnee-Probleme an anderen Flughäfen in ganz Europa.“ Die Flieger, die dort wegen des Wetters nicht starten und landen können, bringen so den gesamten Flugplan durcheinander.

Zwar ist die Zahl der Annullierungen in München von 300 am Freitag auf 50 am Montag gesunken. Die Nachwehen des Wetterchaos, das Luftfahrt-Drehkreuze wie London Heathrow, Paris Charles de Gaulle oder Frankfurt am Wochenende lahmgelegt haben, sind aber noch immer zu spüren. Erst nach und nach leeren sich die Bettenlager, die in den Münchner Terminals aufgebaut waren. Passagiere einzelner Langstreckenflüge, die eigentlich in die gesperrten Flughäfen hätten gehen sollen, übernachten noch am FJS-Airport.

Doch der Winter in Europa stellt Flughäfen und Fluggesellschaften auch vor andere organisatorische Probleme. Verlorene Koffer zum Beispiel: Seit Samstagmittag wartet der Münchner Gert Köglsperger auf sein Gepäck – und wichtige Medikamente, die dort verstaut sind. Zwar kann sich Köglsperger die neun verschiedenen Arzneien, die er nach einem Herzinfarkt nehmen muss – Blutdrucksenker und Mittel zum Aufbau der Herzmuskulatur – auf Rezept neu holen. Ärgern muss er sich trotzdem.

Denn wegen des Schneechaos verpasste er seinen Flug von London nach München, musste die Nacht in England verbringen und kam erst am Samstag über Hamburg nach Bayern. „Ich hatte Glück, dass ich überhaupt noch aus London raus gekommen bin.“ Schon wenig später ging auf dem britischen Airport nichts mehr. In München dann die böse Überraschung am Fließband: Köglspergers Koffer war nicht dabei, auch das Gepäck anderer Passagiere fehlte. „Das Gedränge am Schalter zur Gepäckermittlung war riesig!“ Inzwischen weiß er, dass sein Koffer noch in Heathrow liegt. Noch in dieser Woche soll er ihn wiederbekommen. Taucht das Gepäck trotz aller Bemühungen nicht mehr auf, ist diese Situation durch das Montrealer Übereinkommen aus dem Jahr 1999 klar geregelt: Die Fluggesellschaft haftet.

Über Weihnachten erwartet der Flughafen München übrigens 1,3 Millionen Fluggäste. Und wenn das Winterchaos zurück kommt? „Wir sind aschewolkegeprüft“, sagt Wilhelm lachend. Für den Ernstfall hat man also vorgesorgt: Winterdienst und „ein paar tausend Feldbetten“ stehen bereit.

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