Im tz-Interview

Flughafen-Chef Kerkloh  kämpft für 3. Startbahn

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Im tz-Interview spricht Michael Kerkloh, der Boss des Münchner Flughafens, über die Möglichkeit, doch eine dritte Start- und Landebahn zu bauen. 

Der Flughafen-Boss hat seinen Vertrag um weitere zwei Jahre bis 2018 verlängert – im tz-Interview spricht Michael Kerkloh (61) über den Berliner Pannenflughafen, die dritte Startbahn und die Auswirkungen auf den normalen Fluggast.

Herr Kerkloh, Sie gaben zeitgleich zu Hartmut Mehdorns Abgang in Berlin Ihre Vertragsverlängerung bekannt. Hatten Sie Angst, in der Hauptstadt eingreifen zu müssen?

Kerkloh: Ich hatte nie die Absicht, nach Berlin zu gehen. Hier gibt’s auch noch einiges zu tun. Und München ist, was die Passagierzahlen angeht, nach wie vor der bedeutendere Airport.

Nur mal angenommen: Was würden Sie als BER-Chef als erstes tun?

Kerkloh: Da gehört eine ruhige Hand hin. Man darf sich jetzt nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Das wird auch ein guter Flughafen werden, das ist ja schließlich eine kleinere Kopie des Münchner Airports.

Was steht auf Ihrer Agenda bis 2018?

Kerkloh: Wir müssen alle davon überzeugen, dass die dritte Start- und Landebahn eine langfristige und gute Infrastrukturinvestition sein wird. Ihre Wirkung würde man in 30 Jahren noch spüren. Und wenn sie denn käme, wird es die letzte Bahn in Deutschland sein.

Wie ist der aktuelle Stand?

Kerkloh: Wir sind in der Planung schon sehr weit. Es fehlt noch die endgültige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig. Dann kann sich die Politik noch einmal ausreichend damit befassen und die Zeit nutzen, um die Bevölkerung von dem Projekt zu überzeugen.

Wie viel Unterstützung erfahren Sie derzeit von der Politik?

Kerkloh: Der Bayerische Staatsregierung gesagt, dass sie das Projekt vom Grundsatz her will. Davon gehe ich nach wie vor aus. Und ich denke, dass wir eine ganze Menge auf unserer Seite haben. Ich spüre auch, dass der Wirtschaft viel stärker bewusst ist, was wir hier haben und wofür sie am Ende dann auch eintreten muss, wenn es zum Schwur kommt.

Das heißt, Sie streben eine Volksbefragung an?

Kerkloh: Das wird die Politik entscheiden. Es ist ja tatsächlich ein Projekt mit vielen Vorteilen für ganz Bayern. Und die muss man dann auch so erklären, dass sie der normale Bürger versteht.

Was haben Sie sich persönlich für ein Ziel gesetzt?

Kerkloh: In den nächsten zwei Jahren muss sich etwas entscheiden. Es ist auch eine gewisse Verpflichtung gegenüber der betroffenen Bevölkerung. Die Leute wollen wissen, ob hop oder top.

Die Gegner der dritten Startbahn werfen Ihnen vor, mit falschen Prognosen zu argumentieren!

Kerkloh: Die stammen aus dem Planfeststellungsverfahren. Kurzfristige Bewegungen gibt es im Flugverkehr immer. Fest steht, dass der Weltluftverkehr um fünf bis sechs Prozent pro Jahr steigen wird. Es gibt auch Schätzungen, wonach die Passagierzahlen in Deutschland bis zum Jahr 2030 um über 50 Prozent ansteigen. Jetzt stellen Sie sich vor, dass die Flughafenkapazität nicht mehr wächst. Es ist also eine hochsinnvolle Diskussion, die wir hier führen.

Können Sie Ryanair nun wirklich keine attraktiven Startzeiten anbieten?

Kerkloh: Wir haben keine zusätzlichen Slots mehr, mit denen Airlines wirtschaftlich arbeiten können. Das ist eine absolute Bremse – und macht eine substanzielle Kooperation unmöglich.

Wie wirkt sich dieser Engpass auf den normalen Fluggast aus?

Kerkloh: Kurzfristig wird er nichts merken – das muss man ehrlicherweise sagen. Aber langfristig wird die Anzahl der Ziele abnehmen und München damit an Bedeutung verlieren.

Obwohl Sie im nächsten Jahr das Satellitenterminal eröffnen?

Kerkloh: Dabei handelt es sich vorrangig um eine Qualitätsverbesserung. Wir wollen schließlich Europas bester Flughafen bleiben.

Das ist Michael Kerkloh

Chef der Flugabfertigung in Frankfurt, Co-Geschäftsführer in Hamburg – und seit 2002 alleiniger Boss in München: Das sind Michael Kerklohs (61) Stationen als Luftfahrt-Manager. Der gebürtige Ahlener (NRW) studierte in Göttingen, London und Frankfurt, wo er auch promovierte. Kerkloh baute den Münchner Airport zu einem der wichtigsten Knotenpunkte in Europa aus und kassierte erst durch das Nein der Münchner zur dritten Start- und Landebahn im Jahr 2012 einen ersten Dämpfer.

Sebastian Arbinger

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