Studie der bayerischen Wirtschaft

Flughafen: Milliardenverluste ohne dritte Startbahn

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377.000 Flüge gab es 2014 – die Zahlen sind seit Jahren rückläufig.

München - Die dritte Startbahn muss dringend gebaut werden! Das ist das wenig überraschende Ergebnis einer Studie, die die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) in Auftrag gegeben hat.

Sonst drohten demnach Milliardenverluste und auch Arbeitsplätze seien gefährdet. „München muss eine Blockadehaltung aufgeben“, sagte vbw-Präsident Alfred Gaffal bei einer Pressekonferenz.

2014 haben Unternehmen über den Flughafen Waren im Wert von 170 Milliarden Euro exportiert. „Im ersten Halbjahr 2015 verzeichnen wir ein Plus von 4,6 Prozent.“ Der Flughafen sichere ferner Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 4,4 Milliarden und fast 70 000 Arbeitsplätze in ganz Bayern. Mitgerechnet sind dabei auch die Stellen bei den Zulieferern.

377 000 Flüge gab es im Vorjahr. Seit einigen Jahren sind die Zahlen rückläufig. 2009 waren es noch 432 300. Der Rückgang erkläre sich mit den immer größer werdenden Fliegern, sagen die Wirtschaftsbosse. Doch auch da sei die Grenze erreicht.

Kommt die dritte Startbahn nicht, verliert der Flughafen – laut Studie – Passagiere. 39 Millionen waren es im Jahr 2013. Ohne dritte Startbahn sei die Hub-Funktion gefährdet. Damit bezeichnen Experten einen Flughafen mit Drehkreuz zum Umsteigen, um Direktverbindungen zu vermeiden. Die lohnen sich nämlich kaum.

Fällt die Hub-Funktion weg, geht die Studie von einem Verlust von über elf Millionen Passagieren aus. Denn es fehlen Angebote, Airlines könnten abwandern. Gäste fahren zum Fliegen dann vielleicht eher nach Frankfurt oder Nürnberg, wenn das näher ist. „Es droht der Verlust von 1,1 Milliarden Euro und von über 22 500 Arbeitsplätzen“, sagt Gaffal. Mit derzeit rund 40 Millionen Passagieren sei man am Limit. Laut Prognose sollen es im Jahr 2025 etwa 58 Millionen sein – das natürlich nur mit der dritten Startbahn. „Die ist unerlässlich!“

Warum der Flughafen noch im Blickpunkt steht, erklärt die tz auf dieser Seite.

Check-In-Kontrolle

Machen Kontrollen krank?

Die Affäre um krank machende Sprengstoffsuchgeräte am Flughafen weitet sich aus. War bislang von rund 60 krank geschriebenen Kontrolleuren der Sicherheitsgesellschaft (SGM) die Rede, berichtete die Gewerkschaft Verdi am Freitag, dass bei der zu 100 Prozent staatlichen SGM sogar 150 Mitarbeiter krank geschrieben seien. Allerdings sei unklar, was die Ursache dafür ist. Gewerkschaftssekretär Ulrich Feder berichtet: „Sechs Beschäftigte befinden sich immer noch in stationärer Behandlung.“ Außerdem spricht Verdi von Unstimmigkeiten in der Information der Beschäftigten: In internen Schreiben wurde mitgeteilt, die Flughafenfeuerwehr habe am 31. August Messungen vorgenommen. Diese Instrumente habe, so Verdi, die Flughafenfeuerwehr aber überhaupt nicht gemacht. Erst am 8. September habe man die Sprengstoffsuchgeräte abgeschaltet. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt in der Sache.

Haushaltsloch: Verkauft die Stadt jetzt ihre Flughafen-Anteile?

Bislang steht dem Bau einer 3. Startbahn die Stadt im Wege: Die Münchner hatten 2012 per Bürgerentscheid beschlossen, dass es keine dritte Startbahn geben soll. Die Stadt hat eine Anteil von 23 Prozent am Flughafen – und damit ein Vetorecht, das sie aufgrund des Bürgerentscheides wahrnehmen muss. „Es kann nicht sein, dass München entscheidet, wie wir in Bayern vorankommen, obwohl die Stadt durch den Flughafen im Grunde nicht belastet ist,“ schimpft vbw-Präsident Alfred Gaffal. Würde die Stadt ihre Flughafen-Anteile verkaufen, wäre dieser Stein aus dem Weg geräumt.

Tatsächlich gibt es im Rathaus Stimmen, die den Verkauf der Anteile fordern. Grund sind die jüngst aufgetauchten Haushaltslöcher im Rathaus. Die Anteile haben einen Nennwert von 70,6 Millionen Euro. Der Wert der Anteile ist aber viel höher: 2004 wurde er auf 125 Millionen Euro geschätzt, falls die Stadt ihre Anteile im Alleingang verkauft hätte. Sie wären sogar eine Milliarde Euro wert gewesen, wenn auch Bund und Freistaat ihre Anteile mit verkauft hätten. Allerdings würde die Stadt bei einem Verkauf auf jährliche Gewinne verzichten, 2014 waren es sieben Millionen Euro.

„Für uns ist ein Verkauf der Flughafen-Anteile nicht vorstellbar“, so Münchens SPD-Chefin Claudia Tausend zur tz. „Wir sind an den Bürgerentscheid gebunden, so CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer. Als Präsident der Industrie- und Handelskammer sagt er: „Der Stadtrat muss das Mandat, das der Bürger in die Hand gegeben hat, kraftvoll wahrnahmen.“ Da die rechtliche Bindungsfrist des Bürgerentscheides längst ausgelaufen ist, könne er selbst entscheiden. OB Dieter Reiter (SPD) will einen neuen Bürgerentscheid, falls die Starts und Landungen am Flughafen nachhaltig steigen.

Computer-Chaos

Computerpanne: Passagiere mussten warten.

Eine Computerpanne bei der deutschen Flugsicherung (DFS) hat am Donnerstag den Betrieb am Münchner Flughafen durcheinander gebracht. Nach Angaben von Flughafen-Sprecher Ingo Anspach gab es in den Mittagsstunden einen IT-Ausfall bei der DFS. Daraufhin mussten die Starts und Landungen stark gedrosselt werden: 100 Flüge waren von Verspätungen betroffen. Flugausfälle gab es nicht. Gegen 19.15 Uhr war das Problem behoben, der Flugverkehr normalisierte sich aber nur langsam. Das Wirtschaftsministerium erlaubte, das Nachtflugverbot vorübergehend zu beschneiden. Bis 0.30 Uhr wurden ausnahmsweise Starts und Landungen gestattet.

H. Moritz, Welte, S.Karowski

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