Angst vor staatlicher Verfolgung

Auf der Flucht vor Erdogan: Zwei türkische Familien bitten am Flughafen um Asyl

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Immer öfter kommen aber auch Passagiere, die grenzpolizeilich nicht überprüft werden müssten, von selbst auf die Beamten zu und bitten um Asyl.

Am Dienstag gab es am Münchner Flughafen zwei Asylgesuche von türkischen Familien zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Geschichten weisen Parallelen auf. 

Flughafen München - Sie waren Lehrer in der Türkei, jetzt sind sie laut eigener Aussagen auf der Flucht vor staatlichen Repressalien. Zwei türkische Lehrerfamilien wollten, oder besser gesagt sollten, über München die einen nach Kiew, die anderen in die USA fliegen. In München angekommen sprachen die Familienväter am Dienstag an beziehungsweise vor den Einreisekontrollen der Terminals 1 und 2 jeweils einen Bundespolizisten an und baten um Asyl in Deutschland.

Die beiden dreiköpfigen Familien reisten unabhängig voneinander mit dem gleichen Ziel – Schutz vor der Staatsmacht in ihrem Heimatland.

Der erste Fall: Lehrerfamilie sucht Schutz vor türkischem Staat

Am frühen Morgen sprach ein 30-Jähriger in Begleitung seiner 27-jährigen Ehefrau und seines zwei Jahre alten Sohnes einen Bundesbeamten an der Einreisekontrolle im Terminal 2 an und händigte ihm ihre türkischen Reisepässe sowie Flugtickets von Singapur über München nach Charlotte aus. Gültige Visa für Deutschland hatten die drei nicht. Er erzählte von Repressalien durch die Behörden seines Heimatlandes und von Angst um das Leben seiner Familie. Er sei Lehrer. Seit acht Jahren unterrichte er Türkisch in Bangladesch. Jetzt habe er seinen Aufenthalt in dem asiatischen Land verlängern wollen. Das wäre aber nur mit einem neuen türkischen Nationalpass möglich gewesen. Diesen habe ihm die Botschaft seines Heimatstaates aber verweigert. Man werfe ihm Nähe zur Gülen-Bewegung vor. Ohne Aufenthaltsgenehmigung habe er mit seiner Familie Bangladesch verlassen und eigentlich zurück in die Türkei reisen müssen. Dorthin wolle er aber nicht, habe Angst um seine Freiheit und sein Leben. Drei seiner Freunde seien bereits verhaftet worden - und das nur, weil sie Lehrer sind. In Deutschland wolle er für seine Familie und sich Asyl beantragen, weil er in einem Rechtsstaat leben wolle.

Der zweite Fall: Die gleiche Geschichte

Am Abend stand ein 36-jähriger Türke zusammen mit seiner sechs Jahre jüngeren Ehefrau und seinem einjährigen Sohn vor den Grenzkontrollschaltern der Bundespolizei im Terminal 1 und erzählte eine fast identische Geschichte. Auch er erklärte den Beamten, er sei Lehrer in der Türkei gewesen. Er sei außerdem Kurde. Auch er gab an, dass er durch die Regierung seines Landes verfolgt werde. Auch er erzählte, sie seien aus Angst vor Haft und Folter geflohen, erst vor vier Jahren in den Irak und jetzt nach Deutschland. Momentan werden laut dem 36-Jährigen viele kurdische Abgeordnete, Journalisten, Studenten und eben auch Lehrer ins Gefängnis gesteckt. Ihm selbst drohten zwölf Jahre Haft. Auch er erklärte laut Bundespolizei, er wolle mit seiner Familie in einem demokratischen Rechtsstaat leben, in dem die Menschenrechte gelten. Auch diese drei nutzten annähernd die gleiche Weise, um nach Deutschland zu gelangen und hier Asyl zu beantragen. Sie buchten einen Flug über München, in ihrem Fall von Casablanca nach Kiew, um die Gelegenheit beim Umstieg im Erdinger Moos für ein Schutzersuchen zu nutzen.

Aufgrund ihrer Schutzersuchen übergaben die Bundespolizisten die beiden Familien nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die dortigen Mitarbeiter haben nun über deren Asylanträge zu entscheiden.

Lesen Sie auch: Auf der Flucht vor Papa - und der Familie der Braut: Männer bitten am Flughafen um Asyl

mm/tz

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