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425 Millionen Euro neue Kredite: Flughafen München tief in den roten Zahlen - aber es soll aufwärts gehen

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Von: Dirk Walter

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Reiseverkehr zum Start der Osterferien
So war es 2019, und so soll es wieder werden: lange Schlangen am Terminal 2. © Sina Schuldt/dpa

Der Flughafen ist nach der Corona-Krise weiter im Aufwind. Erstmals kamen wieder 100 000 Passagiere an einem Tag. Was bleibt, ist ein hoher Schuldenstand.

München – In drei Wochen, am 17. Mai, feiert der Flughafen München runden Geburtstag. Auf den Tag genau 30 Jahre ist er dann im Erdinger Moos angesiedelt. Und es sieht so aus, als könnte Flughafen-Chef Jost Lammers nach zwei Jahren Durststrecke dann vielleicht nicht Champagner-, aber Sektkorken knallen lassen. Der Luftverkehr nehme „enorm an Fahrt auf“, sagte er bei der Jahrespressekonferenz in München. An Ostern bemerkte der Flughafen erstmals Anzeichen für einen neuen Höhenflug: In den Ferien lag das Flugaufkommen bei 70 Prozent des Niveaus von 2019. Am vergangenen Sonntag (24. April) waren es erstmals wieder 100 000 Passagiere an einem Tag – so viel wie zuletzt am 1. März 2020.

Ein weiteres Indiz für eine Erholung des Luftverkehrs: die Lufthansa wird in diesem Sommer wieder 26 Langstreckenjets von München aus einsetzen – nur noch drei weniger als vor der Krise. Lammers warnt aber vor voreiligen Schlüssen. Er bleibe bei seiner Prognose, dass erst 2024 bei Flügen und Passagieren eine vollständige Rückkehr auf das Vorkrisenniveau zu erwarten ist.

Flughafen München: 2021 sank die Zahl der Flüge um 60 Prozent

Die Krise hat den Flughafen stärker als andere Wirtschaftsbereiche getroffen. 2021 gab es gerade 153 000 Starts und Landungen – 60 Prozent weniger als 2019. Mehrere Großprojekte verzögern sich, ein neuer Flugsteig am Terminal 1 etwa wird nun frühestens Ende 2025 fertig. Zur dritten Startbahn sagte Lammers nur: „Das ist für uns jetzt kein Thema.“

Der Flughafen-Manager Jan-Henrik Andersson, der die Flächen am Flughafen vermarktet, berichtete von zahlreichen Geschäftsaufgaben. 23 Einzelhändler und sieben Gastronomen schlossen. Mittlerweile sind neun Einzelhändler und zwei Restaurants neu gewonnen worden.

Flughafen München tief in den roten Zahlen: 425 Millionen neue Kredite

Bei den Finanzdaten hat die Krise Spuren hinterlassen – der Flughafen bewegt sich tief in den roten Zahlen. Der Flughafen musste 425 Millionen Euro neue Kredite aufnehmen. Das gelang ohne staatliche Zahlungen am freien Kapitalmarkt – was nicht selbstverständlich ist. Der Schuldenstand insgesamt wuchs auf 2,8 Milliarden Euro, wie die neue Flughafen-Finanzchefin Nathalie Leroy sagte. 2020 machte der Flughafen 404 Millionen Euro Verlust, 2021 waren es noch 261 Millionen. Leroy ist indes zuversichtlich, 2023 ohne neue Kredite auszukommen.

Auch bei den Mitarbeitern machte sich die Krise bemerkbar. Die Konzernbelegschaft am Flughafen München sank von 9962 Ende 2019 auf 8628 Ende 2021. Der Abbau sei ohne Kündigungen vonstatten gegangen, betonte ein Sprecher. Aktuell sind noch zehn Prozent der Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Diese soll im Mai enden.

Flughafen München: Beschäftigte stellen Forderungen und übergeben Unterschriftenliste

Vier Männer
Unterschriftenübergabe im Landtag (v.l.): Aufsichtsrat Thomas Bihler, die Betriebsräte Johann Bachmayer und Orhan Kurtulan sowie Finanzminister Albert Füracker (2.v.r.). © dw

Die Beschäftigten wollen aber mehr. Gestern übergaben Betriebsräte im Landtag 1500 Unterschriften an Finanzminister Albert Füracker. Er ist Aufsichtsratschef der Flughafen GmbH und soll sich dafür einsetzen, dass ein Notlagentarifvertrag endgültig gestoppt wird. Zudem sollen zwei Tarifsteigerungen nicht verzögert, sondern sofort ausbezahlt werden, sagte Betriebsratschef Johann Bachmayer. Ebenso auf der Forderungsliste: ein höherer Fahrtkostenzuschuss und eine Sonderzahlung. Füracker erklärte, er werde mit Lammers darüber reden. Der Flughafen befinde sich „in einer wirklich komplizierten Situation“. (dw)

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