Bruchlandung am Geburtstag - Fünf Verletzte

Flughafen - Während der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Münchner Flughafens hat am Donnerstagnachmittag ein Passagierflugzeug eine Bruchlandung hingelegt. Fünf Passagiere erlitten leichte Verletzungen. Zeitweise wurde der Flugbetrieb ganz gestoppt.

Um 13.25 Uhr war die ATR-72, eine Propellermaschine der Lufthansa-Tochter Air Dolomiti, planmäßig in Richtung Venedig gestartet. Laut Airline-Sprecherin Silke Warnke-Rehm befanden sich 58 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder an Bord des Fluges LH 1912. Kurz nach dem Start meldete der Kapitän Rauch in Cockpit und Kabine. Er teilte der Flugsicherung mit, dass er zurückkehren werde. Dort richtete man sich laut Flughafen-Sprecher Robert Wilhelm auf einen Routine-Sicherheitseinsatz ein. Die Südbahn wurde gesperrt, die Feuerwehr rückte an.

Doch es sollte anders kommen: Ein Zeuge berichtet, dass die Maschine beim Anflug „komisch geschwankt“ habe. Nach dem Aufsetzen sei die ATR-72 einige Meter weitergerollt und habe dann einen Haken nach links geschlagen – in die Wiese. Dort knickte das Bugfahrwerk weg. Der Flieger steckte fest. Der Grund für die Havarie: Während der Landung traten laut Warnke-Rehm zusätzlich Triebwerksprobleme ein. „Unsere Feuerwehr war rasch vor Ort, musste trotz leichter Rauchentwicklung aber nicht löschen“, so Wilhelm. Weil auch die Feuerwache-Nord hinzualarmiert wurde, „kamen wir leider nicht umhin, den gesamten Flugbetrieb zeitweise einzustellen“, so der FMG-Sprecher weiter. Weil gestern nur in Deutschland Feiertag war, herrschte regulärer, sprich dichter Verkehr. „Dutzende Verspätungen zwischen 30 Minuten und einer Stunde waren nicht zu vermeiden“, so Wilhelm. Über 20 Flüge mussten nach Nürnberg, Salzburg, Linz und Stuttgart umgeleitet werden. Passagiere und Besatzungsmitglieder verließen die Air Dolomiti über den hinteren Ausgang.

Flughafen: Air Dolomiti kommt von Piste ab

Busse fuhren sie zurück zum Terminal. Dort klagte eine Reisende über Rückenprobleme. Anderen versagte aufgrund der Aufregung der Kreislauf. Rettungsdienst und Kriseninterventionsteam übernahmen die Versorgung. KIT-Einsatzleiter Klaus Hippe von den Maltesern war mit sechs Helfern im Terminal. „Viele Menschen haben Ansprache gebraucht, es waren auch Familien mit Kindern an Bord“, so Hippe. Sie hätten die Havarie hautnah mitbekommen. „Den Rauch haben alle gespürt, sie mussten sich Tücher vors Gesicht pressen“, berichtet der Einsatzleiter. Einige hätten Funkenflug aus dem Triebwerk beobachtet.

„Zum Glück haben sich meisten recht schnell wieder gesammelt und konnten noch am Nachmittag mit einer Ersatzmaschine über die Alpen fliegen.“ Die Betreuung durch Flughafen und Airline sei „sehr gut und hoch professionell gewesen“. An der Unglücksstelle begannen derweil die Bergungsarbeiten. „Ein Team der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat umgehend die Ermittlungen aufgenommen“, berichtet Wilhelm. Gegenwärtig sei noch unklar, wie es zu Rauchentwicklung und Triebwerksproblemen kommen konnte.

Das Propellerflugzeug muss möglichst rasch von einem Kran angehoben werden. Entweder wird es auf einen Tieflader gehievt, oder es kann mittels Pushback-Fahrzeug und dem eigenen Hauptfahrwerk in den Hangar geschleppt werden. Während die Nordbahn rasch wieder freigegeben werden konnte, blieb die Südbahn bis 15.30 Uhr dicht. Am 10. September 2008 war es schon einmal zu einem schweren Zwischenfall mit einer Air-Dolomiti-Maschine gekommen. Damals war ein Fahrwerk in Brand geraten. Und am 3. November vorigen Jahres kam an fast der gleichen Stelle wie gestern eine Boeing der Singapore Airlines von der Landebahn ab. Beide Unglücke endeten glimpflich – wie das am Airport-Jubiläum.

Hans Moritz

Erst im Herbst vergangenen Jahres war am Flughafen eine Boeing 777 der Singapore Airlines fast an der selben Stelle von der Südbahn abgekommen.

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