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Koffer-Chaos am Flughafen: Betroffene suchen auf eigene Faust – und berichten von „skandalösen“ Umständen

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Von: Dirk Walter

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Reisende warten tagelang auf ihr Gepäck. Am Flughafen München begeben sich die Besitzer selbst auf die Suche nach ihrem Eigentum.

München – Hunderte herrenlose Koffer. Und irgendwo mittendrin steckt auch die Reisetasche von Familie Pfeiffer. Das irre Chaos am Flughafen – auch ihr Gepäckstück war nach einer USA-Reise erst mal verschollen. Tagelang. Doch die Schlierseer hatten keine Lust, ewig auf ihr Eigentum zu warten, Weihnachten ohne die mitgebrachten Geschenke zu feiern. Und so machten sie sich selbst auf die Jagd nach ihrem Gepäck. Mit Erfolg!

Flughafen München: 30.000 Gepäckstücke der Lufthansa nicht zugestellt

Das „Drama“, wie Hanspeter Pfeiffer es nennt, begann am 15. Dezember. Wegen Eis und Schnee in den USA kam die Maschine, in der Sohn Benny saß, mit Verspätung in Charlotte an. Mit vier Stunden Verspätung hob der Lufthansa-Airbus schließlich Richtung Bayern ab. „Der Kapitän teilte mit, dass er nicht wisse, ob alles Gepäck mitgekommen sei“, sagt Pfeiffer. Die Befürchtung bestätigte sich: Das Sperrgut, Benny Pfeiffers Snowboard, hatte es geschafft. Seine Reisetasche aber nicht.

Kein Einzelfall! Darüber, wie viele Gepäckstücke an dem Tag und im Laufe des Advents nicht zugestellt werden konnten, will die Lufthansa keine Auskunft geben. Zuletzt schätzten Mitarbeiter des Flughafens die Zahl auf 30.000. Von Lufthansa heißt es, dass eine Gemengelage daran schuld sei: zum einen das Extremwetter vor zwei Wochen, zum anderen Personalengpässe beim Bodenpersonal. Ein Ende des Koffer-Chaos ist nicht in Sicht, noch ist Hochsaison: Bis zu 1,3 Millionen Fluggäste werden in München bis Ferienende erwartet.

Koffer-Chaos am Flughafen München.
Koffer-Chaos am Flughafen München. © Christian Scholle

Koffer-Chaos am Flughafen München: Mutter fährt zum Airport

Auch für Familie Hund fiel die erste große Reise ihrer Tochter mitten ins Chaos. Am 16. Dezember hob die Lufthansa-Maschine mit der Tochter von Dirk Hund an Bord in München ab. Es ging weiter über Frankfurt und Madrid nach Santa Cruz. Was dort jedoch nie ankam, war der Koffer der 18-Jährigen. Formulare zur Verlustmeldung habe es am bolivianischen Flughafen nicht gegeben. In Deutschland konnte Hund auch nichts erreichen, die Hotlines seien größtenteils eine Katastrophe. „Womöglich befindet sich der Koffer immer noch in München, nicht einmal nachschauen will man bei Lufthansa“, schimpft der verzweifelte Vater.

Auch die Pfeiffers hatten irgendwann die Nase voll von der Telefoniererei. Mutter Cornelia macht das, wovon ihr Airport-Mitarbeiter natürlich abgeraten hatten: Sie fährt zum Flughafen, fragt sich von Schalter zu Schalter durch – und wird schließlich in den Sicherheitsbereich gelassen. Dort trifft sie auf viele andere Suchende – und entdeckt wenig später tatsächlich die Reisetasche.

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Irre Koffer-Jagd am Münchner Flughafen: Zustände „skandalös“

Auch Alexander E., Doktorand aus Norwegen, berichtet gegenüber unserer Redaktion von seiner irren Jagd im Kofferlager. Inmitten von etwa 2000 Gepäckstücken entdeckt auch er schließlich sein Eigentum. „Als ich meinen Koffer gefunden hatte, hat dies keinen interessiert – ich nahm ihn einfach mit“, erzählt er. Obwohl die Gepäckstücke, wie in den Fällen von Familie Pfeiffer und Alexander E., also längst gefunden waren, hatte die Airline wohl Probleme, sie ihren Besitzern zu schicken. „Aktuell kann es zu Verzögerungen bei der Auslieferung kommen“, erklärt eine Lufthansa-Sprecherin.

„Uns nervt, dass man als zahlender Kunde sich selbst überlassen wird und die Airline komplett abgetaucht ist“, sagt Pfeiffer. Hund bezeichnet die Zustände als „skandalös“. Er wird es den Pfeiffers wohl nachmachen – und auf Koffer-Jagd gehen. (Sco, DW, SOP)

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