Chef Kerkloh erhöht den Druck für 3. Startbahn

Flughafen: Neue Auszeichnung, neuer Passagier-Rekord

+

München - Sind Sie im vergangenen Jahr vom Münchner Flughafen abgehoben? In den Urlaub vielleicht? Dann sind Sie einer von 39,7 Millionen Reisenden.

Genau so viele Passagiere verzeichnete der Airport nämlich im Jahr 2014. Das ist ein neuer Rekord! Und auch der Rubel rollt: Mit 100 Millionen Euro Gewinn konnte der Flughafen das Niveau vom Vorjahr halten.

„Wir bleiben damit einer der wenigen deutschen Airports, die nach wie vor signifikante Gewinne erwirtschaften“, freute sich daher gestern der Vorsitzende Geschäftsführer, Dr. Michael Kerkloh, bei Bekanntgabe der Jahresbilanz. Zwar sei die Zahl der Flüge selbst leicht zurückgegangen, dies sei „aber auf die gute Auslastung der Flugzeuge zurückzuführen“. Und noch eine Tatsache verkündete der Airport-Chef sichtlich stolz: „Wir sind als erster europäischer Flughafen mit fünf Sternen ausgezeichnet worden.“ Jedes Jahr nämlich bewertet das Londoner Institut Skytrax alle Flughäfen weltweit. Ähnlich wie bei den Michelin-Sternen für Köche bekommen nur die wenigsten die höchste Sternenzahl. Jetzt eben auch München – neben Singapur, Hongkong oder Tokio. „Das ist ein toller Erfolg“, so Kerkloh. Ausgezeichnet werden hierbei Komfort, Ambiente und Service.

Etwas gedrückter wurde die Stimmung, als die Sprache auf die 3. Startbahn kam: „Wir planen natürlich mit dem Bau, den wir ohne jegliche Steuermittel stemmen wollen“, erklärte Michael Kerkloh. Es dränge daher die Zeit, betonte er: „Es muss schnellstens eine Entscheidung her. Jetzt oder nie!“ Laut dem Airport-Chef müsse das Problem noch heuer gelöst werden – sonst „sei eine große Chance vertan“. Der Bau selbst würde drei Jahre dauern.

Flughafen-Chef Dr. Michael Kerkloh ist zufrieden mit seiner Gewinn-Bilanz.

Die Staatsregierung hatte am Donnerstag im Landtag nochmals betont, das umstrittene Projekt nicht mit juristischen Tricks und gegen den Willen der Landeshauptstadt durchsetzen zu wollen. München ist nach dem Freistaat und dem Bund der dritte Eigentümer des Flughafens. Die Stadt fühlt sich nach wie vor an einen Bürgerentscheid von 2012 gebunden, mit dem sich die Menschen gegen den Bau ausgesprochen hatten. Für das Großprojekt müssen allerdings alle drei Eigentümer einig sein. Auch Kerkloh sagte gestern, dass er den Bürgerentscheid nicht umgehen wolle: „Es muss ein gesellschaftlicher Konsens da sein.“ Zudem werde man sich bei der Entschädigung der betroffenen Gemeinden großzügig zeigen.

Armin Geier

Die Flughafen-Bilanz

2014 2013 Veränderung
Passagieraufkommen 39.700.515 38.672.644 +2,7 %
Flugbewegungen gesamt 376.678 381.951 -1,4%
Konzernumsatz 1200 Mio. Euro 1184 Mio. Euro +1,3 %
Gesamtergebnis nach Steuern 100 Mio. Euro 99 Mio. Euro +1,0%

OB: 3. Bahn nur mit Bürgerentscheid!

OB Reiter (SPD) mahnt: Kein Ausbau ohne die Münchner!

OB Dieter Reiter (SPD) freut sich über die „klare Aussage“: Finanzminister Markus Söder (CSU) verspricht, eine dritte Startbahn nicht gegen die Stadt durchzusetzen – etwa durch Umwandlung des Flughafens in eine Aktiengesellschaft. Reiter geht noch weiter: Die Startbahn wird nicht nur nicht gegen München durchgesetzt, sondern nicht gegen die Münchner. Da müsse schon ein neuer Bürger­entscheid her!

Denn die Münchner haben sich schon einmal festgelegt: Vor drei Jahren sagten 54,3 Prozent Nein zum Flughafenausbau. Juristisch galt der Bürgerentscheid nur ein Jahr – politisch wirkt er noch immer. „Die Münchner wollten mehrheitlich keine dritte Startbahn. Daran fühle ich mich gebunden“, sagt Reiter, der seinerzeit als Wirtschaftsreferent der Stadt für die dritte Startbahn plädierte. Ähnlich sieht es der Bürgermeister und heutige Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU), ebenfalls ein früherer Ausbau-Anhänger.

Eine neue Diskussion über die Startbahn? Die hält Reiter heute nicht für nötig: „Die Faktenlage hat sich geändert. Ich sehe derzeit keine Notwendigkeit, über das Thema zu diskutieren, weil seit über zwei Jahren die Zahl der Starts und Landungen zurückgeht.“ Unter Druck setzen lassen will er sich nicht.

Auf immer und ewig kann und will OB Reiter einen Ausbau aber nicht ausschließen: „Sollten Starts und Landungen wieder dauerhaft und nennenswert ansteigen, kann der Weg nur über einen neuen Bürgerentscheid führen. Ohne Beteiligung der Münchnerinnen und Münchner werden wir eine neue Entscheidung für oder gegen eine dritte Startbahn nicht treffen.“

David Costanzo

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe

Kommentare