Mutter in Münchner Frauengefängnis

Auf Toilette zurückgelassen: Das wurde aus dem Flughafenbaby

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Auf dieser Toilette war das Neugeborene am 30. Juli entdeckt worden.

Flughafen/Erding - Das Baby, das am 30. Juli in einer Parkhaus-Toilette am Flughafen München entdeckt wurde, befindet sich nun in einer Pflegefamilie. Die Mutter sitzt weiter in U-Haft. Der aktuelle Stand der Ermittlungen:

Franziska, das Baby, das nach der Entbindung am 30. Juli in einer Toilette im Parkhaus P 20 am Terminal 2 des Münchner Flughafens von der Mutter einfach zurückgelassen wurde und in letzter Minute gerettet werden konnte, hat nach einmonatiger Behandlung auf der Intensivstation das Hauner’sche Kinderspital in München verlassen dürfen.

Nach Informationen unserer Zeitung lebt die Kleine nun bei einer Pflegefamilie. Die Vormundschaft liegt beim Stadtjugendamt München, das sich bislang gegen eine Freigabe zur Adoption ausgesprochen hat. Eine Rückkehr zur leiblichen Mutter wird weiter ausgeschlossen.

Die Mutter schweigt weiter beharrlich

Die Mutter, eine 23-Jährige aus Heidenheim (Baden-Württemberg), wurde am Freitag von der Justizvollzugsanstalt in ihrer Heimat ins Frauengefängnis nach München verlegt. Den Gefangenentransport bestätigte Hildegard Bäumler-Hösl, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Landshut, auf Anfrage. Dies geschah auf Drängen der Kripo Erding und der Staatsanwaltschaft Landshut. Denn die junge Frau, die hochschwanger von Dubai kommend im Erdinger Moos gelandet war, schweigt zu den Vorwürfen weiter beharrlich. Gegen sie wird wegen versuchter Tötung ermittelt. Der 23-Jährigen droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Überführt werden konnte sie nach dem Hinweis eines Zeugen nur durch einen DNA-Abgleich. Die Ermittler haben weiter Fragen an sie und hoffen doch noch auf ein Geständnis. Nach Recherchen unserer Zeitung stammt die Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit aus einer Familie mit Migrationshintergrund. Dieser soll jedoch nicht der Grund für die Geburt auf der Toilette und das Zurücklassen des Säuglings gespielt haben. Es ging also eher nicht darum, Schwangerschaft und Geburt geheim zu halten. Zu dem Vater des Kindes äußerte sich Bäumler-Hösl sehr zurückhaltend: „Dazu können wir derzeit nichts sagen, die Ermittlungen laufen.“

Der Vater wird nur als Zeuge gesucht

Fest steht, dass die Mutter nicht während ihres Au-Pair-Aufenthalts in Dubai schwanger geworden ist. In dem Wüstenstaat hatte sie sich nur die letzten Monate vor der Entbindung aufgehalten. Damit ist sicher: Es kann sich nur um einen Mann aus der häuslichen Umgebung der Mutter handeln. Gesucht wird der Vater vorerst lediglich als möglicher Zeuge.

Der Fall Franziska hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. An einem hochsommerlichen Donnerstagnachmittag hatte eine Frau das Baby in der Parkhaus-Toilette entdeckt. Es steckte in der Schüssel. Ein Notarzt und ein Sanitäter, die zufällig in der Nähe waren, begannen sofort mit der Wiederbelebung des kleinen leblosen Körpers, der völlig unterkühlt war. Im Rettungshubschrauber ging es in die Kinderklinik nach München, wo Franziska vier Wochen lang intensivmedizinisch behandelt wurde. Der Flughafenverein und unsere Zeitung initiierten eine Spendenaktion für Fälle wie Franziska im Hauner’chen Spital, die laut Vorsitzendem Thomas Bihler 15 000 Euro erbracht hat.

Hans Moritz

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