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Nach der Geiselnahme in Hamburg: Wie steht es um die Sicherheit am Flughafen München?

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Eine Geiselnahme am Hamburger Flughafen hält am Wochenende die Bundesrepublik in Atem. Für den Airport München drängt sich die Frage auf: Wie bereiten sich die örtlichen Sicherheitskräfte und Behörden auf einen solchen Vorfall vor?

München - Schrecken am Flughafen Hamburg: Ein bewaffneter Mann ist am Samstagabend, 4. November, mit einem Auto auf das Vorfeld und damit in den Sicherheitsbereich des Airports eingedrungen – mit seiner Tochter als Geisel. Mehr als 16 Stunden legte er damit den Flugbetrieb lahm, während die Polizei versuchte, das vierjährige Kind zu befreien.

Deutsche Luftfahrtexperten und auch die Polizei üben nun scharfe Kritik am bisherigen Sicherheitskonzept deutscher Flughäfen. Dementsprechend stellt sich auch für den Flughafen München die Frage: Wie bereitet sich der Airport auf einen solchen Vorfall vor? Unsere Redaktion hat beim Betreiber, beim bayerischen Verkehrsministerium und bei der Bundespolizei nachgefragt.

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Nach der Geiselnahme in Hamburg: Flughafen München nimmt Vorfälle „sehr ernst“

Der Flughafen München könne zu Sicherheitsvorkehrungen und -maßnahmen im Detail keine Auskunft geben, erklärt ein Sprecher des Airports. Gleichzeitig betont er: „Vorfälle, bei denen mit brachialer Gewalt und hoch krimineller Energie die lokalen Sicherungsmaßnahmen durchbrochen werden, nehmen wir sehr ernst. Zusammen mit unseren Partnern werden wir mögliche Maßnahmen abstimmen.“ Dazu stünden Flughafen, Polizei- und Sicherheitsbehörden in regelmäßigem engen Austausch.

Collage Flughafen München Polizei Geiselnahme Hamburg
Nach der Geiselnahme in Hamburg muss auch der Flughafen München seine Sicherheitsmaßnahmen überprüfen. © tz.de Collage: IMAGO / IPA Photo (Flughafen München) und Jonas Walzberg/dpa (Polizeieinsatz)

Vorfälle, bei denen mit brachialer Gewalt und hoch krimineller Energie die lokalen Sicherungsmaßnahmen durchbrochen werden, nehmen wir sehr ernst.

Sprecher der Flughafen München GmbH

Vom bayerischen Verkehrsministerium hat unsere Redaktion die gleichen Aussagen erhalten. Derzeit entsprächen sämtliche Sicherheitsvorkehrungen am Münchner Flughafen den Vorgaben der internationalen zivilen Luftfahrorganisation (ICAO). Diese gingen sogar über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus. „Der Flughafen München hat in diesem Jahr bei Audits sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene sehr gut abgeschnitten.“

Luftfahrtexperte und Polizei kritisieren Sicherheit an deutschen Flughäfen

Dass auch am Flughafen München Sicherheitslücken vorherrschen könnten, deuten jedoch Ereignisse der jüngeren Vergangenheit an: Noch im Februar 2022 hat ein Aktivist der „Letzten Generation“ einen Zaun am Flughafengelände durchschnitten und drang somit zur Start- und Landebahn durch. Auch im Dezember letzten Jahres klebten sich Klimaaktivisten auf dem Rollfeld fest.

Die aktuellen Vorfälle in Hamburg dürften damit nur der Gipfel einer Diskussion um die Sicherheit an deutschen Flughäfen sein. So sagt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt, der bereits bei der Lufthansa, bei Boeing und bei der Pilotenvereinigung Cockpit gearbeitet hat, im Interview mit dem Spiegel: „Der Hamburger Flughafen ist nicht sicher – andere deutsche Airports auch nicht“. Das sei ein Skandal. „Flughäfen sind kritische Infrastruktur. Sie sind seit Jahrzehnten als bevorzugte Angriffsziele für Terroristen bekannt. Auf den Vorfeldern stehen Maschinen mit Zehntausenden Litern Kerosin im Bauch und Hunderten Passagieren an Bord.“

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hält die bisherigen Vorkehrungen für ungenügend: „Es ist nur schwer vermittelbar, dass etwa Weihnachtsmärkte mit Betonbarrikaden gesichert werden, und unsere Flughäfen werden als Hochsicherheitsbereiche von Betreibern stiefmütterlich behandelt“, so der Bundesvizevorsitzende Heiko Teggatz gegenüber der dpa. Die Politik müsse mehr unternehmen. „Da vermisse ich auch eine Initiative von Bundesinnenministerin Nancy Faeser.“

Auf Nachfrage bei der Bundespolizei München: „Vorfall wird jetzt evaluiert“

Von einem Sprecher der Bundespolizei Flughafen München erfährt unsere Redaktion, dass regelmäßig Streifen am Flughafen patrouillieren. Auch der Außenzaun werde selbstverständlich durchgängig geschützt – nicht nur durch die Bundespolizei, sondern zusätzlich auch durch Streifen des Flughafenbetreibers. Wie viele Polizisten gleichzeitig vor Ort seien, dazu könne die Bundespolizei keine Angaben machen. Grundsätzlich sollten im Fall einer möglichen Gefahrenlage aber innerhalb weniger Minuten Einsatzkräfte eingreifen können.

Auch der Vorfall am Flughafen Hamburg am Samstag werde aktuell selbstverständlich evaluiert. „Speziell heute gab es einen regen Austausch zwischen Flughafenbetreibern und Sicherheitsbehörden.“ Ob im Zuge der Geiselnahme nun neue Maßnahmen in München ergriffen werden, müsse aus sicherheitstaktischen Gründen geheim bleiben.

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