Das war der Starnberger Weltkriegsbomber

Starnberg - Überraschender Fund: Bei Bauarbeiten im Süden Starnbergs ist ein Flugzeugwrack gefunden wurden. Was es mit dem Flugzeug auf sich hat:

Starnberg: Flugzeug in der Baugrube

Nun ist es sicher: das Flugzeugwrack, das am Dienstag beim Ausheben einer Baugrube am Oberfeld in Starnberg gefunden wurde, ist ein amerikanischer Jagdbomber der Marke North American P-51D Mustang. „Wir konnten es anhand der Seriennummer und der Panzerung am Pilotenrücksitz feststellen,“ erklärt Starnbergs Polizeichef Norbert Reller.

Geholfen hat ihm dabei der Hobby-Flugzeugkenner Hagen Hanser aus München. Der Rentner arbeitete früher als Turbinenentwickler bei „MTU Aero Engines“ und studiert schon seit Langem alle möglichen Flugzeugtypen, unter anderem auch Jagdflugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg.

tz-Stichwort: Feuersturm

Das Erbe des Bombenkriegs der Alliierten schlummert noch immer unter München. In den letzten drei Jahren des Zweiten Weltkriegs flogen die Alliierten Luftangriffe — als Antwort auf die verheerenden deutschen Luftangriffe auf London und Coventry. Nicht alle Sprengsätze explodierten in der bayerischen Erde. Vielerorts lauert noch immer der Tod, in Form von hochgefährlichen Blindgängern. Allein im Stadtgebiet Münchens wurden nach Kriegsende rund 250 Fliegerbomben entdeckt und entschärft. Experten schätzen, dass noch weitere 500 bislang unentdeckt sind. 73 Luftangriffe flogen die Alliierten auf München, darunter 30 Großangriffe. Das Ziel waren Flächenbrände durch Brandbomben, um die Zivilbevölkerung zu demoralisieren. Die Strategie des Feuersturms forderte einen hohen Blutzoll: Fast 7000 Zivilpersonen starben, 16.000 wurden verletzt, 300.000 obdachlos.

Auch zu den fünf gefundenen Einzelkanonen, die seitlich an den Flügeln der Maschine angebracht waren, kann er eine Aussage treffen. „Es handelt sich dabei um Bordkanonen der Marke Kaliber Point 50 und einer Zwillingskanone,“ erklärt Hanser. Die Gefahr, dass noch weitere scharfe Munition in der Erde steckt, ist dennoch nicht gebannt. Denn laut Bauplan der Maschine verfügte das Flugzeug über insgesamt sechs Kanonen. „An jedem Flügel saßen drei Maschinengewehre,“ erklärt Hanser. Und das Flugzeug hatte noch eine andere Vorrichtung, die bis jetzt noch nicht entdeckt worden ist: Unten an den Flügeln der Maschine wurden oftmals auch zwei Bombenträger angebracht. „Die Chance ist natürlich gering, aber wenn wir Pech haben, dann hat auch dieses Flugzeug welche mitgeführt und die stecken jetzt noch irgendwo in der Erde,“ so Reller.

München - auferstanden aus Ruinen

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Deshalb suchten gestern Experten der Kampfmittelräumung und Bombenentschärfung des „Sprengkommandos Süd“ das komplette Gebiet weiträumig ab. Dabei kamen allerdings nur noch zwei weitere Einzelkanonen zum Vorschein, jedoch keine Bomben. Schließlich konnte die amerikanische Militärpolizei die Befürchtung auf einen Bombenfund entkräften. Sie hatte die US-Airforce kontaktiert, die kurz darauf bestätigte, dass der Bomber damals nur mit Einzelkanonen bestückt worden war. Trotzdem will Norbert Reller auf Nummer sicher gehen. „Wir suchen das Gebiet solange ab, bis wir zu 100 Prozent sagen können, dass keine Gefahr mehr besteht,“ so der Polizeichef.

Menschliche Überreste wurden auch gestern nicht mehr gefunden. Wahrscheinlich sprang der Pilot damals schon vor dem Absturz aus dem Flugzeug. Bis gestern Abend dauerten die Arbeiten der Sprengstoffexperten an, ab heute soll wieder gebaut werden düfen. Die Überreste des Flugzeugs, das wahrscheinlich schon in der Luft zerbrochen war, wurde vom Sprengkommando Süd mitgenommen.

von Stefan Schuhbauer von Jena

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