Försterin: "So habe ich die Leiche von Karl Radmiller gefunden"

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Mit Fahndungsplakaten in den Isarauen sucht die Polizei nach Hinweisen auf den Mörder.

Ismaning - Die Ismaninger Försterin Maria Reuther ist eher gelassen. Aber als sie im Unterholz der Isarauen im Oktober auf die Leiche von Karl Radmiller (81) stieß, hat sie sich gegruselt.

Der Mord an dem Mann aus Milbertshofen ist am 14. Dezember um 20.15 Uhr im ZDF Thema in „Aktenzeichen XY ungelöst“.

Der Tote, seit August vermisst, habe auf dem Rücken gelegen, sagt Maria Reuther, unter einer Hochspannungsleitung zwischen Ismaning und Fischerhäuser. „Nach Kampf sah es nicht aus.“ Dass die Polizei den Toten nicht gefunden hat, versteht Reuther nicht: Fast sichtbar am Rand einer Böschung lag der Mann, nur 50 Meter entfernt von der Stelle, wo zuletzt die Polizei mit Hunden und einer Hundertschaft das Waldstück durchforstet hatte. „Er sah fast ein bisschen aus wie Ötzi“, beschreibt die Försterin den Anblick. Kein Wunder, meint sie: Der Sommer war sehr heiß und der Münchner war ja wohl schon seit August dort tot der Sonne ausgesetzt. Nur eine Unterhose habe er noch angehabt.

Karl Radmiller

Die Pathologen stellen später fest, dass Karl Radmiller erstochen worden ist. Es wird vermutet, dass der Täter im Kreis von Homosexuellen zu finden ist. Das betreffende Waldstück ist bekannt als Homotreff. Der Rentner, so die Ermittlungen, war aber eher Zuschauer, als selbst aktiv. Die Münchner Kripo stößt ansonsten in ihren Ermittlungen aber, wie sie sagt, auf eine „Mauer des Schweigens“. Das wundert Reuther nicht. Sie kennt den Szenetreff und Homostrich recht gut: „Das sind immer die Gleichen, alles nette, gut situierte, gepflegte Leute. Im Winter geht es aber ruhiger zu.“ Ihr einziges bisher merkwürdiges Erlebnis dort in der Isarau liegt schon Jahre zurück: Da stand sie plötzlich vor einem splitternackten Mann, der mit Schnüren an einen Hochstand gefesselt war. Ob sie helfen müsse, fragte sie gelassen. Er verneinte ebenso ruhig und schickte sie weg. Sie grüßte noch und ging. Die bodenständige Försterin ist also nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen: „Natürlich war es etwas gruselig, auf den Toten zu treffen. Es war meine erste Leiche. Aber das Schlimmere für mich ist, dass da noch ein Mörder herumläuft, der einen Menschen auf dem Gewissen hat.“

Sie hat der Polizei so weit es ging mit Informationen geholfen. Die Homosexuellen, die den Ismaninger Szenetreff aufsuchen, sind sehr öffentlichkeitsscheu. Deshalb erhofft sich die Polizei auch Hilfe über die Fernsehsendung. Reuther: „Viele der Homosexuellen dort sind verheiratet und haben Familien. Das ist ein heikles Pflaster, auf dem sich die Polizei dort bewegen muss.“ Öfter habe sie auch in den vergangenen Wochen berittene Beamte gesehen, die nach Informanten Ausschau halten. Auch der ehemalige, evangelische Ismaninger Pfarrer Leo Volleth, bekennender Schwuler, der den Treff HuK, Homosexuelle und Kirche, in Ismaning gegründet hat, hat die Polizei unterstützt. Bisher erfolglos. Reuther ist noch ein zweiter Szenetreff in den Isarauen bei Freising bekannt.

Der zurück gezogen lebende Karl Radmiller wurde am 18. August zum letzten Mal gesehen. Seine Schwägerin meldete ihn vermisst. Da die homosexuelle Neigung im Laufe der Untersuchungen bekannt wurde, wurde auch in Ismaning gesucht. Dort fand man Anfang Oktober seinen Motorroller beim Parkplatz an der B471, an der Isarbrücke zwischen Ismaning und Garching. R.s Wertsachen, seine Hose und Schuhe sind verschwunden. Jetzt hofft die Polizei auf die Hilfe der XY-Zuschauer. 5000 Euro Belohnung sind ausgesetzt. agm

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