Gebrochener Kiefer, gebrochene Nase: Wer schlug wen?

Prozess nach Prügelei auf Faschingsball: Das Urteil gefällt nicht jedem

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An Fasching geht es nicht nur lustig zu. Die Folgen einer Schlägerei auf einem Faschingsball in Langenpettenbach waren heftig.

Die Folgen einer Schlägerei auf einem Faschingsball waren heftig: Jetzt fiel das Urteil - und das gefällt nicht jedem.

Dachau – Zwei junge Männer in Frauenkleidern, die sich mit drei Jugendlichen schlagen, ein doppelter Kieferbruch, eine gebrochene Nase: Wer auf dem Faschingsball in Langenpettenbach zugeschlagen hat, konnte in dem Prozess vor dem Dachauer Amtsgericht nicht geklärt werden. So wurden die beiden Angeklagten freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Brüdern aus Hilgertshausen, 18 und 22 Jahre alt, vorgeworfen, auf einem Faschingsball in Langpettenbach eine Schlägerei angezettelt und einer Person den Kiefer gebrochen haben. Es war der 23. Februar diesen Jahres. Paul (18) und Frank K. (22, Namen geändert) feierten im Frauenkostüm auf dem Faschingsball in Langpettenbach. Zwei Jugendliche (beide 16) wollten nach Hause und holten einen Freund (18) aus dem Sportheim ab. Hier verschwammen die Geschichten der Angeklagten und der vier geladenen Zeugen. Der eine sagte vor Gericht, Paul habe jemanden bewusstlos geschlagen, der andere sagte, Frank habe den doppelten Kieferbruch verschuldet, und die letzte Zeugin war sich „zu 100 Prozent sicher, dass der Paul den Bruch zu verantworten hat, nicht der Frank“. Selbst in der Anklageschrift hieß es, dass Frank für den Kieferbruch verantwortlich sei.

„Wir haben heute sechs unterschiedliche Versionen von sechs unterschiedlichen Personen gehört“, fasste die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer zusammen. Damit nicht genug: Während der Beweisaufnahme ging der Vater eines anderen Zeugen aus dem Sitzungssaal vor die Tür, wo sein Sohn auf die Vernehmung wartete. Prompt stellte der Rechtsanwalt der Angeklagten Vermutungen zum Gesprächsinhalt der beiden auf. Richter Daniel Dorner wies den Rechtsanwalt zurecht: „Das Gericht habe diesen Umstand schon erkannt und weiß dieses Verhalten zu bewerten.“ Später gab der Zeuge den Kontakt zu seinem Vater zu, über das Verfahren sei aber nicht gesprochen worden.

Am Ende der Verhandlung stand nur eines fest: Beide Parteien können nicht ganz unschuldig sein. Auf Seiten K.s musste eine gebrochene Nase und ein geprelltes Knie verkraftet werden, auf der anderen Seite zudem ebenfalls eine blutende Nase. Gravierender wog allerdings der doppelte Kieferbruch, der zusätzlich operiert werden musste. Vier Wochen lang war das Opfer krankgeschrieben.

Das Urteil von Richter Dorner – ein Freispruch – war zwar zu erwarten, dennoch niederschmetternd für die Angehörigen der Opfer. „Ich bin mir sicher, dass es Körperverletzungen auf Seiten der K.’s gab, allerdings ließ sich nicht zweifelsfrei feststellen, wer welche Verletzung zu verantworten hat“, erklärte Dorner. Auch rügte er den Vater, der den Gerichtssaal verlassen hatte und somit Gelegenheit hatte, mit seinem Sohn zu sprechen. Kopfschüttelnd verließen die Angehörigen nach Prozessschluss das Gerichtsgebäude – sie können das Urteil nicht verstehen. th

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