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„Sehr unglücklich“: Winter-Shuttle zu Neuers Forsthaus Valepp geplant - Selbst Bürgermeister überrascht

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Von: Christian Masengarb

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Im Winter per Bus erreichbar sein soll künftig das Forsthaus Valepp von der Spitzing-Seite aus. Die Marktgemeinde wollte dies verhindern.
Im Winter per Bus erreichbar sein soll künftig das Forsthaus Valepp von der Spitzing-Seite aus. Die Marktgemeinde wollte dies verhindern. © archiv tp

Im Winter soll ein Shuttle vom Spitzing zum Forsthaus Valepp pendeln. Das haben Freistaat und Pächter vereinbart. Die Gemeinde hatte das Gegenteil zugesichert bekommen.

Schliersee – Indem Grünen-Gemeinderat Gerhard Waas im Schlierseer Bauausschuss aus Protest gegen drei Tektur-Anträge zum Forsthaus Valepp gestimmt hat, hat er einen Plan bestätigt, von dem Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) offenbar nichts wusste: Im Winter soll ein Shuttle-Bus vom Spitzing ans Forsthaus fahren. Dem hatte sich die Gemeinde bislang verweigert. Nun kommt der Shuttle aber offenbar durch die Hintertür.

Forsthaus Valepp: Winter-Shuttle verspielt Vertrauen - Bürgermeister überrascht

Eigentlich standen im Bauausschuss drei Formalitäten auf der Tagesordnung: Wie berichtet, hatte das Gremium im Juni Gastronom Johannes Rabl und Fußball-Nationaltorhüter Manuel Neuer per Vorbescheid grünes Licht für die Wiederbelebung des Forsthauses Valepp erteilt; der Haushaltsausschuss des bayerischen Landtags hatte daraufhin einem Erbpachtvertrag mit dem Investoren-Duo zugestimmt. Die drei Tekturanträge sollten nun das Vereinbarte festzurren, damit die Umbauten beginnen können. „Ich will, dass die noch heuer anfangen und das Dach machen“, sagte Schnitzenbaumer. Mit Ausnahme von Waas stimmten alle Bauausschuss-Mitglieder für die Anträge.

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Waas begründete seine Ablehnung damit, dass er „sehr unglücklich“ über die Entwicklung beim Verkehrskonzept für das Forsthaus sei. Alle Beteiligten hätten der Gemeinde immer wieder zugesichert, keinen Verkehr von der Spitzingseite zum Forsthaus zu planen. „Jetzt gibt es einen Shuttle-Service vom Spitzing.“

Schnitzenbaumer widersprach. „Möglicherweise aus der Presse“ habe Waas diese „Fehlmeldung“ erfahren. „Wir haben ganz klar gesagt: ,Spitzing ist zu.‘ Da gibt es überhaupt kein Entgegenkommen von uns.“ Ihm habe auch Jörg Meyer, Leiter des Forstbetriebs Schliersee, dem die Straße vom Spitzing zum Forsthaus gehört, versichert, keinen neuen Verkehr zuzulassen. Das schließe einen Shuttle ein.

Neuers Projekt: Forsthaus Valepp - Forst bestätigt geplanten Shuttle

Eine Erfindung der Medien ist der Shuttle-Service vom Spitzing aber nicht. So schrieb zum Beispiel das Büro der Stimmkreisabgeordneten Ilse Aigner (CSU) am Tag der Landtagsentscheidung in einer Pressemeldung: „Zur Sicherung des Winterbetriebs im Forsthaus stellen die Staatsforsten bis zu zehn Parkplätze im Bereich Spitzingsee (Bereich Wurzhütte) zur Verfügung. Der Erbbauberechtigte kann in diesem Zeitraum die Hausgäste mittels eines Shuttleservices befördern.“ Diese von den Medien zitierte Info hielt das Schlierseer Rathaus offenbar für unrichtig.

Das ist sie aber nicht. Staatsforstleiter Jörg Meyer bestätigt auf Nachfrage: Im Winter ist ein Forsthaus-Shuttle für Personal und Gäste geplant. Da diese Passage offenbar im Erbpachtvertrag verankert ist, hebelt sie die „Kein-Neuer-Verkehr“-Zusage, wie sie die Marktgemeinde in den Gesprächen verstanden hat, aus.

Meyer betont: Der Verkehr werde minimal bleiben. Die Straße bliebe für den Individualverkehr gesperrt. Bis zur Eröffnung des Forsthauses werde der Forst mit den Gemeinden ein für alle tragbares Verkehrskonzept erarbeiten. Denkbar sei etwa, den Shuttle-Verkehr auf einen Kleinbus zu begrenzen, der je Richtung nur einmal täglich fährt. Die Forsthaus-Betreiber müssten sich außerdem „signifikant“ an den Räumungskosten der auch in vergangenen Wintern geräumten Straße zum Spitzingsee beteiligen. Bei Lawinengefahr stehe das Shuttle still. Maßnahmen zur Verringerung der Lawinengefahr wie Sprengungen seien im sensiblen Gebiet undenkbar. Meyer: „Die Natur liegt uns am Herzen.“

Shuttle zum Forsthaus Valepp: Bürgermeister stellt klar -„Mein Vertrauen ist nicht gewachsen“

Zu wenig, meint Waas. Weil die Begrenzungen nicht im Erbpachtvertrag stehen, könnten die Betreiber mit dem Verweis auf wirtschaftliche Not künftig häufigere Verbindungen durchsetzen, fürchtet der Grünen-Gemeinderat. „Ich will nicht unterstellen, dass es so kommen muss. Aber wir werden es auch nicht verhindern können. Der Betreiber hält jetzt alle Trümpfe in der Hand.“

Waas sagt, er sei enttäuscht von den Verhandlungsführern des Erbpachtvertrags und den Betreibern. „Wenn das jetzt schon so losgeht, bin ich gespannt, was noch kommt. Mein Vertrauen ist nicht gewachsen.“

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