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Forsthaus Valepp: Naturschützer fürchten Hotspot im Schutzgebiet - Neuer als Interessent bestätigt

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Von: Gabi Werner, Jonas Napiletzki

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Steht seit Jahren leer: das Forsthaus Valepp. Über die Pläne von Manuel Neuer und seinem Partner wird demnächst wieder beraten
Steht seit Jahren leer: das Forsthaus Valepp. Über die Pläne von Manuel Neuer und seinem Partner wird demnächst wieder beraten. © Fotomontage: THOMAS PLETTENBERG/picture alliance/dpa | Felix Hörhager

Nach den Erfahrungen mit der Saurüsselalm in Bad Wiessee sind Naturschützer in Habachtstellung. Sie sorgen sich um die Zukunft des Forsthauses Valepp.

Schliersee – Anfang dieses Jahres hatten die Sanierungspläne für das denkmalgeschützte Forsthaus in der Valepp für Aufsehen gesorgt. Damals wurde bekannt, dass sich auch ein prominentes Gespann aus Tegernsee für die Bewirtschaftung des historischen Gebäudes interessiert: Leeberghof-Betreiber Johannes Rabl und FC-Bayern-Torwart Manuel Neuer würden das Forsthaus auf Schlierseer Gemeindeflur gerne in Erbbaurecht von den Bayerischen Staatsforsten übernehmen.

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Forderung der Vereine: Forsthaus soll in Staatsbesitz bleiben

Beim Verein zum Schutz der Bergwelt sowie der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), die sich bereits Seite an Seite gegen die Eröffnung einer Gastwirtschaft in der Saurüsselalm in Bad Wiessee gestemmt hatten, schrillten daraufhin alle Alarmglocken. Natürlich werde man das Gebäude „denkmalgerecht wieder schön herrichten“, ist SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck überzeugt. Gleichzeitig fürchtet sie, dass hier „ein weiterer Hotspot in geschützter Natur“ entstehen könnte.

Attraktion für Ausflügler also statt stiller Einkehr für Wanderer? Auch der Verein zum Schutz der Bergwelt beobachtet die Vermarktungspläne mit Argusaugen und hat sich mit einem Schreiben an die Schlierseer Gemeinderäte gewandt. Für den Verein stelle die Valepp „ein landschaftlich einmaliges Juwel dar, das durch das denkmalgeschützte Ensemble aus Forsthaus, Klausenhaus und Kapelle ,Maria Hilf‘ hervorsticht“, schreibt Vorsitzende Sabine Rösler. Zudem liege das Forsthaus (Baujahr 1841) im naturschutzrechtlichen Schutzgebiet.

Verein äußert Kritik an den Bayerischen Staatsforsten

Harsche Kritik übt der Verein in seinem Schreiben an die Bayerischen Staatsforsten, die für die Bewirtschaftung und den Erhalt ihrer Liegenschaften verantwortlich seien, dieser Verpflichtung in puncto Valepper Forsthaus aber „nicht mehr nachkommen können oder wollen“. „Der Verein zum Schutz der Bergwelt kritisiert diese Haltung aufs Heftigste“, heißt es.

An die Gemeinde Schliersee richtet der Verein mehrere Bitten: Sie solle sich dafür einsetzen, dass das Forsthaus umgehend in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werde, dass das Gebäude „im uneingeschränkten Eigentum des Freistaates Bayern bleibt“ und – drittens – dass „nur eine saisonale Bewirtschaftung der Besucher der Valepp eingerichtet wird, die zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Pendelbus dorthin kommen“.

Brogsitter-Finck hat sich zudem an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gewandt. Sie kritisiert eine „illegale Entkernung“ des Forsthauses – die bislang aber folgenlos geblieben sei. Kritik an dem Konzept der Staatsforsten kommt auch vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege: „Ein solches Denkmal darf niemals einer Privatperson überlassen werden“, so der Verein.

Aktueller Stand: Interessent mit Manuel Neuer im „Doppelpack“

Von der Entkernung weiß auch Jörg Meyer, Leiter des Forstbetriebs Schliersee. Das Haus sei nahezu komplett entkernt worden, um es vor weiterem Verfall zu schützen, erklärt er. Kaputte Inneneinrichtung und verfaulte Teppichböden seien entfernt worden. „Alles Brauchbare wurde eingelagert.“

Dennoch gebe es „eine gewisse Dringlichkeit“ bei der denkmalschutzrechtlichen Herstellung. Die Vergabe als Erbpacht-Vertrag sieht der Forstebetriebsleiter als eine „zukunftsfähige Lösung“. Denn: „In dem Vertrag können wir die Rahmenbedingungen regeln.“ Auch habe die Erbpacht Schwung in das Bewerbungsverfahren gebracht. Das Angebot solle sich letztlich an Tagesgäste richten; die Planung müsse sich in Sachen Verkehr an den sensiblen Bereich in der Natur anpassen.

Dem stimmt Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer zu. „Wir wollen keine Eventgastronomie.“ Der Betrieb müsse öffentlich zugänglich sein und sich an Wanderer sowie Radler richten. Neben der Baugenehmigung, die zunächst abgelehnt wurde, könne die Gemeinde über die Betriebsgenehmigung Einfluss nehmen. „Das Konzept von Herrn Rabl lässt sich nicht schlecht an“, sagt Schnitzenbaumer. „Manuel Neuer taucht bei uns aber offiziell nicht auf.“ Rabl versichert indes auf Nachfrage: „Uns gibt’s nur im Doppelpack.“

Schritte bei der Entscheidung sollen „zügig“ fallen

Ob Rabl, Geschäftsführer der Latona Hotels & Restaurants GmbH, den Zuschlag erhält, ist offen. Vorher steht ein Ortstermin mit ihm, dem Bauausschuss des Gemeinderats und den Staatsforsten am 9. März an. Mit dem Bauantrag beschäftigt sich der Ausschuss am 29. März.

Ob Rabl, Geschäftsführer der Latona Hotels & Restaurants GmbH, den Zuschlag erhält, ist offen. Zuvor steht am 9. März ein Ortstermin mit ihm, dem Bauausschuss des Gemeinderats und den Staatsforsten an. Mit dem Bauantrag beschäftigt sich der Ausschuss am 29. März.

Während Meyer in Sachen Vergabe – eine Entscheidung der Staatsforsten – vorsichtig auf eine „zügige Lösung“ hofft, setzt Rabl bereits seit Jahren auf das Projekt. Auf seiner Firmen-Homepage ist die Eröffnung bereits für 2019 benannt. Damals hieß es: „Das Forsthaus wird in den kommenden Monaten zu einer einzigartigen Berglodge im alpinen Design umgebaut.“ Von derartigen Plänen war er in der Bauausschuss-Sitzung im Dezember bereits abgerückt. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte er seine Pläne als traditionellen Berggasthof vorgestellt. 

Lesen Sie hier: Das Forsthaus Valepp soll seit über zehn Jahren saniert werden.

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