Thomas Büttner: „Ich hätte ihn gerammt“

Er stoppte einen Geisterfahrer: Wir haben den Helden der A94 getroffen

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Thomas Büttner (49)  - der Held der Autobahn. Mit einem Citroën Jumper stoppte er den 89-jährigen Geisterfahrer und riskierte damit sein Leben. 

Dazu gehört sehr viel Mut: Thomas Büttner (49) hat einen Geisterfahrer auf der A94 gestoppt und damit wohl einem Motorradfahrer das Leben gerettet. Wir haben den Helden der Autobahn getroffen. 

Forstinning – Sekundenbruchteile hatte Thomas Büttner (49) Zeit. Sekundenbruchteile, die über Leben und Tod entschieden haben dürften. Auf der Autobahn 94 bei Forstinnung im Landkreis Ebersberg hat der 49-Jährige am Mittwoch einen Geisterfahrer gestoppt. „Ich hätte ihn gerammt!“, sagt er. 

Es ist ein sonniger Nachmittag. Büttner, der eine mittelständische Trockenbaufirma in Grafing hat und in Engelsberg (Kreis Traunstein) mit seiner Familie, Frau, zwei Kinder wohnt, fährt mit seinem weißen Citroën Jumper in Richtung Passau. Er muss zu einer seiner Baustellen in Maitenbeth bei Haag (Kreis Mühldorf). Er ist mit etwa 120 Kilometer pro Stunde auf der linken Spur unterwegs, als um 14.05 Uhr vor ihm zwei Autos „voll nach rechts“ ziehen. So als würden sie wegspritzen, wie er unserer Zeitung erzählt. „Ausgeschaut hat das wie früher bei dem Elchtest mit der A-Klasse, so sind die seitlich dringelegen.“ Dann sieht er den Grund für das brutale Ausweichmanöver: ein Geisterfahrer. 

Wenn das mit dem Opel zusammen stößt, stirbt der Biker wahrscheinlich

Etwa 400 Meter vor ihm rast auf seiner Fahrbahn ein dunkelblauer Opel entgegen. Büttner hat eine Zehntelsekunde Zeit und entscheidet sich: „Ich werde ihn stoppen.“ Hinter Büttner fährt ein Motorrad. Wenn das mit dem Opel zusammen stößt, stirbt der Biker wahrscheinlich, hat sich Büttner, selbst Motorradfahrer, gedacht. Er handelt im Affekt: Warnblinkanlage, Lichthupe „wie ein Verrückter“, bremsen. „Ich bin auf der Spur geblieben und voll in die Eisen gestiegen.“ Ordner, Handy und Gegenstände fliegen durch den Innenraum. Der blaue Opel Meriva wird langsamer. Büttner denkt, dass er das andere Auto bei diesem Tempo vielleicht an die Mittelleitplanke rammen könnte, ohne das viel passiert. Doch beide Autos kommen zum Stehen. Nur etwa ein Meter trennt die Fahrzeuge. 

Lesen Sie auch auf Merkur.de: Geisterfahrerin packt aus: So bin ich auf der falschen Spur gelandet

Drei Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden 

Das alles dürfte nicht länger als drei Sekunden gedauert haben, schätzt Büttner. Vom Erkennen des Geisterfahrers bis hin zum Stillstand. „Du handelst. Mehr nicht“, sagt der 49-Jährige, der mit seinen längeren, dunkelblonden Haaren, dem Bart und den Tattoos auf den Armen auch so ausschaut, als würde er anpacken, wenn es darauf ankommt. Er steigt auf der Autobahn aus, rennt zur Fahrertüre des Opels und reißt sie auf. „Der Mann hat mich sogar noch angehupt“, erzählt Büttner. 

Der Mann, der Falschfahrer, ist ein 89 Jahre alter Rentner aus dem Landkreis Ebersberg. Er ist überrascht. Er habe zu Büttner gesagt, dass er schnell umdrehe und weiterfahren wolle. Büttner zieht den Autoschlüssel aus der Zündung. „Du fährst nirgends mehr hin“, sagt er dem Mann. Erst jetzt schaut Büttner hinter sich und seinen Citroën Jumper. Autos und Lkw stauen sich. Fahrzeuge und ein Sattelschlepper stehen quer. Alle mussten eine Vollbremsung machen. Alles ging gut, es gab keine Unfälle, niemand wurde verletzt. „Ich habe am ganzen Körper gezittert“, sagt Büttner. Er ruft die Polizei an. Dann seine Frau. Es geht mir gut, sagt er ihr knapp und was passiert war. Der Motorradfahrer kam sicher zum Stehen. Alle atmen durch. 

“Zum Glück ist nichts passiert“, sagt der Geisterfahrer

Ein Wagen der Straßenmeisterei, der sich zufällig kurz vor dem Transporter und dem Opel befunden hatte, setzt zurück. Die Mitarbeiter sperren die Autobahn. Nach zehn Minuten trifft die Autobahnpolizei Hohenbrunn ein. Die Beamten vernehmen den 89-jährigen Opelfahrer und nehmen ihm den Führerschein ab. Bei der Anschlussstelle Hohenlinden war der Mann falsch auf die Autobahn aufgefahren und hatte 1,5 Kilometer auf der linken Spur zurückgelegt. Zu Büttner sagt der Rentner danach: „Zum Glück ist nichts passiert“ und legt ihm die Hand auf die Schulter. Nach einer Stunde fährt Büttner weiter. „Erst im Auto wurde mir klar, wie knapp alles war. Da wurde mir ganz anders“, sagt er. 

Der Einsatz des Trockenbauers aus Engelsberg dürfte einen schweren Unfall verhindert haben. Für Thomas Büttner war das Erlebnis nichts Neues. Erst vor neun Monaten war er bei Deggendorf in eine ähnliche Situation geraten. Auch da war ein Geisterfahrer auf der linken Spur auf einem Zubringer der A 92 auf ihn zugerast. „Den habe ich aber nicht gestoppt. Der hat vor mir gewendet“, sagt Büttner.

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