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Foto-Entdeckung nahe München: Natur kopiert weltberühmtes Gemälde „Der Schrei“ in Wurzelzeichnung

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Von: Josef Ametsbichler

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In Holz gebannte Angst-Attacke: Diese Wurzel, fotografiert von EZ-Fotograf Johannes Dziemballa, erinnert in Farbe und Ausdruck an das Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch.
In Holz gebannte Angst-Attacke: Diese Wurzel, fotografiert von EZ-Fotograf Johannes Dziemballa, erinnert in Farbe und Ausdruck an das Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch. © Johannes Dziemballa

Fotograf Johannes Dziemballa hat in einem Waldstück ein Wurzelbild an einem Baumstumpf entdeckt, dessen Astloch-Struktur frappierend an das weltberühmte Gemälde „Der Schrei“.

Steinhöring – Die Evolution hat das menschliche Gehirn darauf trainiert, Muster zu erkennen. Pareidolie heißt das Phänomen, wenn das Auge im Zufälligen, etwa in einer Wolkenformation, ein konkretes Bild oder gar Gesicht ausmacht. Ein Paradebeispiel dafür hat EZ-Fotograf Johannes Dziemballa in einem Waldstück nahe Steinhöring gefunden. Dort haben Sturmschäden und anschließende Holzfällungen ein Wurzelbild an einem Baumstumpf freigelegt, dessen Astloch-Struktur frappierend an das weltberühmte Gemälde „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch erinnert.

Wurzelzeichnung sieht Munchs „Der Schrei“ zum verwechseln ähnlich

Weit aufgerissen wie beim Original scheinen Mund und Augen des zu Wurzelholz erstarrten Charakterkopfs Schock und Angst lautlos in die Welt hinauszuschreien. Passend auch die Farben, die sofort an das menschengemachte Bild, gemalt in Pastelltönen, denken lassen.

Foto-Entdeckung nahe Steinhöring: Natur schafft ihre eigenen Kunstwerke

„Da sieht man, dass die Natur ihre eigenen Kunstwerke schafft“, sagt der Fotograf, der die hölzerne Munch-Miniatur – das Wurzelstück ist nur gut 30 Zentimeter lang und Teil eines Baumstumpfs – bei einem nasskalten Dezemberspaziergang auf Motivsuche fand. Das schwere, eingewachsene Holztrumm, das Wind, Mensch und Zufall von Erde und Rinde befreit haben, hat Dziemballa nicht angerührt, nur fotografiert. „Eine schöne Blume pflückt man schließlich auch nicht!“, sagt er. Aus dem gleichen Grund schweigt sich der Finder über den genauen Fundort vornehm aus. Zu hoch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit der Säge in den Wald zieht und das vergängliche Kunstwerk klaut oder zerstört.

„Der Schrei“ von Edward Munch 2004 geraubt

Schließlich sorgte der Raub des „Originals“ aus dem Osloer Munch-Museum einst für Schlagzeilen: 2004 drangen Kunsträuber am helllichten Tag mit Waffengewalt zu dem Gemälde vor und konnten damit entkommen. Erst zwei Jahre später tauchte die zig Millionen teure Beute wieder auf. Und die Wurzel wäre nicht das erste kuriose Objekt, das Begehrlichkeiten weckt: Ein Stück Toast, auf dem die Besitzerin das eingebrannte Antlitz der Heiligen Jungfrau Maria zu erkennen glaubte, brachte der Amerikanerin 2004 bei einer Auktion 28.000 Dollar ein.

Weltberühmt ist das Munch-Gemälde, hier in einer Ausstellung in Wien Anfang der 2000er.
Weltberühmt ist das Munch-Gemälde, hier in einer Ausstellung in Wien Anfang der 2000er. © H. K. Techt/dpa

Den „Forst-Munch von Steinhöring“, nennt Dziemballa seinen Schnappschuss augenzwinkernd. Der ist zwar keine zig Millionen wert, aber der Fotograf kann sich vorstellen, dass der norwegische Maler Ende des 19. Jahrhunderts von einem ähnlichen Fund zu seinem berühmtesten Bild inspiriert wurde. Im Wald, wo es die Natur geschaffen hat, soll das Stück ruhig bleiben. „Da gehört es hin“, sagt der Finder. Bis Zeit und Wetter den Steinhöringer Schrei verklingen lassen.

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