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Todkranke Frau aus Bayern muss umziehen - aber darf die Urne ihres Mannes nicht mitnehmen

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Von: Josef Ametsbichler

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Urnenwand Friedhof Pöring
Die Urnenwand am Pöringer Friedhof © Stefan Roßmann

Rosa Prochaska muss wegen Eigenbedarfs aus Zorneding wegziehen. Doch die Urne ihres Mannes darf sie nicht mitnehmen. Das Rathaus sieht den Umzug als keinen „wichtigen Grund“.

Zorneding – Schwer krebskrank und nach 50 Jahren wegen Eigenbedarfs aus der Wohnung gekündigt – so zog Rosa Prochaska im Juli von Zorneding nach Unterschleißheim (Kreis München). Das berichtet ihre Schwägerin, Agathe Schmidt (60). Neben dem Umzugsstress habe ein weiterer Umstand die Erkrankung der 76-Jährigen verschlimmert: Ihren verstorbenen Mann Günther (†76), der auf dem Pöringer Friedhof beigesetzt ist, durfte sie nicht mitnehmen. Die Gemeinde Zorneding gab einer Bitte nicht statt, die Urne des 2020 Verstorbenen nach Unterschleißheim umzubetten.

Krebskranke Frau darf Urne ihres Mannes bei Umzug nicht mitnehmen

„Wir hätten es ja verstanden, wenn es um eine Erdbestattung gegangen wäre“, sagt Agathe Schmidt, die ebenfalls in Unterschleißheim wohnt und nun dankbar ist, die Schwägerin zur Nachbarin zu haben – dank der durch glückliche Umstände aufgetanen Nachbarwohnung könne sie sich besser um die Seniorin kümmern, etwa wenn es um Fahrten in die Onkologie zur Krebsbehandlung gehe – die Frau sei im Endstadium erkrankt.

Der Urnenplatz am Pöringer Friedhof.
Der Urnenplatz am Pöringer Friedhof. © Stefan Roßmann

„Für sie ist das ganz schlimm“, sagt Schmidt über die Entscheidung aus dem Zornedinger Rathaus. Man habe die Beantragung der Umbettung für eine reine Formalie gehalten; nie mit einer Ablehnung gerechnet. Doch in der Friedhofssatzung heißt es in §25: „Die Ruhezeit für Aschenreste beträgt 12 Jahre.“ Und in §26 zum Thema Umbettungen: „Die Erlaubnis wird nur erteilt, wenn ein wichtiger Grund die Störung der Totenruhe und die Unterbrechung der Verwesung rechtfertigt.“

Einen solchen wichtigen Grund sieht das Zornedinger Rathaus im Umzug der Witwe des beigesetzten Günther Prochaska nicht gegeben. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) sagt auf EZ-Anfrage: „Ich bedauere das.“ Im Rathaus habe man den Fall ausgiebig beraten, mit dem Ergebnis: „Es gibt keinen Handlungsspielraum. Solche Entscheidungen muss ich treffen, wenn es die Rechtslage vorsieht.“

Urne muss auf Friedhof in Zorneding bleiben - Bürgermeister spricht von einem Graubereich

Rosa Prochaska fehlen die Friedhofsbesuche.
Rosa Prochaska fehlen die Friedhofsbesuche. © kn

Der Bürgermeister spricht von einem Graubereich. „Es ist ein Grenzfall, der sehr stark ins Emotionale geht.“ Doch die Zwölfjahresfrist könne man nicht aufweichen. „Die Totenruhe geht hier über alles“, sagt der Rathauschef.

Agathe Schmidt will sich im Interesse ihrer Schwägerin damit nicht abfinden. „Wir haben nichts zu verlieren“, habe die ihr gesagt. Nun will Schmidt „alle Hebel in Bewegung setzen“ – vom Rechtsanwalt bis zum Landrat, um die Umbettung doch noch zu erzwingen. Denn die verbleibende Zehnjahresfrist könne ihre todkranke Schwägerin nicht abwarten. Die regelmäßigen Besuche bei ihrem verstorbenen Mann seien ihr geistiger Halt, die eine Beschäftigung, die ihr noch wichtig gewesen sei im Leben. „Sie kommt da nicht mehr hin“, sagt Schmidt über den nun gut 40 Kilometer entfernten Urnenstandort in Pöring. Und über die Ablehnung der Gemeinde: „Ich finde das unterirdisch.“

Bei neuer Wohnung liegt Friedhof gleich gegenüber

Das Ehepaar Prochaska habe schon immer zurückgezogen gelebt. „Wir zwei reichen uns eigentlich zum Leben“, habe die Schwägerin immer gesagt. Vor seinem Tod habe sie ihn noch ein halbes Jahr daheim gepflegt. Das Paar habe keine Kinder, es gebe außer ihrer Familie keine nähere Verwandtschaft. Nun sei auch noch Rosa Prochaskas 13-jährige Kater „Romeo“ überraschend gestorben. „Er war alles, was sie noch gehabt hat“, sagt Agathe Schmidt. Dessen Asche darf die 67-jährige Prochaska immerhin mit nach Hause nehmen.

In der neuen Wohnung in Unterschleißheim sitze die Schwägerin nun meist allein. Der Friedhof, wo ihr Mann hätte liegen sollen, liege nur ein paar Meter weiter auf der anderen Straßenseite.

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