„An dem Ganzen ist nichts dran“

Bademeister nach schweren Facebook-Vorwürfen komplett entlastet

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Das Naturbad Furth in Oberhaching.

Bei Facebook ist einem Bademeister des Naturbads in Oberhaching von einer Flut von Menschen „sexuelle Belästigung“ unterstellt worden. Doch die Geschichte ist erfunden, der Vorfall ist anders abgelaufen.

Update am Mittwoch, 15.45 Uhr: Die schweren Vorwürfe gegen das Naturbad Furth in Oberhaching und einen Bademeister entsprechen nicht der Wahrheit. Die Polizei München teilt auf Nachfrage unserer Redaktion mit, dass die Mutter des Kindes, das angeblich vom Bademeister „sexuell belästigt“ worden sei, am Dienstagabend vernommen worden sei. Dabei habe sich herausgestellt, dass „an dem Ganzen nichts dran ist“, wie Sprecher Carsten Neubert mitteilt. Eine Anzeige der Mutter sei nicht erfolgt. Es gebe nach dem Gespräch mit der Frau keinerlei Hinweise von sexueller Belästigung des Bademeisters. 

Das soll passiert sein

Der Bademeister habe, nach Informationen der Polizei, die Mutter darauf hingewiesen, ihrem dreijährigen nackten Kind etwas anzuziehen. Weiter heißt es: Darüber hätte sich die Frau echauffiert und ihren Frust in einer „geschlossenen Facebook-Gruppe“ gepostet. In der Folge habe sich die Geschichte dann „verselbstständigt“, sagt Neubert. Dem Naturbad und dem Bademeister seien öffentlich Vorwürfe gemacht und dem Bademeister unterstellt worden, er hätte das Kind der Dame sexuell belästigt.

Es handelte sich nicht einfach nur um ein einzelnes Posting. Stattdessen haben sich über Stunden Dutzende Facebook-Nutzer öffentlich auf der Seite des Naturbads zu Wort gemeldet und dem Bademeister üble Dinge unterstellt.

Welche Konsequenzen haben die Unterstellungen?

Dass es Konsequenzen für diejenigen haben kann, die diese Unterstellungen bei Facebook veröffentlicht haben, bestätigt der Polizeisprecher. Dafür müsste der Bademeister aktiv werden und Strafanzeige erstatten. Im Raum stünden üble Nachrede bis hin zu Verleumdung. 

Gegenüber unserer Redaktion wollte sich die Mutter zu dem Sachverhalt nicht äußern, sie hat den folgenschweren Stein wohl unabsichtlich ins Rollen gebracht.

Hinweis der Redaktion: Wir weisen darauf hin, dass es keine Vorverurteilung in die eine oder die andere Richtung geben darf. Wie gefährlich das werden kann, zeigt der vorliegende Fall. Wir haben uns für eine frühzeitige Berichterstattung ohne Vorverurteilung entschieden, in der wir die Fakten und die offenen Fragen auflisten, weil der Fall vor Ort in Oberhaching durch die Facebook-Öffentlichkeit bereits hohe Wellen geschlagen hatte. Und weil eine dringende Aufarbeitung auch durch journalistische Recherche in Zusammenarbeit mit der Polizei nötig war. Wir klären hiermit die Sache final auf und möchten unterstreichen, dass der Bademeister durch die Polizei vollkommen entlastet ist und sämtliche Vorwürfe haltlos sind.

Die Vorgeschichte

Die Vorwürfe gegen das Naturbad Furth in Oberhaching (Landkreis München) und einen Bademeister wogen schwer. Bei Facebook behauptete eine Userin namens „Julia G.“ in einem inzwischen gelöschten Posting (von unserer Onlineredaktion gespeichert), dass die dreijährige Tochter einer Bekannten vergangene Woche in dem Bad von einem Bademeister sexuell belästigt worden sei. Der Polizei war der Fall zunächst nicht bekannt, die Verantwortlichen des Bades selbst fielen „aus allen Wolken“, wie es in einer ersten Stellungnahme hieß.

Innerhalb von wenigen Stunden wurde der Eintrag am Dienstag mehrfach kommentiert, andere User verbreiteten die Vorwürfe auf der Facebookseite des Bades - zum Teil auf Englisch - weiter. Userin „Kristin K.“ schreibt, dass sie vermute, dass der Bademeister „pädophil“ sei. Dutzende negative Bewertungen mit Hinweis auf den angeblichen Vorfall waren  seit Dienstag auf der Facebookseite eingegangen.

Bei der Polizei ging zunächst keine Anzeige ein

Auf Nachfrage unserer Onlineredaktion bei der Polizei Unterhaching hieß es am Dienstagvormittag, dass ein solcher Vorfall nicht bekannt sei. Eine Anzeige dazu sei bei der Dienststelle bisher nicht eingegangen. Stefan Schraut, Dienststellenleiter, sagte: „Wir prüfen die Vorwürfe auf Substanz.“ Die Einträge auf Facebook seien gesichert worden, der Fall an die Abteilung für Sexualstraftaten übergeben worden. Als erstes wollte die Polizei prüfen, ob „Julia G.“ überhaupt existiere und von wem sie die Informationen zu dem Vorfall habe. Zeugen - allen voran die Mutter - sollten ausfindig gemacht werden.

Unsere Redaktion konnte die angeblich betroffene Mutter nach umfänglichen Recherchen zunächst nicht erreichen. Die Behörden würden, so Schraut, „in alle Richtungen ermitteln“. Es gelte zu klären, ob es tatsächlich zu dem Vorfall kam. Oder ob es sich lediglich um eine „Blase“ handle und es eine Kampagne gegen das Bad sei. 

Mutter soll „Ross und Reiter“ nennen 

Die Verantwortlichen des Bades, das von dem Verein „Freunde Further Bad“ geführt wird, hatten sich in einer ersten Reaktion überrascht gezeigt. Stefan Schelle ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins und Bürgermeister der Gemeinde Oberhaching. Er sagte, es handele sich um „schwerwiegende Vorwürfe“, mit denen „niemand gerechnet“ habe. „Wenn es sich bewahrheitet“, habe das krasse Folgen. Erst einmal gelte zu klären, was an den Vorwürfen dran sei. Solange nur bei Facebook Dinge gepostet und über Dritte weiter verbreitet würden, „können wir es nicht werten“. Die betroffene Mutter solle „Ross und Reiter“ nennen und Anzeige erstatten. Der Verein dachte indes darüber nach, was gegen den Wirbel, der sich bei Facebook entwickelt hatte, getan werden könne. In Betracht wurde gezogen, die Vorwürfe als „üble Nachrede“ zu werten, so Schelle. 

Eine Unschuldsvermutung war natürlich wie immer zunächst angemessen - und diese bewahrheitete sich am Ende: Die massiven Vorwürfe zahlreicher Menschen bei Facebook gegen den Bademeister erwiesen sich als rundum haltlos. In diesem Fall wurde jemand an den Pranger gestellt, der nichts anderes gemacht hat als seinen Job zu tun. 

mm/tz

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