1. tz
  2. München
  3. Region

Im Falle eines Blackouts: Feuerwehren werden zur ersten Anlaufstelle - Notfall-Liste für Bürger

Erstellt:

Von: Lukas Schierlinger

Kommentare

Lagezentrum der Feuerwehr Moosburg
Das Lagezentrum der Moosburger Feuerwehr beim schweren Unwetter am 20. Juni. Damals gab es weitreichende Stromausfälle und die Feuerwehr war die erste Anlaufstelle für die Bürger. Ganz ähnlich könnte es auch sein, wenn es im Winter zu länger andauernden Stromausfällen aufgrund von Engpässen in der Stromversorgung kommt. Laut Kreisbrandrat Manfred Danner kann hierfür auch jeder einzelne Bürger Vorsorge treffen.  © Feuerwehr Moosburg

Sollte es zu einem Blackout kommen, wären die Feuerwehren die ersten Anlaufstellen für Notleidende. Freisings Kreisbrandrat hat Tipps für die Bürger.

Landkreis – Der aktuell viel diskutierte Katastrophenfall ist unwahrscheinlich, gänzlich auszuschließen allerdings ist er nicht: ein länger andauernder Stromausfall aufgrund von Energie-Engpässen. Sollten im kommenden Winter die Lichter ausgehen, sind vor allem die Feuerwehren des Landkreises der erste wichtige Baustein eines Katastrophen-Managements, das aktuell vor allem auf kommunaler Ebene noch einige Lücken aufweist.

Das Freisinger Tagblatt hat mit Kreisbrandrat Manfred Danner über den Ernstfall gesprochen. Der sieht hier auch die Kommunen in der Pflicht. Die müssten beim Katastrophenschutz mehr Geld in die Hand nehmen.

Blackout unwahrscheinlich, aber Feuerwehren werden gerade aufgerüstet

„Aktuell werden die Feuerwehren im Landkreis mit Notstrom-Aggregaten ausgerüstet“, berichtet Danner – zusätzlich zu den Anlagen, die sowieso schon meist auf den Fahrzeugen untergebracht sind, um etwa Unfallfahrzeuge „aufspreizen“ zu können. Der Grund der zusätzlichen Katastrophenschutz-Investition ist einfach: Sollte es zu einem Stromausfall im Landkreis kommen, wäre in jeder einzelnen Ortschaft als Basis ein Gebäude sofort wieder mit Strom und damit auch mit Wärme versorgt.

Damit ist jede einzelne Feuerwehrhalle, und mag sie auch noch so klein sein, die erste Anlaufstelle für die Bürger der jeweiligen Gemeinde oder des Ortsteils. „Die Feuerwachen werden zu Leuchttürmen, zu dem die Menschen kommen können“, erklärte Danner. An der Wache angekommen, leiten die Floriansjünger die Menschen dann im besten Fall weiter zu möglichen Sammelstellen, wie Turnhallen.

Landkreis Freising: Feuerwehr wird auch zum Telefon-Ersatz

Eins sei dabei nicht zu unterschätzen. Fällt der Strom mitten im Winter aus, würde es in den Wohnungen sehr schnell kalt werden, weshalb beheizte Treffpunkte notwendig seien. Hier sieht Danner die Kommunen in der Verantwortung, denn keine Feuerwache des Landkreises könne sämtliche Bürger aufnehmen.

Freisings Kreisbrandrat Manfred Danner 2022
Kreisbrandrat Manfred Danner: „Besser haben als brauchen“. © Feuerwehr

Die wohl zentralste Rolle werden die Feuerwehren bei einem ganz anderen Problem übernehmen müssen: der Kompensation bei einem Ausfall des Telefonnetzes. Im Klartext: Ereignet sich im Ort ein medizinischer Notfall, müssten Angehörige persönlich zur Wache kommen, damit dann dort die Leitstelle informiert werden kann – außer es ist ein aufgeladenes Smartphone zur Hand, und das Handy-Netz bleibt stabil. Umso wichtiger ist es, sich im Ernstfall nur auf die wichtigsten Gespräche via Handy zu beschränken.

Vorbereitungen für möglichen Blackout in Bayern: Gemeinden müssen für Wärme sorgen

Danners Rechnung fordert die Gemeinden: Pro Gemeinde reiche ein bei der Feuerwehr vorhandenes Notstrom-Aggregat keinesfalls aus. Hier müssten die Kommunen selbst weitere anschaffen, um eben beispielsweise Turnhallen heizen zu können. „Aber es geht auch um Rathäuser und deren Computer-Systeme, die müssen eigentlich auch am Netz bleiben – ganz zu schweigen von den jeweiligen Kläranlagen“, betont der Kreisbrandrat.

Die Notfall-Liste

Auch weitere kritische Infrastrukturen wie Apotheken oder Lebensmittelläden müssten sich jetzt bereits Gedanken machen, wie im Falle eines Blackouts zumindest ein eingeschränktes Tagesgeschäft weiterhin möglich sein könnte. Ohne Strom würde natürlich auch das Einkaufen schnell zu einem Problem werden – wie auch das Tanken oder Geld-Abheben am Bankomaten.

Kreisbrandrat Danner: Mehr Geld in die Hand nehmen

Was Danner diesbezüglich ärgert, ist der Umstand, dass seiner Meinung nach die Städte und Gemeinden oft zu zögerlich handeln, weil umfassender Katastrophenschutz durchaus teuer werden kann. „Die Kommunen müssen jetzt Geld in die Hand nehmen“, lautet Danners Wunsch, damit sie nicht „im Dunklen“ sitzen bleiben.

Danner selbst hält einen längeren Stromausfall in Deutschland für höchst unwahrscheinlich. Trotzdem gelte hier – in puncto Notstrom-Aggregate und allen weiteren Vorsorgemaßnahmen: „Haben ist immer besser als Brauchen!“ Danner appelliert aber auch an die Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand jedes Einzelnen. „Aufgeladene Powerbanks für das Mobil-Telefon sind zum Beispiel nie verkehrt, wie genügend Batterien für Taschenlampen und natürlich genügend Essen und Trinken.“

Örtlicher Einsatzleiter bei der Teambesprechung in Moosburg
Die Feuerwehren – hier in Moosburg bei einer Besprechung nach dem Unwetter vom Juni – werden gerade mit Notstromaggregaten ausgestattet. © Feurwehr Moosburg

Da bei Stromausfall auch die sogenannten Hausnotrufe nicht mehr funktionieren, sei es laut Danner bereits jetzt wichtig, die persönliche Nachbarschaftshilfe zu stärken und vorsorglich Netzwerke zu bilden, um hilfsbedürftigen Personen zur Not unter die Arme greifen zu können.

Gerade hatten es die Feuerwehren des Landkreises mit einem echten Katastrophen-Szenario zu tun, als es in Moosburg nach einem Unwetter mit Starkregen zu weitreichenden Stromausfällen kam. „Da hat man erst mal gesehen, wo was fehlt“. Damals seien aber nur sehr wenige Bürger zum Feuerwehrhaus gekommen.

Gut gerüstet dank starker Feuerwehren

Der Kreisbrandrat glaubt, dass die ländlichen Regionen besser mit einem Stromausfall zurechtkommen würden als größere Städte – weil sich auf dem Land jeder kennt, und zahlreiche Landwirte über ein Aggregat verfügen. „Auf dem Land grillt man dann halt einfach zur Not“, sagt Danner – in der Stadt hingegen kenne man oftmals nicht einmal den nächsten Nachbarn.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Grundsätzlich sei der Landkreis dank seiner starken Feuerwehren-Präsenz gut gerüstet: „Mit 85 Standorten sind wir einfach die stärkste Fraktion“, sagt Danner. Wichtig sei aber in jedem Fall: „Keine Panik, und der Sache, die da kommt, ruhig ins Auge schauen!“ Neben den Feuerwehren gebe es ja auch noch andere Hilfsorganisationen wie die Johanniter, das BRK und das THW.
Richard Lorenz

Auch interessant

Kommentare