Freier Wähler auf Abwegen

Abgeordneter setzt rechten Post auf Facebook ab - mit diesen Reaktionen hat er wohl nicht gerechnet

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Mit einem Post bei Facebook hat FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer einen Shitstorm ausgelöst.

FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer hat einen Shitstorm ausgelöst: Grund dafür war ein Post auf seiner Facebook-Seite - den er im Nachhinein als „Satire“ rechtfertigt.

Freising – Einen Shitstorm hat FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer am Wochenende ausgelöst und geerntet. Grund war ein Post auf seiner Facebook-Seite, der wegen rechtspopulistischer Aussagen und Abschnitten, die in die Ecke der heftigsten Klimawandel-Leugner gehören, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. 

Landtagsabgeordneter der Freien Wähler sieht Post als „Satire“

Zierer selbst sieht das als „Satire“, wehrt sich auf seiner Facebook-Seite gegen die „teils dämlichen Kommentare“ und betont, er habe sich bei seiner politischen Arbeit noch nie den Mund verbieten lassen. Und darauf „bin ich stolz. Punkt.“

Benno Zierer veröffentlicht Post auf Facebook - ohne Quellenangaben 

„Das Wort zum Sonntag“ ist der lange Text überschrieben, den Zierer nicht selbst verfasst hat, den er aber kopiert und ohne Quellenangabe auf seine Facebook-Seite veröffentlicht hat. Der Text ist die Beschreibung eines Tages Ende Mai 2026: Man müsse allmählich in die Stadt nach Hause zurückkehren, weil man sich vor Wolfsrudeln in Acht nehmen müsse, heißt es dort. Der Heimweg werde mit „Lastenrädern und Handwagen, in die man die Kleinen stopft“ angetreten. Strom sei zu teuer geworden, um ihn für Beleuchtung zu verwenden, „aber gleich wird der Muezzin die Gläubigen zum Gebet rufen“, so die von Zierer kopierte Schilderung. 

Grünen mit Mehrheit, ab 22 Uhr keinen Strom mehr: Das ist im Facebook-Post zu lesen

Und weiter: Die Grünen hätten bei der letzten Bundestagswahl die absolute Mehrheit errungen, es gebe für die Bevölkerung zwischen 22 und 5 Uhr keinen Strom mehr. „Schnell nach Hause“ müsse man auch deshalb, weil „es auch in der Stadt nach Sonnenuntergang zu gefährlich ist, marodierende Banden ziehen durch die Straßen, ausgebrannte Autowracks zeugen davon.“ Autos mit Benzinmotor würden eh nicht mehr gefahren, „sogar der Papst in Rom lässt sich im Ochsenkarren von der katholischen Landjugend über den Petersplatz ziehen“. Und in diesem Stil geht es weiter: Auf dem Tisch der Familie lägen Wildkräuter, Kartoffeln und Möhren. „Viele Bauern haben sich wegen Missachtung ihrer Arbeit im leeren Stall aufgehängt.“ Außerdem gebe es eine „Ökopolizei“.

Ursprünglich wurde der Text online auf gloria.tv und mmnews veröffentlicht. Das eine ist eine anonym betriebene Website, die 2013 durch die Leugnung des Holocaust auffällig wurde, das andere gilt als Portal für rechtsradikale Meinungsbildung.

Reaktionen auf Facebook-Post von Abgeordnetem sind eindeutig

Die Reaktionen im Netz auf Zierers Post sind eindeutig: „Unglaublich, zu welchen Mitteln Sie greifen müssen, um politisch erfolgreich zu sein“, echauffiert sich ein User. „Der Text ist das Letzte, und dass Sie ihn hier verbreiten, disqualifiziert Sie leider völlig“, so ein anderer. Vor allem Politiker der Grünen machen Zierer Dampf. Kreisvorsitzende Verena Juranowitsch: „Startbahn-Gegner vergrault, woher bloß neue Wähler nehmen? Kann ja nicht schaden, ein bisschen am rechten Rand zu fischen, oder?“

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Zierer hat zunächst betont, dass der Text „selbstverständlich als Satire gedacht“ sei. Er habe damit nur auf die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Gesellschaft hinweisen wollen. Gestern hat Zierer dann in einem eigenen Post nachgelegt: Er finde es „erschreckend“, wie manche „auf nicht ganz ernst gemeinte Texte im Netz reagieren“.

FW-Abgeordneter veröffentlicht Post: Einzelne Stimmen stehen hinter Zierer

Immerhin gibt es auch ganz vereinzelte Stimmen, die hinter Zierer stehen. Zum Beispiel der ehemalige FW-Landtagsabgeordnete und Zierer-Kollege Günther Felbinger, der sich vor seinem Austritt aus der FW-Fraktion im Jahr 2017 Betrugsvorwürfen ausgesetzt sah. Sein Kommentar zu dem Post Zierers: „Klasse Benno!“ Ein anderer User sieht in Zierer „ein billiges Opfer“ der „Antifa-Gesinnungsschnüffelei“.

Kommentar: Zierers Tritt in den ganz großen Fettnapf

So kommentiert FT-Mitarbeiter Andreas Beschorner die Aktion von FW-Landtagsabgeordnetem Benno Zierer: „Satire muss man können. Und man muss wissen, ob etwas Satire ist. Benno Zierer weiß das offenbar nicht, das hat er jetzt mit einem sehr fragwürdigen, stark rechtspopulistisch angehauchten Facebook-Post bewiesen. Was er da in Sonntagslaune ohne Quellenangabe kopiert und veröffentlicht hat, ist weder lustig noch satirisch. Es ist einfach nur dumm und unterste Schublade. Dass dem Landtagsabgeordneten der FW sein Post jetzt um die Ohren fliegt, ist deshalb weder verwunderlich noch „dämlich“, wie Zierer die Reaktionen seiner Kritiker nennt. Im Gegenteil: Dass sich die große Mehrheit über diesen Text entrüstet, ist ein gutes Zeichen.“

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