Notarzteinsatz: Stammstrecke zwischen Stachus und Hackerbrücke gesperrt

Notarzteinsatz: Stammstrecke zwischen Stachus und Hackerbrücke gesperrt

Zweifelhafte Version des Angeklagten

Urteilsspruch mit Goethe: Richter wird nach Marihuana-Deal poetisch

Er hat Marihuana im Wert von 300 Euro an eine flüchtige Bekannte verkauft. Und deswegen wurde ein 23-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis vor dem Amtsgericht zu 3600 Euro Geldstrafe verdonnert.

Freising – Der 23-Jährige hatte seiner Bekannten am 13. Dezember 2016 fünf Gramm Marihuana besorgt. Die junge Frau hatte ihn einige Tage vorher darum gebeten. Da der Angeklagte die nötigen Kontakte zur Drogenszene hatte, bekam er den Stoff problemlos – den er allerdings nicht direkt der jungen Frau, sondern einer Dritten übergab. Die sorgte dafür, dass die Auftraggeberin die bestellte Ware bekam.

Gleich nach Verlesung der Anklagepunkte durch Richter Manfred Kastlmeier gestand der frisch gebackene Familienvater – und er bereute: Es sei eine große Dummheit gewesen, und das Kapitel Drogen sei für ihn ein für alle Mal abgehakt. Grund für den Sinneswandels sei seine vier Monate alte Tochter, und die gehe ihm über alles. Für die wolle er jetzt sorgen. Und Gewinn habe er mit dem Handel nicht gemacht. Es sei nur ein Gefallen für die flüchtige Bekannte gewesen, beteuerte der junge Mann auf der Anklagebank.

Frau im Zeugenstand will sich nicht erinnern

Richter Kastlmeier blieb skeptisch. Er erinnerte ihn daran wie er im September 2016 in einem Münchner Club dabei erwischt wurde, wie er Unbekannten Ecstasy-Tabletten in die Taschen schmuggelte. Bereits damals war er zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt worden. Wieso er sein Glück erneut herausgefordert habe, fragte der Richter. Sei ihm dies kein Denkzettel gewesen? Der Angeklagte argumentierte damit, dass er sich seinerzeit in einer misslichen Lage befunden hatte. Er sei arbeitslos gewesen, seine heutige Freundin und Mutter des gemeinsamen Kindes habe er zu dem Zeitpunkt noch nicht gekannt.

Eine Studie hat jüngst zutage gefördert, wie es um den Cannabis-Konsum in der Landeshauptstadt München bestellt ist.

Die Frau, die das Marihuana an die Bekannte weitergegeben hatte, wurde dann später in den Zeugenstand gerufen. Sie wollte sich aber trotz mehrmaligen Nachfragens nicht an die Aktion erinnern.

Kastlmeier bemüht Zitat aus Goethes Faust

Die Staatsanwältin glaubte nicht, dass es keinen Gewinn in dieser Sache gegeben habe, weil man einen so riskanten „Freundschaftsdienst“ normalerweise nicht für jemanden, den man nur flüchtig kenne, durchführe. Ihre Forderung: eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro.

Der Angeklagte beteuerte zum Schluss erneut, dass es sich um eine jugendliche Dummheit gehandelt habe und dass er sich ändern werde. So etwas werde nicht mehr vorkommen in seinem Leben. Richter Manfred Kastlmeier lächelte und zitierte dann Goethes Faust: „Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

Nach kurzer Überlegung fiel das Urteil: Der 23-Jährige muss eine Geldstrafe von 3600 Euro berappen – auf eine Freiheitsstrafe wurde verzichtet.

Lena Stumpe

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Junge Audi-Fahrerin gerät auf die Gegenspur - es kommt zum Frontalunfall 
Junge Audi-Fahrerin gerät auf die Gegenspur - es kommt zum Frontalunfall 
„Park-Abzocke“? Kunde ist wütend über Strafzettel - 30 Euro obendrauf nach Einkauf
„Park-Abzocke“? Kunde ist wütend über Strafzettel - 30 Euro obendrauf nach Einkauf
„Ich dachte, die Welt geht unter“: Feuerwehr-Großeinsatz zu denkbar schlechtem Zeitpunkt
„Ich dachte, die Welt geht unter“: Feuerwehr-Großeinsatz zu denkbar schlechtem Zeitpunkt
Trümmerfeld und sechs Verletzte: Lieferwagen und Ford rauschen frontal gegeneinander
Trümmerfeld und sechs Verletzte: Lieferwagen und Ford rauschen frontal gegeneinander

Kommentare