Milde Strafe für Sani-Schläger

München - Ein 19-Jähriger hat im Januar volltrunken zwei Sanitäter angegriffen als diese seine Freundin versorgen wollten. Vom Amtsgericht Freising bekam er dafür eine milde Strafe aufgebrummt.

Bespuckt, beschimpft, geschlagen: Die brutale Attacke gegen zwei Freisinger Sanitäter (tz berichtete) kam jetzt vor Gericht!

Ein Azubi (19) hatte im Januar die Rettungsdienstler angegriffen, als diese gegen drei Uhr nachts vor einer Disco in Oberhaindlfing seine schwerst betrunkene Freundin behandeln wollten. Vor der aufgepeitschten Menge mussten sich die Sanis im Sanka verbarrikadieren. Wie das Freisinger Tagblatt berichtet, verurteilte das Amtsgericht Freising den Schläger jetzt wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu zwei Wochenendarresten und 500 Euro Geldstrafe.

Es sei unmöglich gewesen, die dringend hilfsbedürftige junge Frau Not zu versorgen, erinnerte sich einer der Sanitäter (53) vor dem Richter. Mit einem Fausthieb gegen das Kinn des Kollegen (44) streckte der Angeklagte den zweiten Sani zu Boden. Der 44-Jährige hatte trotz des randalierenden Freundes darauf bestanden, die junge Frau zu behandeln. Bei all dem Geschrei war es dem angetrunkenen 19-Jährigen gelungen, die herumstehenden Gäste zu mobilisieren. Umringt von der wild gestikulierenden Menge, sahen die Helfer keinen anderen Weg als sich im Sanka einzuschließen.

Erst als ein Polizist seinen Dienstausweis gegen die Scheibe presste, wagten sie, die Tür zu öffnen. Mittlerweile hatte sich der Zustand der alkoholvergifteten Frau in einer Art und Weise verschlechtert, dass sie sofort ins Krankenhaus musste. Aus Sicht des Angeklagten war der Abend damit noch längst nicht gelaufen. Nachdem sein Vater ihn aus der Wache abgeholt hatte, eilte er ins Klinikum Freising, wo er sich den Arzt vornahm. In 32 Berufsjahren sei ihm so etwas nicht widerfahren, sagte der Sanitäter.

Die vom Angeklagten vorgegebene Gedächtnisschwäche nahm Richter Boris Schätz dem 19-Jährigen nicht ab. 1,5 Promille sollten für den gerichtsbekannten Azubi kein Grund für umfassende Erinnerungslücken sein. Auch der Staatsanwalt tat sich schwer, die passenden Worte zu finden: Sanitäter im Rettungseinsatz zu behindern, sei im höchsten Maße sozialschädlich, resümierte er.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dapd (Symbolfoto)

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