Sie tut das schon seit 20 Jahren

TU will weiter radioaktives Abwasser in die Isar leiten: Grünen-Politiker kämpft dagegen

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Der Forschungs-Campus in Garching mit dem berühmten „Atom-Ei“.

Seit Jahrzehnten leiten die Forschungsreaktoren der Technischen Universität in Garching schwach radioaktives Abwasser in die Isar. Nun soll die Genehmigung dafür für weitere 30 Jahre erneuert werden. Zum Unmut der Freisinger Nachbarn.

Garching/Freising – Garching ist TU-Standort, Freising auch. Einen Radschnellweg zwischen den Standorten gibt es noch nicht. Aber seit 20 Jahren besteht eine andere Verbindung zwischen den Städten – eine, die Umweltschützer kritisch sehen, und gegen die es damals schon Widerstände gab. Diese Verbindung soll jetzt um 30 Jahre verlängert werden. Doch Grünen-MdL Johannes Becher erhebt Einwände.

Worum geht’s? Die TUM will 30 weitere Jahre die radioaktiven Abwasser ihrer Forschungsreaktoren FRM2 und RCM in Garching in die Isar leiten dürfen. Becher sieht das sehr skeptisch. In einem Schreiben an das Landratsamt München als Genehmigungsbehörde hat der Grünen-Politiker acht Punkte aufgeführt, mit denen er sich gegen die sogenannte „gehobene Erlaubnis“ wendet. 

Der Fluss wird auch zum Baden und Fischen genutzt

So fehle in den Unterlagen der TUM etwa eine Darstellung der Vorbelastung der Isar durch natürliche und künstlich erzeugte Radioaktivität – beispielsweise durch die Einleitung von Abwasser aus Kliniken. Vor allem vermisse Becher Aussagen zu Art und Menge der geplanten Einleitungen in den Fluss, der auch zum Baden und Fischen genutzt werde. Unklar sei, inwieweit sich radioaktive Substanzen in der Umgebung ablagern könnten.

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Becher fehlt die „vertrauenswürdige Kontrolle der Einleitungen durch unabhängige Messstellen“. Einer Selbstkontrolle der TUM, wie bisher, „vertraue ich nicht“. Der Landtagsabgeordnete beanstandet, dass die „Nullvariante“ nicht geprüft worden sei. Heißt: Nirgends werde dargestellt, „mit welchem Aufwand die Einleitung komplett vermieden werden könnte“. Vorstellbar sei eine Reduktion der Flüssigkeitsmengen durch Verdunstung und „eine konventionelle Behandlung als Atommüll“.

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Becher versteht nicht, wieso eine gehobene Genehmigung erteilt werden soll, wo eine beschränkte Erlaubnis „angemessen und ausreichend“ gewesen wäre. „Unverständlich“ ist ihm die beantragte Länge von 30 Jahren. Bis dahin hätten die Reaktoren ihre Lebenserwartung bereits überschritten. Becher hält den derzeitigen Betrieb des FRM2 mit hochangereichertem Uran für illegitim. Seit Jahren hätte die Umrüstung von „international geächtetem, waffenfähigem Material“ auf niedriger angereichertes Uran erfolgen müssen. Übrigens: Gegen das Vorhaben könne sich jeder wenden, betont Becher. Die Frist läuft bis zum 25. Januar. Wie man im Falle der Genehmigung weiter verfahre, sei noch nicht klar. „Das ist auch ein politisches Thema.“

So reagieren die Garchinger Forscher auf die Vorwürfe

Am Garchinger Forschungsreaktor reagiert man betont gelassen auf die Sorgen des Grünen-Abgeordneten. „Es gibt keine ungünstigen Einwirkungen auf die Bevölkerung sowie Flora und Fauna“, sagt Pressereferentin Anke Görg über die Einleitung des schwach radioaktiven Abwassers in die Isar. „Radioaktivität ist nicht gleich Radioaktivität.“ Die Forscher geben sich dialogbereit. „Wir erklären das gerne“, sagt die Referentin über das Genehmigungsverfahren. Einwände vorzubringen sei schließlich das gute Recht der Bürger, betont Görg – auch wenn manches nicht nachvollziehbar sei. So stünden die von Becher geforderten Messwerte zu Vor- und Nachbelastung der Isar und Auswirkungen auf die Umwelt in den Anlagen des Wasserrechts-Antrags . Am Umstieg von hochangereichertem Uran auf niedriger angereicherten Brennstoff forsche die TU mit europäischen und amerikanischen Partnern „mit hoher Intensität“, teilt die Einrichtung zudem mit. Trotzdem gebe es bislang keinen Brennstoff, der unter den Belastungsbedingungen und Sicherheitsvorgaben eines solchen Hochleistungsreaktor einsetzbar wäre.

Mehr Details 

zu der beantragten Erlaubnis stellen die Experten der TU München am kommenden Dienstag, 15. Januar, um 19.30 Uhr in der öffentlichen Sitzung des Garchinger Umweltausschusses vor.

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