A92 glich Schlachtfeld

Schock auf dem Heimweg: Kinder verunglücken

Eching/Dachau - Es sollte ein spaßiger Besuch am Flughafen München sein. Doch für die 30 Kinder aus dem Landkreis Dachau wurde die Fahrt zum Trauma: Ihr Bus geriet auf der Autobahn ins Schleudern und stürzte um.

Herausgerissene Sitze, die Fahrbahnen von Scherben und zerfetzten Fahrzeugteilen übersät, überall Blut – die A 92 Deggendorf-München zwischen Freising-Süd und dem Kreuz Neufahrn gleicht gestern Nachmittag einem Schlachtfeld. Als die Rettungskräfte um kurz nach 15 Uhr eintreffen, bietet sich ihnen ein schreckliches Szenario: Der dunkelblaue Reisebus mit dem silbernen Dach liegt auf der rechten Seite, ragt quer über zwei Spuren bis in den Graben.

Weinende Kinder mit blutigen Gesichtern laufen über die Autobahn. Der Bus aus dem Landkreis Dachau war – so die ersten Erkenntnisse – bei einem plötzlich auftretenden Gewitterschauer mit starkem Hagel auf der glatten Betonpiste der Autobahn ohne Fremdverschulden ins Schleudern geraten, umgekippt und quer zur Fahrbahn liegen geblieben. Zwei Lastwagen und zwei Pkw im nachfolgenden Verkehr konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhren ineinander auf sowie in die Leitplanken.

Augenzeugen des schweren Unwetters berichten von einer „Dunkelheit wie in der Nacht“. Durch die Wucht des Aufpralls wurden die 30 Mädchen und Buben im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren durch den Bus geschleudert. Ein Kind wurde sogar nach draußen katapultiert. Es geriet unter den Bus, wie Andreas Dörner, Einsatzleiter des BRK, berichtete. Rettungshubschrauber befördern zwei weitere schwerverletzte Kinder in umliegende Kliniken.

Auch der 63-jährige Busfahrer, der seit acht Jahren für ein Reiseunternehmen aus dem Kreis Dachau tätig ist, sowie eine Jugendpflegerin tragen schwere Blessuren davon. Die übrigen Schüler kommen glimpflicher weg.

16 Sanka sind im Einsatz, zwei Großraum-Rettungswagen bringen die restlichen Verletzten in das Klinikum München-Schwabing. „Gott sei dank schwebt niemand in Lebensgefahr“, sagt Dörner. „Ich bin seit 15 Jahren dabei, aber einen so schweren Busunfall habe ich noch nicht erlebt“, so der Einsatzleiter.

Die Autobahn musste in beide Richtungen komplett gesperrt werden, weil die Gegenfahrbahn Richtung Deggendorf für die anrückenden Rettungs- und Notarztwagen gebraucht wurde. Einsatzkräfte aus den Kreisen Freising, Erding, München und vom Flughafen waren vor Ort, auch das Kriseninterventionsteam (Kit) war mit Leiterin Christine Rattenhuber und fünf Kollegen sofort an Ort und Stelle, um sich um die schreienden und unter Schock stehenden Mädchen und Buben zu kümmern.

Es sollte ein schöner Tag werden für die Kinder aus Bergkirchen, Erdweg und Odelzhausen. Im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinden Odelzhausen, Pfaffenhofen a.d. Glonn und Sulzemoos waren sie zu Gast bei der Lufthansa Technik München.

Kinder bei Busunfall auf der A92 verletzt

Um 8.50 Uhr war es gestern Morgen losgegangen. Erst marschiert die Gruppe auf den Besucherhügel, dann gibt es eine Rundfahrt über den Flughafen, schließlich können die Ausflügler in die „heiligen Hallen“, den Wartungs- und Reparaturbereich bestaunen. Ein Riesenerlebnis für die Schulkinder.

Auf der Rückfahrt wird viel gelacht. Es war ein schöner Tag, die Kinder hatten viel erlebt. Die letzten Brotzeitboxen werden geleert. Dann findet der Spaß ein jähes Ende.

Die Polizeidienststelle im Flughafen München hat für die Eltern sofort eine Informationsstelle eingerichtet. Dort konnten sie von den Beamten der Flughafenpolizei erfahren, wie es ihren Kindern geht, in welche Krankenhäuser sie gebracht wurden.

Gestern am späten Nachmittag standen in der GAST – der gemeinsamen Anlaufstelle der Polizei – die Telefone nicht mehr still. Verzweifelte Eltern riefen im Minutentakt an. „Diese Stelle mit 20 Telefonplätzen wurde eigentlich für Flugzeugkatastrophen geschaffen“, sagte Flughafenpolizist Fritz Birkner. Bei Unfällen mit so vielen Verletzten werde die Stelle selbstverständlich auch genutzt.

Auch in den Heimatgemeinden der Kinder ist die Bestürzung groß. Erdwegs Bürgermeister Michael Reindl: „Es ist ein tragisches Unglück, ich bin tief betroffen. Aus meiner Gemeinde waren sieben Kinder dabei. Eines ist schwerverletzt. Ich stehe mit den Eltern in Kontakt.“ Bürgermeister Helmut Zech, Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn, hat die schreckliche Nachricht telefonisch von der Verwaltung erfahren. „Wir sind dann die Liste durchgegangen und haben die Eltern der Kinder angerufen.“

Durch die Vollsperrung bildete sich in beide Fahrtrichtungen rund zehn Kilometer Stau. Auch auf den Umgehungsstraßen kam der Verkehr teilweise zum Erliegen. Die Bergungsarbeiten dauerten bis in die Abendstunden, besonders der Abtransport des umgekippten Busses und der Lastwagen gestaltete sich aufwändig

Armin Forster und Claudia Möllers

Rubriklistenbild: © Gaulke

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