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Abgetaucht in die Freisinger Unterwelt: So sieht es im Westtangenten-Tunnel aus

Der Westtangenten-Tunnel in Freising
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Der Westtangenten-Tunnel in Freising
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Der Westtangenten-Tunnel in Freising

461 Meter weit haben sich die Mineure unter Vötting hindurch gegraben. Das Tagblatt ist mit abgetaucht in die Freisinger Unterwelt.

Freising – Am Mittwoch hat man den Endpunkt des bergmännischen Vortriebs für den nördlichen Teil des Westtangenten-Tunnels erreicht. Das Freisinger Tagblatt durfte dabei sein! 

Es ist eine unwirkliche Welt: kein Tageslicht, es riecht nach Beton, es staubt, riesige Spezialmaschinen sind aufgereiht, von der Ferne hört man Baugeräusche – Fauchen, Schlagen, Hämmern. Es ist die Welt, in die seit Mai die Bauarbeiter tagtäglich und rund um die Uhr eintauchen, um das Herzstück der Freisinger Westtangente zu bauen. Es ist der nördliche Teil des insgesamt 875 Meter langen Tunnels – ein Bauwerk, wie es Freising noch nie gesehen hat.

Martin Bullinger ist der Mann, der die Bauüberwachung innehat, er ist der Mann, der den Tunnelblick hat. Und er ist der Mann, der am Mittwochabend bei der Begehung des Tunnels den Bauarbeitern gratuliert. Denn an jenem Tag ist man mit der Kalotte, wie man den oberen Teil des Tunnels nennt, an die Bohrpfahlwand des Schachts an der Giggenhauser Straße gelangt. Es ist der Endpunkt des bergmännischen Vortriebs. In die 1,2 Meter dicke Bohrpfahlwand hat man ein kleines Loch gebohrt, durch das man schon etwas Tageslicht erkennen kann.

Mit dem Höllengefährt in Richtung Durchbruch

Zwei Meter pro Tag hat man sich bis zu diesem Punkt vorgegraben. Der Tunnelbagger mit dem Spezialgelenk und seinen „Draculazähnen“ zum Lockern des Erdreichs hat rund um die Uhr ganze Arbeit geleistet, ein Radlager hat die insgesamt 50 000 Kubikmeter Tunnelausbruch auf einen Dumper gekippt, der das Material abtransportiert hat. 170 Tonnen schwer sind all die Ausbaubögen, die man im Abstand von einem Meter angebracht hat und an die die Arbeiter dann Baustahlmatten angebracht haben. Und dann kam das Spritzmobil – ein Höllengefährt, das die insgesamt 5800 Kubikmeter Spritzbeton als erste, rund 30 Zentimeter dicke Innenbewehrung auftrug. Danach begann alles wieder von vorne, wurden die nächsten ein bis zwei Meter angepackt. Außerdem: 1940 Selbstbohranker und 5750 Selbstbohrspieße hat ein anderes Ungetüm aus Eisen, der Bohrwagen, eingebracht – alles für die Sicherheit und die Standfestigkeit des Bauwerks. Anhand kleiner Messspiegel kann man messen, wie sich das Tunnelgewölbe bewegt, welche Setzungen es aufweist.

Und dann sind da noch sogenannte Konsolen zu sehen: Mit ihnen sorgen die Vermessungstechniker dafür, dass man auch genau da herauskommt, wo man soll. Und zwar, so Bullinger, „millimetergenau“. Übrigens: Für Strom im Tunnel, den man für Maschinen und Fahrzeuge benötigt, sorgt ein großer Trafo. „Wir gehen mit 10 000 Volt in den Tunnel rein und spannen dann auf 1000 Volt runter“, erklärt Bullinger.

Der Westtangenten-Tunnel in Freising

Damit die Bauarbeiter bei ihrer anstrengenden Tätigkeit unter Tage einigermaßen gute Luft und Sicht haben, ist ein Mega-Ventilator installiert worden, der ständig frische Luft in den Tunnel bläst. Starke Scheinwerfer leuchten den Teil aus, in dem gerade gearbeitet wird. Außerdem sorgen Leuchtstoffröhren an den Wänden für Helligkeit. Manche davon haben einen rot leuchtenden Teil – das Notlicht, das auch mit Akku noch funktioniert, manche habe einen blau leuchtenden Teil – und zeigen an, wo sich eine Löschwasserentnahmestelle befindet. Denn Sicherheit wird unter Tage groß geschrieben. Jeder, der den Tunnel betritt, bekommt nicht nur Helm und Warnweste verpasst, sondern auch einen Transponder umgehängt. Der registriert, wer den Tunnel betritt und ob er ihn auch wieder verlässt. Niemand kann also zwischen Staub, Beton, Stahl und schwerem Baugerät verloren gehen.

Video: So sieht es unter Tage aus

Auf einem Blick auf merkur.de: Die Westtangente Freising - Fakten zum Großprojekt

461 Meter in Richtung Giggenhauser Straße

41 Brunnenbohrungen haben im Vorfeld dafür gesorgt, dass das Grundwasser so weit abgesenkt wurde, um im Trockenen arbeiten zu können. „Das funktioniert sehr sehr gut“, kann Bullinger jetzt sagen, nachdem man sich 461 Meter vorgegraben hat – maximal zehn Meter unter der Erdoberfläche. 461 Meter, in denen es mit einem Gefälle von 3,5 Prozent bis zur Moosach bergab geht, bevor die Straße wieder ansteigen wird.

Jetzt, so erklärt Bullinger, beginnt ein ähnliches Prozedere wieder von vorne: Denn jetzt wendet man sich dem unteren Teil des Tunnels zu. Rund vier Meter Erdreich werden von Norden her abgetragen und abtransportiert. Das geht aber schneller als bei der Kalotte, weil man die aufwändigen Selbstbohranker und – spieße nicht mehr benötigt. Dann folgt die eigentliche Innenschale, also das, was man später auch sehen wird: 6400 Kubikmeter Beton werden in einer Stärke von rund 40 Zentimeter aufgebracht, bevor dann irgendwann einmal die Fahrbahndecke aufgebaut wird.

Der Westtangenten-Tunnel in Freising

Südlich im Anschluss an den Teil, der unter Tage vorangetrieben wird, wird der Tunnel in Bohrpfahldeckelbauweise hergestellt. Dabei werden Bohrpfähle in die Erde gerammt, dann ein Betondeckel eingebracht. Unter dem wird dann der Tunnel gegraben – wie beim bergmännischen Vortrieb auch erst die obere, dann die untere Hälfte. Das Problem dabei: Der Verkehr auf der Giggenhauser Straße darüber muss aufrechterhalten bleiben. 142 Meter des künftigen Tunnels werden in Trog-Bauweise ausgeführt, weitere 92 Meter in gänzlich offener Bauweise. Das ist Straßenbau, wie man ihn kennt. Was man bisher in Freising nicht kennt, ist der bergmännische Vortrieb.

Mehr zum Thema auf merkur.de: Kosten für die Freisinger Westtangente steigen um Millionen

Kennenlernen kann man ihn am Sonntag, 28. Januar, ab 11 Uhr. Dann nämlich darf die Bevölkerung in die unwirkliche Welt des Tunnelbaus eintauchen und das, was die Mineure bis jetzt geleistet haben, bewundern.

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