Täter: „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“

Horror nach Studentenparty: 25-Jährige im Wohnheim missbraucht

Weil es nur „der alkoholbedingte Ausrutscher“ gewesen sei, kam ein 25-jähriger Ex-Student mit einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung davon. Die Anklage: sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person.

Freising – Es war in den frühen Morgenstunden im September 2016: Als sich eine Studentenfete im Wohnheim an der Giggenhauser Straße allmählich dem Ende zuneigte, schlich sich der damalige Student Peter A. (Name geändert) in das Zimmer seines damals 25-jährigen Opfers, legte sich zu der Schlafenden ins Bett und führte zwei Finger in die Vagina der ihm unbekannten Frau ein. Als die Studentin aufwachte, sich wehrte und den Angeklagten wegstieß, kam der der Aufforderung, das Zimmer zu verlassen, unverzüglich nach.

Bei der Verhandlung legte Peter A. ein volles Geständnis ab. DNA-Spuren hatten ihn der Tat überführt. Mit seinem Geständnis erfüllte er die Voraussetzung dafür, auf die ihm von Richter Manfred Kastlmeier angebotene „vergleichsweise milde Strafe“ hoffen zu können: eine Freiheitsstrafe zwischen 15 und 24 Monaten auf Bewährung und Zahlung eines Monatsgehalts an eine gemeinnützige Vereinigung.

Der junge Mann, der inzwischen in der Oberpfalz lebt, einen Arbeitsstelle und eine feste Freundin hat, die er demnächst heiraten wolle, entschuldigte sich bei seinem Opfer: Es tue ihm leid, „ich weiß nicht, was mich geritten hat“. Worte, die ihm und vor allem auch seinem Opfer die Tränen in die Augen trieben: Teilweise habe sie Schlafprobleme, manchmal auch nachts noch Angst, schließe immer ihre Zimmertür ab, schilderte sie. Was A. Peter ihr angetan habe, sei „doch nicht normal“, sie sei doch „kein Selbstbedienungsladen“, klagte sie ihren Peiniger an. In psychologische Behandlung habe sie sich nicht begeben: „Ich nehme es einfach so hin“. Der Umgang mit Männern leide darunter nicht, sagte sie, schließlich habe sie sexuellen Kontakt nur zu Frauen.

Die Frage, die das Gericht und der Anwalt von Peter A. vor allem klären wollten, war die nach dem Alkoholgenuss des Angeklagten. Die geladenen Zeugen (die damalige Freundin des Opfers und die Ausrichterin der Party) schilderten, der Angeklagte sei zwar „in Partylaune“ gewesen, habe aber, als man ihn noch während der Party gestellt habe, „ziemlich cool“ reagiert. Der Sachverständige rechnete aber vor, dass man aufgrund der Blutprobe (am Mittag) auf einen Wert von maximal 2,23 Promille zur Tatzeit hochrechnen könne.

Dass er also enthemmt gewesen sei, zumal ihm auch Cannabis-Konsum in jener Nacht nachgewiesen werden konnte, war ein weiteres Argument dafür, dass die Strafe für diesen „minderschweren Fall“ des sexuellen Missbrauchs milde ausfiel. Mit dem Urteil blieb das Schöffengericht drei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Auf Bewährung ausgesetzt wurde die Strafe gegen die Auflage, dass A. 2000 Euro an In Via Bayern e.V. zahlt und sich einem Sexualberatungsgespräch mit zehn Terminen unterzieht. Dazu hatte sich der Angeklagte auf Anregung des Sachverständigen bereit erklärt.

Rubriklistenbild: © dpa

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