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Auf Benzinklau in ganz Bayern unterwegs: Täter hatte auch nahe München zugeschlagen

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Die Tanksäulen Supreme, Super E10 und Super an einer Tankstelle.
Benzin hat ein Mann an mehreren Tankstellen abgezapft, ohne zu bezahlen. © Michael Gstettenbauer via IMAGO

Auch im Kreis Freising schlugen dreiste Benzindiebe zu. Jetzt wird ihnen der Prozess gemacht.

Freising/Landshut – Ein paar Benzinkanister, eine elektrische Pumpe und ein Schlauch. Es bedarf nur einiger weniger Utensilien, um den Schwarzmarkt für Benzin zu bedienen. Und die Diebe, die für die Drahtzieher das Benzin von den Tankstellen holen, scheinen auch schnell bei der Hand zu sein. Sie seien in einem Landshuter Club angesprochen worden, hatte einer dieser Handlanger den Ermittlern gegenüber angegeben; ob sie schnelles Geld verdienen wollten? Sein mutmaßlicher Komplize muss sich seit Montag wegen schweren Betrugs und Urkundenfälschung in 15 Fällen vor dem Amtsgericht Landshut verantworten.

Der 37-Jährige zeigte sich indes weniger kooperativ: Zwar ließ er den objektiven Sachverhalt der ihm zur Last gelegten Anklage über Verteidiger Georg Haberger einräumen. Was genau vorgegangen ist, wenn er mit seinem Kumpel zum Teil drei verschiedene Tankstellen an einem Tag in Autos mit gefälschten Kennzeichen angefahren hat, will er aber nicht gewusst haben.

Er füllte nicht nur den Tank, sondern auch Benzinkanister voll

Es dauerte, bis Staatsanwältin Veronika Stark die Anklageschrift verlesen hatte. Die im Frühsommer begangenen Taten waren zahlreich, der Modus Operandi immer gleich. Betroffen waren Tankstellen in Niederbayern, Oberbayern, Dingolfing-Landau und Rottal-Inn – auch Freising. Der 37-Jährige fuhr sie mit verschiedenen Fahrzeugen an, deren Kennzeichen jeweils für andere Autos ausgestellt war. Nachdem er den Tank vollgemacht hatte, fuhr er ohne Bezahlung wieder davon. Zum Teil hatte er zudem noch ein paar Kanister mit Benzin im Kofferraum, die er an der Tankstelle abgefüllt hatte.

Bei Fällen in Altdorf, Moosburg, Erding, Freising, Eggenfelden, Pilsting, Dingolfing und Landau soll laut Anklage der geständige Komplize mit von der Partie gewesen sein. Sein Kumpel sei stets dabei gewesen, korrigierte der 37-Jährige die Anklage. „Der hat mich ja abgeholt.“ Dass dabei immer wieder andere, falsche Kennzeichen an den Fahrzeugen waren, sei ihm nicht aufgefallen.

Rotes Auto, blaues Auto: Kennzeichen wird Tätern zum Verhängnis

Aufgeflogen war das Duo Ende Juni, nachdem Schleierfahnder auf der A92 aufmerksam geworden waren. Die beiden seien in einem blauen Opel Vectra unterwegs gewesen, so der Ermittler. Das Kennzeichen sei aber für einen roten Audi ausgegeben gewesen. In dem Moment, in dem man das Fahrzeug von der Autobahn heruntergelotst habe, sei ein Funkspruch gekommen, dass es in Landau zu einem Tankstellenbetrug gekommen sei. Die Täter seien in einem blauen Opel Vectra davongefahren.

Er habe keinen Nutzen von den Taten gehabt, so der Angeklagte. Gleichwohl gab er an, sich zu dieser Zeit in einer wirtschaftlichen Misere befunden zu haben. Dann wiederum sprach er von einem Freundschaftsdienst. Sein Landsmann sei erpresst worden. Da habe er helfen wollen. Drei Mal sei er dabei gewesen, als sein Bekannter sich mit den Erpressern getroffen habe und das Benzin über Schläuche in Kanister abgepumpt worden sei. Dabei erwähnte der 37-Jährige, dass sein Kumpel nach der Abpumpaktion immer bezahlt worden sei. „Dann können die bösen Männer doch einfach nur Hehler gewesen sein“, gab Richter Michael Pichlmeier zu bedenken.

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Licht ins Dunkel soll nun der Mittäter bringen, nach dessen Aussage bei der Kripo das Ganze eher auf freiwilliger Basis in dem Landshuter Club angefangen hat. Der Prozess wird fortgesetzt.  (kö)

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