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Wichtige Medikamente sind Mangelware: Freisinger Apothekensprecherin kritisiert Hersteller - „Tut richtig weh“

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Von: Magdalena Höcherl

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Fiebersaft nicht lieferbar: Welche Alternativen gibt's fürs Kind?
Für Kinder mit Fieber haben Apotheken momentan nicht immer die richtigen Medikamente parat. © Christin Klose

Laufende Nase, Kratzen im Hals, Fieber: Immer mehr Menschen werden derzeit krank. Das Problem: Medikamente sind in Freisinger Apotheken oft nicht verfügbar. Die Leidtragenden sind vor allem Kinder.

Freising – Momentan hält jeder neue Tag eine Überraschung für Ingrid Kaiser bereit. Meist allerdings keine schöne: Denn wenn sie morgens in der Engel-Apotheke in Lerchenfeld die Box öffnet, in der die neuen Medikamente ankommen, weiß sie nie, ob diesmal tatsächlich das ankommt, was sie bestellt hat. Denn viele Medikamente sind zur Zeit nicht oder nur eingeschränkt lieferbar. Gerade in Zeiten der sich anbahnenden Grippewelle eine Herausforderung – für Apothekerinnen und Kundschaft.

Freisinger Apothekensprecherin: Paracetamol nicht verfügbar

Vor allem Medizin für Kinder ist Mangelware. Paracetamol-Saft zum Beispiel gebe es gerade so gut wie gar nicht, den Ibuprofen-Fiebersaft „Nurofen“ immer mal wieder, auch Ibuprofen-Zäpfchen und -Schmelztabletten sind aus. Schon im Sommer skizzierte Apothekensprecherin Kaiser ein ähnliches Szenario. „Damals war der Wirkstoffmangel das Problem. Doch jetzt gibt es den Wirkstoff, aber die Firmen haben schlicht und ergreifend geschlafen.“ Denn in den vergangenen zwei Jahren habe es aufgrund der Pandemie-Lage mit sozialer Distanz und Maske-Tragen kaum Infekte gegeben. „Jetzt treten die allerdings vermehrt auf – und die Firmen kommen mit der Medikamentenproduktion nicht hinterher.“

Immer wieder komme es daher vor, dass Kunden weggeschickt werden müssten – ohne das dringend benötigte Medikament in der Tasche. Übrig bleibe dann nur der Verweis darauf, es bei anderen Apotheken zu versuchen. „Das tut richtig weh“, sagt Kaiser. Und natürlich sei die Situation in anderen Apotheken grundsätzlich nicht besser – aber andere hätten an diesen Tagen vielleicht mehr Glück mit der Lieferung gehabt.

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In ihrem jüngsten Notdienst sei ein Mann extra von Moosburg nach Freising gekommen, um Fiebersaft für sein krankes Kind aufzutreiben, berichtet Kaiser. „Nurofen hatte ich zufällig noch da. ,Das ist ein Jackpot‘, hat der Mann gesagt.“ Denn weder Paracetamol noch Ibuprofen lassen sich durch andere Medikamente ersetzen, sagt Kaiser.

Wichtige Medikamente sind Mangelware: Hausmittel lindern die Schmerzen etwas

Doch immerhin gebe es Hausmittel, die besser seien als nichts: Die Apothekensprecherin empfiehlt Wadenwickel, die das Fieber senken sollen, und viel Tee für den Flüssigkeitshaushalt. Bei den Getränken sollten Eltern allerdings ein Auge zudrücken: „Es kann auch mal Limo sein. Jedes Getränk hilft.“ Bei Halsweh könne Wassereis Entzündungen lindern. „Für alle, die das möchten, gibt es auch homöopathische Mittel.“

Doch nicht nur Medikamente für Kinder sind momentan nicht leicht zu bekommen. Die Engpässe machen auch bei verschiedenen Antibiotika, Buscopan (gegen Magenschmerzen) oder dem Hustensaft Mucosolvan nicht Halt – und vor allem auch nicht bei Elektrolyten. Für Letztere gibt es zwar online zahlreiche Anleitungen zum Selbermischen. Doch von solchen Experimenten hält Ingrid Kaiser nichts. „Es geht schließlich um Medikamente, die richtige Dosis ist essenziell. Es ist nicht sinnvoll, selbst zu panschen.“

Kaisers Appell: Nicht horten!

Und auch diverse andere Wirkstoffe seien gerade nur sporadisch zu bekommen – etwa Rosuvastatin, ein Mittel zur Behandlung erhöhter Cholesterinwerte. An Menschen mit chronischen Erkrankungen, darunter auch Diabetes, appelliert die Apothekerin daher, sich immer früh genug um Nachschub zu kümmern.

Allerdings, und das betont Ingrid Kaiser im FT-Gespräch mehrfach, sei es nicht der richtige Weg, Arzneimittel zu horten. Das gelte auch für die Medikamente für Kinder. Wenn der Nurofen-Saft wieder einmal vorrätig ist, werden auch nicht gleich fünf Flaschen ausgegeben, sondern eine – damit so viele kleine Patienten wie möglich versorgt werden können. Die Apothekensprecherin bittet darum, vernünftig zu sein: „Bitte kaufen Sie nur nach Bedarf!“

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