Erhebliche Summen in dunklen Kanälen

Fader Beigeschmack statt intensiver Genüsse: Wurde Freisinger Lokal zur Geldwäsche missbraucht?

Gäste waren in dem indischen Restaurant an der Landshuter Straße in Freising eher die Ausnahme. Trotzdem flossen dort erhebliche Summen, die in dunklen Kanälen verschwanden. Das kam jetzt vor Gericht heraus.

Freising – Bankrott, unterlassene Insolvenzanmeldung und Untreue wurden dem ehemaligen Geschäftsinhaber (53) des indischen Lokals vorgeworfen. Inzwischen von Hartz IV lebend, musste der einstige Gesellschafter der Mysore Hotels GmbH auf der Anklagebank im Amtsgericht Landshut Platz nehmen. Er hatte ab Februar 2014 das Restaurant in Freising und ein gleichnamiges in München betrieben.

Bereits Ende Mai, so die Anklage, sei die GmbH nicht mehr im Stande gewesen, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Der Geschäftsbetrieb habe nur durch wiederholte Anschubfinanzierungen und den Darlehen zweier Mitgesellschaftern aufrechterhalten werden können. 

Auf den drei Geschäftskonten habe Ebbe geherrscht, es sei zu Lastschriftrückgaben und zur Ablehnung von Überweisungsanträgen gekommen. 

Verbindlichkeiten lagen bei 200.000 Euro

Im November sei dann von einer Krankenkasse Fremdinsolvenzantrag gestellt worden. Bis dahin waren Verbindlichkeiten unter anderem bei den Krankenkassen, dem Finanzamt und den Lieferanten in einer Gesamthöhe von knapp 200.000 Euro aufgelaufen.

Noch schwerwiegender der Vorwurf: Der 53-Jährige habe von Februar bis Mai 2014 eine Vielzahl von Barabhebungen mit Beträgen von bis zu 20 000 Euro vom Geschäftskonto vorgenommen und das Geld für private Zwecke verwendet. 

Möglich sei das gewesen, weil die beiden Mitgesellschafter „zur Förderung des Geschäftsbetriebs“ Darlehen gewährt hätten. Insgesamt, so die Anklage, habe der Geschäftsführer mindestens 93 600 Euro in die eigene Tasche geschoben.

Der Angeklagte berichtete, dass er eigentlich Koch sei und von seinen Landsleuten und späteren Kompagnons engagiert wurde, weil die Probleme hatten, eine Konzession zu bekommen. Die hätten mehrere Hotels und Gastronomiebetriebe geplant. Er selbst sei schon damals finanziell in der Bredouille gewesen: „Meine Kompagnons wussten das. Sie haben mich über den Tisch gezogen.“ 

Die Lokale in Freising, für das allein die Ablöse und Kaution bei 60.000 Euro gelegen habe, und in München seien alles andere als gut gelaufen: Die Tageseinnahmen hätten sich in der Regel auf 100 Euro, bei „Hochbetrieb“ auf 200 Euro belaufen. Der Lieferservice- sei wöchentlich höchstens zwei Mal genutzt worden.

Was die Geldflüsse anging, wies der 53-Jährige die Vorwürfe, er habe sich selbst „bedient“, von sich: Die Kompagnons hätten zwar Gelder auf das Geschäftskonto überwiesen, ihn dann aber meist schon am nächsten Tag angewiesen, sie wieder abzuheben und ihnen bar auszuhändigen.

Kripo: „40.000 Euro verschwunden - wohin weiß man nicht“

Der Insolvenz-Gutachter, Rechtsanwalt Walter Huber, bestätigte, dass das Freisinger Lokal „suboptimal“ gelaufen sei. Der 53-Jährige, so sein Eindruck, sei als Geschäftsführer „fremdgesteuert“ gewesen. Gelder seien zwar verschoben worden. 

Dafür aber, dass sie der Angeklagte gebunkert und einen aufwändigen Lebensstil betrieben habe, gebe es keine Hinweise. Den Verbleib der Gelder konnte auch die Sachbearbeiterin der Erdinger Kripo nicht klären: Nach ihrer Aussage seien schon 40.000 Euro verschwunden gewesen, ehe die Lokale überhaupt eröffnet hätten. „Die Gelder sind weg, wohin weiß man nicht.“

Welche Strafe bekam der Angeklagte?

Das hinterließ bei den Prozessbeteiligten den faden Beigeschmack, dass die Lokale, die „indisches Geschmackserlebnis und intensive Genüsse“ versprochen hatten, letztlich nur der Geldwäsche dienten. In seinem Plädoyer machte Staatsanwalt Sebastian Grimm keinen Hehl daraus, dass „die Sache zum Himmel stinkt“, und beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne. 

Dem Antrag folgte das Schöffengericht und ordnete dann auch noch die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 93 000 Euro an. Strafmildernd, so Strafrichter Alfred Zimmerer, habe sich ausgewirkt, dass der Verbleib der Gelder nicht geklärt werden konnte. Vieles spreche dafür, dass der Angeklagte als „Zahlstelle“ und „kleine Waschmaschine“ ausgenutzt worden sei. 

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Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © Oliver Bodmer (Symbolbild)

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