Lorenz H. (26) verschüttet

Freisinger stirbt in Lawine: Vater versuchte noch, ihn zu befreien

+
Lorenz H. ist tot.

Freising - Zur Tragödie um Lorenz H. (26), der in einer Lawine vor den Augen seines Vaters gestorben ist, gibt es neue traurige Details.

Wie verzweifelt muss Wilhelm H. gewesen sein? Der 62-jährige Freisinger musste am Freitag mit ansehen, wie sein Sohn Lorenz im Brunnalm-Skigebiet bei St. Jakob in Osttirol von einer Lawine mitgerissen wurde. Der Vater konnte nichts tun. Nicht einmal ihn aus den Schneemassen befreien, obwohl er genau sah, wo sein Sohn verschüttet war. Lorenz H. (26) konnte nur noch tot geborgen werden.

Nichts hatte auf die tödliche Gefahr hingewiesen. Sicher, als die beiden die Piste verließen, kamen sie am Warnschild vorbei. Aber das steht an jeder präparierten Piste, und am Freitag herrschte in dem Gebiet Lawinenwarnstufe eins. Es bestand also nach normalem Ermessen keinerlei Gefahr. Wilhelm und Lorenz H., der gerade sein Lehramtsstudium abgeschlossen hatte, waren den Tag über ausschließlich auf der präparierten Piste unterwegs und wollten gegen 16 Uhr, zum Abschluss des Skitages, über eine kurze Variante ins Brugger-Alm-Tal abfahren.

Auf 2288 Meter fuhren sie in den Südwesthang. Lorenz voran, der Vater wartete oben ab. Nachdem der Junior rund 50 Höhenmeter gefahren war, löste sich plötzlich eine etwa 40 Meter breit und 250 Meter lange Schneebrettlawine, die den 26-Jährigen rund 200 Meter weit mitriss. Er blieb im Lawinenkegel liegen, kopfüber verschüttet, ein Bein ragte teilweise aus dem Schnee. Sofort fuhr Wilhelm H. zu seinem Sohn und versuchte verzweifelt, ihn mit seinen Skiern aus der Lawine auszugraben – sie hatten keine Notfallausrüstung dabei. Doch der Nassschnee war hart wie Beton. Handyempfang gab es keinen, also fuhr der Vater zu der einen Kilometer entfernten Eggenalm, von wo aus um 17.15 Uhr die Bergrettung alarmiert wurde.

Die war eine Viertelstunde später an der Unfallstelle und konnte den jungen Skifahrer, der etwa 1,20 Meter tief verschüttet war, schließlich befreien. Zu spät. Lorenz H. war tot. Er hatte sich offenbar bereits beim Lawinenabgang das Genick gebrochen.

Waren Vater und Sohn leichtsinnig? Sind sie ein unkalkulierbares Risiko eingegangen? Es herrschte Lawinenwarnstufe eins – ein Lawinenabgang ist demzufolge sehr unwahrscheinlich. Den ganzen Tag über waren, wie die Spuren am Hang zeigen, Skifahrer dort abgefahren. Ein Einheimischer sagte, er fahre dort fast täglich ab und es sei noch nie etwas passiert. Die Schneedecke an dem Hang sei abgeplatzt wie eine Eierschale, sagen die Bergretter.

Das Schicksal hat sich an diesem Nachmittag gegen das junge Leben entschieden.

Volker Pfau

auch interessant

Meistgelesen

Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen
Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen

Kommentare