"Ohne Sie wäre ich jetzt tot"

Schlamm-Rettung: Opfer trifft Lebensretter

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„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll“: Unfallopfer Marco Aleksa (re.) und Lebensretter Herbert Gutleber. Die EZ hat sie zusammengebracht.

Zorneding - Marco Aleksa blickt den Mann, der ihm im Krankenhauszimmer gegenüber steht, stumm und fassungslos an. Drei Tage nach dem schweren Lkw-Unfall bei Zorneding hat das Opfer seinen Lebensretter getroffen.

Die Frühlingssonne schickt erste warme Strahlen durchs Fenster, Marco Aleksa, der in seinem Lkw-Führerhaus verschüttet war, steht neben seinem Bett und stammelt leise: „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll. Sie sind mein Held.“ Herbert Gutleber, der den Fahrer des Betonmischers aus der Erdmasse gegraben hat, antwortet: „Ich bin froh, dass Sie weiterhin der Vater Ihrer sieben Kinder sein können.“ Beide Männer haben Tränen in den Augen; sie geben sich die Hände, umarmen sich kurz, dann setzt sich Marco Aleksa zurück aufs Bett und krümmt sich vor Schmerzen. Ein kurzer, heftiger Schmerzanfall an der rechten Schulter.

Zahlreiche Hautabschürfungen im Gesicht, Prellungen und ein Jochbeinbruch - mit diesen Verletzungen liegt Aleksa im Krankenhaus. „Ohne Sie wäre ich jetzt tot“, sagt der 46-jährige, siebenfache Vater aus Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) zu Gutleber. Der 51-jährige Karosseriebauer aus Moosach hatte, als er kurz nach dem Unglück zum Unfall-Lastwagen gekommen war, nur die rechte Hand aus dem Erdhaufen ragen sehen.Nachdem der Betonmischer aus noch ungeklärter Ursache bei Zorneding von der Straße abgekommen war, hatte er sich durch den angrenzenden Acker gepflügt und war umgekippt. Nasse, schwere Erde hatte sich binnen weniger Sekunden in die Fahrerkabine gedrückt. Als Gutleber sah, dass sich die Hand bewegte, schlussfolgerte er: „Der Fahrer muss noch am Leben sein“. Dann fing Gutleber an, wie verrückt mit seinen eigenen Händen zu graben. Binnen weniger Minuten gelang es ihm, den Kopf von Marco Aleksa freizubekommen. Gerade noch rechtzeitig.

„Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern“, sagt Aleksa jetzt im Krankenhaus. Wahrscheinlich stehe er noch unter Schock, glauben Opfer und Retter. Marco Aleksa blickt Herbert Gutleber in die Augen: „Ich kann mich nur bei Ihnen bedanken, dass ich weiterhin Vater sein kann.“

Die sieben Kinder des gebürtigen Serben, der seit 1969 in Bayern lebt, sind zwischen acht und 30 Jahre alt. „Mit ihnen zusammen werde ich ab sofort jeden 5. März meinen zweiten Geburtstag feiern.“ Am 5. März geschah das Unglück, am 5. März hatte Marco Aleksa das Glück, dass Herbert Gutleber als Erster an die Unfallstelle kam. „Werde erstmal wieder gesund, verdaue den Schock, dann sehen wir uns wieder“, sagt Gutleber. Nach etwa fünf Minuten sind die beiden per Du, Aleksa verspricht seinem Retter, ihn zum Essen einzuladen - und auf einmal unterhält er sich mit ihm in waschechtem Bairisch. „I bin a Jugo-Bayer, i kann aa Bairisch“, scherzt Marco Aleksa. Aber plötzlich überkommt ihn wieder der Schmerz, wieder krümmt er sich lautlos im Bett. Gutleber verabschiedet sich: „Lass’ dir Zeit, und werde gesund, damit du für deine Familie da sein kannst.“ Aleksa lächelt.

Draußen vor dem Krankenhaus zündet sich Herbert Gutleber eine Zigarette an. Nachdem er einen ersten langen Zug genommen hat, sagt er: „Ein netter, freundlicher, offener Kerl und ganz bestimmt auch ein sehr guter Vater. Nach diesem Besuch freut es mich noch mehr, dass ich ihm helfen konnte.“

Armin Rösl

Bilder: Betonlaster kippt auf Auto

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