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Freunde sammeln Geld für Denis‘ (27) letzten Wunsch: Er hat zum fünften Mal Krebs

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Von: Doris Schmid

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Sie ist ihm eine große Stütze: Denis Klockmann mit seiner Mutter Pathima, zu der er ein inniges Verhältnis hat. Knochenkrebs mit 12 Jahren Zum fünften Mal erkrankt
Sie ist ihm eine große Stütze: Denis Klockmann mit seiner Mutter Pathima, zu der er ein inniges Verhältnis hat. © SH

Denis Klockmann (27) ist zum fünften Mal an Krebs erkrankt. Freunde haben eine Spendenaktion zur Erfüllung seines letzten Wunsches auf die Beine gestellt.

Wolfratshausen – Vier Mal besiegte Denis Klockmann in seinem jungen Leben den Krebs. Vor ein paar Monaten ist der 27-Jährige erneut an dieser heimtückischen Krankheit erkrankt. Ein fünftes Mal wird er diesen Kampf vermutlich nicht gewinnen. Das sagten ihm die Ärzte. Freunde haben nun eine Spendenaktion zur Erfüllung seines letzten Wunsches initiiert.

Schock-Diagnose nach Fußballspiel: Knochenkrebs mit 12 Jahren

Klockmann ist gerade auf dem Heimweg aus München, als er in unserer Redaktion vorbeischaut. Die Beifahrertür eines weißen Kleinwagens öffnet sich, schwerfällig steigt der junge Wolfratshauser aus. Seine Mutter Pathima hatte ihn zur Chemotherapie in die Klinik gefahren. Schon ist die 59-Jährige zur Stelle, um nach dem schwarzen Rucksack mit dem Sauerstoffgerät ihres Sohns zu greifen. Klockmann trägt eine graue Mütze, eine graue Sweathose, ein blaues Sweatshirt mit dem Aufdruck „Champion“ – und das ist er auf seine Weise auch. Lächelnd stützt er sich auf einen Stock. Den braucht Klockmann seit seiner ersten Krebserkrankung.

Als zwölfjähriger Bub habe er Schmerzen gehabt, die sich wie Muskelkater anfühlten, erinnert sich der Wolfratshauser. Das sei ganz normal in seinem Alter, habe man ihm gesagt – für Kinder typische Wachstumsschmerzen. Als sich der Junge aber bei einem Fußballspiel das Bein brach, hatte „der Krebs schon den Knochen angefressen“. Seine Lebenserwartung stuften die Ärzte damals als nicht sehr hoch ein. Eineinhalb Jahre verbrachte der Wolfratshauser in der Haunerschen Kinderklinik in München. Klockmann gab nicht auf und schaffte es: Er überwand die heimtückische Krankheit.

Mit 15 Jahren kam der Krebs zurück

Der erste Rückschlag ließ leider nicht lange auf sich warten. Als Klockmann 15 Jahre alt war, fiel bei einer Kontrolluntersuchung ein Schatten auf der Lunge auf: Entgegen den Erwartungen hatte der Krebs gestreut. Doch nach Operation und Therapie war der Teenager wieder gesund. Bis er mit 18 Jahren den Weg zu seiner Schule körperlich nicht mehr bewältigen konnte.

Aufzugeben ist kein Weg für mich.

Denis Klockmann

Die Ärzte diagnostizierten Leukämie. „Das war eine Folge der ersten Chemotherapie“, ist sich Klockmann sicher. Hätte man bei seiner ersten Krebserkrankung alle Behandlungsformen ausgeschöpft, „hätte ich mir die Leukämie sparen können. Aber wahrscheinlich hat man sich damals gedacht, dass ich es eh nicht schaffen werde.“ Der Jugendliche musste zurück in die Klinik und unterzog sich einer weiteren Chemo.

Die Therapie schlug glücklicherweise an. Um zu überleben, brauchte Klockmann aber eine Stammzellenspende. Er hatte Glück – sein jüngerer Bruder kam als Spender infrage. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, blickt der gebürtige Starnberger zurück. Er besiegte die Leukämie und lebte danach ein relativ normales Leben. Klockmann holte seinen Schulabschluss nach und begann eine Lehre zum Bürokaufmann. „Leider musste ich die Ausbildung abbrechen“, erzählt er mit ruhiger Stimme. Die Belastung sei zu groß gewesen.

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Sieben Jahre vergingen, bis sich in seinem Körper abermals Metastasen bildeten – und zwar wieder in der Lunge. Erneut musste sich der Wolfratshauser einer OP und einer Strahlentherapie unterziehen. Doch auch diesen Tumor besiegte Klockmann.

Zum dritten Mal an Lungenkrebs erkrankt

Jetzt, mit 27 Jahren, ist der Lungenkrebs ein drittes Mal zurückgekehrt. Auch im Herzen hat Klockmann Metastasen. Damit sich dort keine Thromben bilden, bekommt er Blutverdünner. „Das funktioniert gut“, sagt er optimistisch. „Aber das kann die Metastasen in der Lunge zum Bluten bringen.“ Die Ärzte empfahlen ihm daher, sich nicht anzustrengen und aufzuregen. „Ihnen wäre es am liebsten, wenn ich den ganzen Tag im Krankenhausbett liegen würde“, sagt der Palliativ-Patient. „Aber ich will Lebensqualität.“

Auch Klockmann hat sich die Frage gestellt, warum die Krankheit ausgerechnet ihn getroffen habe. Und es habe auch Zeiten gegeben, in denen er in ein tiefes Loch gefallen sei, gibt er zu. „Aufzugeben ist jedoch kein Weg für mich.“ Er tausche sich mit anderen Krebspatienten über eine WhatsApp-Gruppe aus und er betreibt einen Instagram-Account („Cancerfluencer“). Darüber lasse er Menschen an seinem Leben teilhaben – und teile auch nicht so schöne Momente, wie er sagt. Aber er erfahre darüber auch viel Zuspruch. „Ich merke, dass ich Menschen Hoffnung gebe.“

Freunde wollen übers Internet Geld für den schwerkranken Klockmann sammeln

Zuspruch und Unterstützung bekommt der Wolfratshauser natürlich auch zu Hause. „Ich habe meine Mama und Freunde, auf die ich zählen kann“, sagt Klockmann. Seine Freunde haben für ihn eine Spendenkampagne ins Leben gerufen. 10.000 Euro wollen sie über die Internet-Plattform „GoFundMe“ sammeln, damit sich der Krebskranke seinen letzten Wunsch erfüllen kann. Der 27-Jährige möchte die Zeit, die ihm noch bleibt, ohne Sorgen zusammen mit seiner Familie verbringen. Und er wünscht sich, dass seine Mutter nach der Beerdigung nicht auf einem Berg Schulden sitzen bleibt. „Ansonsten bin ich wunschlos glücklich.“

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Nach einer Stunde verabschiedet sich Klockmann. Das Gespräch und vermutlich auch die vorangegangene Chemo haben ihn ziemlich angestrengt. Gemeinsam mit seiner Mutter geht er langsam zum Auto und steigt ein. Er freut sich jetzt auf sein Zuhause. Auf sein Zimmer, in dem ein Luftreiniger steht. Und auf das Bett mit der antiallergischen Wäsche. Beides konnte er sich dank der Spendengelder bereits leisten. Klockmann: „Das erleichtert mir das Leben.“ (nej)

Das Spendenkonto für Denis Klockmanns letzten Wunsch finden Sie hier.

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