Freunde ziehen Gartenhelfer aus dem Wasser

Das sind die Lebensretter vom Ampersee

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Die Clique beim Grillen: (von hinten nach vorne) Maximilian Weiss, Nicol Jelinek, Sandra Uhl, Tim Weber und Maximilian Neumann. Die gepixelte Person war nicht dabei.

Olching - Ein gemütliches Wochenende am See: Das hatten fünf Freunde aus München geplant. Doch dann kam alles anders. Sie retteten einen Badegast vor dem Ertrinken. Nur weil einer der Freunde nicht aufgab, hat der 23-Jährige überlebt.

Samstagnachmittag, die Sonne lugt ab und zu hinter den Wolken hervor. Maximilian Weiss, Nicol Jelinek, Sandra Uhl, Tim Weber und Maximilian Neumann (alle zwischen 18 und 22 Jahre) liegen am Ufer des Ampersees in Olching (Kreis Fürstenfeldbruck). Die Nacht davor hatten sie noch gefeiert, den Geburtstag von Tim. Deshalb war die Clique überhaupt erst auf den Campingplatz gekommen. „Es war ein Überraschungswochenende für Tim“, sagt Sandra Uhl (21). Am Abend wollen sie grillen.

Doch dann kommt alles anders: Ein 23-Jähriger, der als Gartenhelfer auf dem Campingplatz arbeitet, schwimmt im See – und geht nur zehn Meter von den Freunden entfernt unter. „Wir haben ihn schon länger beobachtet“, erzählt Sandra Uhl. Der junge Mann sei immer wieder verschwunden, dann aber wieder aufgetaucht. „Wir dachten, der übt vielleicht tauchen. Es war auf jeden Fall irgendwie komisch.“ Deshalb setzt sich die Clique ein Ultimatum: Wenn er beim nächsten Mal länger als 30 Sekunden unter Wasser bleibt, wird was unternommen.

Als der Kopf des Gartenhelfers nicht mehr auftaucht, reagieren sie sofort. Die drei Burschen springen ins Wasser, suchen nach dem 23-Jährigen. Doch das gestaltet sich schwierig, die Sichtverhältnisse sind nicht gut. „Zum Glück hatte er eine helle Badehose an, so haben sie ihn gesehen“, erzählt Sandra Uhl. Die drei jungen Männer versuchen, den Gartenhelfer aus dem Wasser zu ziehen, vergeblich. „Das Wasser war noch eiskalt, die Jungs konnten nicht mehr, sie haben schon gezittert.“

Während die Burschen noch versuchen, den 23-Jährigen zu retten, laufen Sandra und Nicol zum Wirt der nahen Gaststätte. Sie wollen Hilfe holen. Der Wirt glaubt ihnen erst nicht. „Wir waren erst vorher dort zum Essen. Der dachte, wir machen Spaß.“ Dann aber begreift er den Ernst der Lage und handelt. Mit den Frauen läuft er zurück an den See. „In seinen ganzen Klamotten sprang er ins Wasser“, sagt Karin Conradi, die Betreiberin des Campingplatzes.

Gemeinsam schaffen sie es, den 23-Jährigen vom Grund heraufzuholen. Doch aus dem Wasser ist er immer noch nicht. Mit dem Rettungsring, der an einem Zaun angebracht ist, wollen sie den jungen Mann an Land bringen. „Wir haben den Ring aber erst nicht abbekommen“, erinnert sich Uhl. Gemeinsam mit Nicol schafft sie es doch. Schließlich gelingt es den Freunden und dem Wirt, den 23-Jährigen ans Ufer zu bringen.

Den Anblick wird Sandra Uhl wohl nie vergessen: „Er war schon ganz blau, hatte Schlamm um den Mund.“ Jetzt zählt jede Sekunde. Zum Glück ist ihr Freund Maximilian Rettungssanitäter. Er entfernt das Erbrochene, macht Mund-zu-Mund-Beatmung – mit Erfolg. Der 23-Jährige atmet wieder. „Das war eine Erleichterung“, sagt Sandra Uhl. Die Rettungskräfte bringen den jungen Mann mit dem Hubschrauber in ein Münchner Krankenhaus.

Nach Auskunft der Polizei ist sein Zustand – auch zwei Tage später – noch kritisch. Nach der Rettungsaktion sind die Münchner ziemlich durcheinander, brauchen selbst Hilfe. Ein Kriseninterventionsteam betreut sie. Selbst heimfahren dürfen Sandra und ihre Freunde nicht. „Unsere Eltern haben uns abgeholt, wir standen unter Schock.“

Tags darauf trifft sich die Clique wieder, um das Erlebte zu verarbeiten – und um gemeinsam zu grillen. „Es war ja alles eingekauft“, sagt Sandra Uhl. Und bei Würstl und Bier haben sich die Lebenretter vom Ampersee etwas vorgenommen: „Wir wollen jetzt alle eine Ausbildung zum Rettungssanitäter machen.“

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