Sie brachte dem Todesschützen die Waffe

Freundin von Rudolf U. macht sich Vorwürfe

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Dachau - Todesschütze Rudolf U. (55) hat für großes Leid gesorgt. Und auch sein eigenes Umfeld trägt schwer an den Todesschüssen, mit denen U. im Januar im Dachauer Gerichtssaal den Staatsanwalt Tilman T. († 31) niedergestreckt hat.

Eine Freundin (54) aus Freising, die während seines Insolvenzverfahrens seine Pistole aufbewahrt hatte, musste im Sommer für zwei Monate in die Psychiatrie „wegen der ganzen Sache“. Sie leide unter „totalen Schuldgefühlen“, sagte sie Donnerstag vor Gericht. Die Freisingerin konnte nicht ahnen, dass Rudolf U. die Waffe eines Tages gegen Menschen richten würde. Dennoch macht sie sich Vorwürfe, wie der Münchner Merkurberichtet.

Im Sommer 2011 hatte sie ihm die Pistole auf seinen Wunsch hin zurück in seine Dachauer Wohnung gebracht. „Wenn ich gewusst hätte, was er macht, hätte ich ihm nie die Waffe zurückgebracht. Ich hätte sie im Wald vergraben oder so.“ Vom Amtsgericht Freising wurde sie wegen des unerlaubten Waffenbsitzes verurteilt. Rudolf U. wendet sich vor Gericht selbst an die 54-Jährige: „Ich hab dich nicht verraten.“ Vor dem Gericht nimmt er sie in Schutz: „Sie hat nur die Waffe für mich aufbewahrt.“ Er weint, wischt sich die Tränen aus den Augen, als die Freisingerin den Gerichtssaal verlässt.

Mehrere Zeugen berichteten auch über den Menschen Rudolf U., wie sie ihn vor der Tat gekannt haben. Eine Sozialarbeiterin aus Dachau beschrieb ihn als hilfebedürftig. Er sei deprimiert, weinerlich, hilflos und verzweifelt gewesen. „Er sah sich in der Situation des schuldlosen Opfers.“ Seine Wohnung sei chaotisch gewesen, U. völlig überfordert. Eine Notärztin berichtete, Tilman T. habe keine Chance gehabt, die zwei Schüsse von Rudolf U. zu überleben. Eine Kugel habe die linke Herzkammer zerfetzt. Als sie im Dachauer Gerichtssaal eintraf, habe sich Turck am Boden gewälzt. Vier bis fünf Minuten sei er noch ansprechbar gewesen. Dann habe man nur noch versucht, ihn zu reanimieren. Vergeblich.

Nina Gut

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