Polizei ermittelt in Garchinger Heim

Frieda (92) schwer verletzt im Bett - wie kam es dazu?

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Das Pflegeheim der Pichlmayr GmbH in Garching: Hier lebte die kranke Frieda M.

München - Bei Frieda M. (92) wurde am vergangenen Montag eine schreckliche Entdeckung gemacht: Die kranke Frau lag mit einem Beinbruch und unzähligen blauen Flecken in ihrem Bett. Keiner weiß, wie lange. Und niemand weiß, wie es dazu gekommen ist!

Ihr ganzes Leben lang war Frieda M. eine lebenslustige Frau. Die Münchnerin lachte gerne und kümmerte sich liebevoll um ihre Kinder. Bis vor einigen Jahren die Krankheit kam: Demenz! Heute liegt die 92-Jährige in einem Pflegeheim in Garching. Pflegestufe III – nur mit fremder Hilfe kann die Seniorin ihr Bett verlassen. Seit dieser Woche ist die Frau nun ein Fall für Polizei und Heimaufsicht. Bei Frieda M. wurde am vergangenen Montag eine schreckliche Entdeckung gemacht: Die kranke Frau lag mit einem Beinbruch und unzähligen blauen Flecken in ihrem Bett. Keiner weiß, wie lange. Und niemand weiß, wie es dazu gekommen ist!

Gibt es wieder einen Pflegeskandal, der die ganze Branche erschüttert? „Meine Mutter ist derzeit im Klinikum und noch immer nicht über den Berg“, erzählt Tochter Jeanette R. der tz traurig. „Sie musste operiert werden – und das in dem Alter. Wer hat ihr das angetan?“, fragt die Münchnerin. Fakt ist, dass die Heimaufsicht den Fall Frieda M. nun an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat. „Es gibt den begründeten Verdacht für eine Gewalteinwirkung“, bestätigte eine Sprecherin der Heimaufsicht gegenüber der tz. Genauere Ergebnisse werde es aber frühestens nächste Woche geben. Wurde die Seniorin gar misshandelt? Auch die Polizei ist eingeschaltet: „Es liegt eine Anzeige wegen Körperverletzung vor. Wir haben die Ermittlungen aufgenommen“, bestätigt Polizeisprecher Carsten Neubert.

Schockiert: Tochter Jeanette R.

Was ist Frieda M. nur passiert? Es ist Montagvormittag, als die Stationsleiterin in dem Heim der Pichlmayr GmbH aus dem Urlaub kommt. Die aufmerksame Kraft macht gleich eine Kontrollrunde und entdeckt Friedas Verletzungen. Die alte Dame hat schwere Hämatome an den Innenseiten der Oberschenkel, zudem einen sichtbaren Beinbruch. Da die kranke Dame nicht mehr in der Lage ist zu sprechen, kann sie nicht erklären, was geschehen ist. Die Stationsleiterin informiert daraufhin sofort die Heimaufsicht – und die Angehörigen. „Meine Mutter war in einem schlimmen Zustand“, erzählt Tochter Jeanette. Sie hat den Verdacht, dass möglicherweise bei der Pflege ihrer Mama schwere Fehler gemacht wurden. „Es arbeiten in dem Heim ja auch viele Aushilfen. Vielleicht gab es einen schweren Sturz oder etwas anderes. Dann muss ich das aber auch zugeben – und nicht meine Mutter einfach wieder ins Bett legen.“ Jeanette R. schluckt: „Sie muss schreckliche Schmerzen gehabt haben.“

Auch der Heimbesitzer Florian Pichlmayr hat – wie Friedas Tochter – Anzeige gegen Unbekannt gestellt. „Wir haben alle Mitarbeiter befragt. Bisher ist noch unklar, wie es zu den Verletzungen kam“, sagt der Geschäftsführer, der 18 Alten- und Pflegeheime in Bayern betreibt, gegenüber der tz. „Es prüfen aber auch der Hausarzt, die Heimaufsicht und der Medizinische Dienst den Fall. Wir wollen das unbedingt aufklären.“ Für Pichlmayr kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Verletzungen vielleicht ohne Fremdeinwirkung entstanden sind. Genau das halten aber auch die Ärzte im Klinikum, wo Frieda M. derzeit liegt, für unmöglich: Ein sogenannter Spontanbruch sei „lächerlich“, so der Tenor. Auch der Notarzt, der Frieda M. erstversorgte, sprach angeblich sofort von einer wahrscheinlichen „Gewalteinwirkung“.

Jeanette R. hat das Leid ihrer Mutter schwer mitgenommen. „Jetzt muss schnell geklärt werden, was hier genau passiert ist“, fordert sie. „Es ist doch kein Geheimnis, dass viele Pflegekräfte überfordert sind, dass Stationen oft unterbesetzt sind. Aber man kann doch nicht einfach jemanden so verletzt im Bett liegen lassen. Das ist eine Schande!“

Armin Geier

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