„Es sieht wirklich schlimm darin aus“

Früher wurden hier wilde Partys gefeiert - jetzt ist alles nur noch traurig

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Ein verlassener Ort: Das alte Wasserreservoir im Wolfratshauser Bergwald.

Das alte Wasserreservoir bleibt sich selbst überlassen. Grünen-Stadträtin Heinloth wollte wissen, warum es nicht wieder als Veranstaltungsort genutzt wird. Die Antwort fällt vernichtend aus.

Wolfratshausen – Rauschende Ritterfeste, betörende Kulturabende, feucht-fröhliche Faschingspartys: Viele Wolfratshauser kennen das alte Wasserreservoir über den Dächern der Stadt noch als Veranstaltungsort. Doch der verwunschene Gewölbekeller im Bergwald, der der Kommune gehört, zählt mittlerweile zu den sogenannten Lost Places. Ein „verlorener Ort“, an dem den Zahn der Zeit nagt. Nun hakte Grünen-Stadträtin Annette Heinloth bei Bürgermeister Klaus Heilinglechner nach, ob das im Dornröschenschlaf liegende Wasserreservoir nicht wieder als „Event-Location“ genutzt werden könnte. Laut Rathauschef ist dies so gut wie ausgeschlossen.

Die Genehmigung des Landratsamts bezüglich der Nutzung des alten Wasserbehälters als Versammlungsstätte war laut Bürgermeister auf die Kulturtage 1994 beschränkt. Die Kreisbehörde verlängerte die Genehmigung auf Bitten der Stadt bis zum Schlussapplaus für die Kulturtage 1998. „Jede weitere Nutzung sollte mindestens einen Monat vor dem geplanten Termin unter Angabe der Art der Veranstaltung und der Zahl der Besucher erneut beantragt werden“, berichtete der Rathauschef in der jüngsten Stadtratssitzung.

Bis zum Jahr 2000 machte die Kommune von dieser Möglichkeit Gebrauch, aber: Im Vorfeld der Veranstaltungen mussten in dem Gewölbe Geräte zur Luftentfeuchtung aufgestellt werden – laut Bürgermeister jeweils bereits mehrere Tage vor dem Termin. Mittlerweile sei der Raum seit fast 20 Jahren ungenutzt – ihn wieder herzurichten, wäre mit einem erheblichen Aufwand verbunden. „Die hohe Luftfeuchtigkeit, umgestürzte Bäume und der rutschende Hang machen es außerdem erforderlich, vor einer Diskussion über eine Wiederinbetriebnahme das Gebäude durch einen Statiker überprüfen zu lassen“, sagte der Bürgermeister. Haushaltsmittel würden für diesen Zweck derzeit nicht zur Verfügung stehen. Hinzu komme, „dass die Erreichbarkeit für Besucher als schwierig bezeichnet werden muss; der Fahrweg ist teilweise sehr steil, die Treppenanlage zeitweilig rutschig“. Nicht zu vergessen: „Die abgelegene Lage des alten Wasserreservoirs führte insbesondere bei Nutzungen durch Jugendliche immer wieder zu gefährlichen Situationen“, berichtete Heilinglechner und nannte als Beispiele Vandalismus und körperliche Auseinandersetzungen.

Heinloth nahm die Antwort auf ihre Anfrage zur Kenntnis. Weiteren Gedankenspielen in puncto Wasserreservoir erteilte Renate Tilke (CSU) eine kategorische Absage. Sie habe bereits vor langer Zeit bei einer Ortsbegehung feststellen müssen, dass der im Erdreich verborgene Gewölbekeller „völlig verschimmelt“ sei. „Und ich rede da nicht von ein paar kleinen Schimmelflecken in den Ecken“, betonte Tilke. „Den Eingang einfach zuschütten, Schluss“, lautete ein Kommentar aus den Reihen der Bürgervereinigungsfraktion.

„Es sieht wirklich schlimm darin aus“

Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard war nach eigenen Worten 1998 das letzte Mal im Wasserreservoir – „als Besucherin der Kulturtage“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit 2000 beschränke sich die Aufgabe der Stadt auf sporadische Kontrollen des ehemaligen Wasserspeichers. Leonhard gibt Stadträtin Tilke Recht: „Es sieht wirklich schlimm darin aus.“ Die Bauamtsmitarbeiterin erinnert sich, dass es bereits um die Jahrtausendwende schwer gewesen sei, einen Gastronomen zu finden, der die Örtlichkeit bei Veranstaltungen bewirten möchte. „Alles, was der mühselig ins alte Wasserreservoir transportiert hatte, war kurz nach der Veranstaltung mit Schimmel überzogen“, weiß Leonhard aus Berichten der Wirte beziehungsweise Caterer.

Die Bauamtsmitarbeiterin wird einen Vorschlag des Fraktionschefs der Bürgervereinigung, Josef Praller, aufgreifen: Der hatte in der Stadtratssitzung einen Ortstermin angeregt. Leonhard: „Das werden wir dem Stadtrat anbieten.“

Carl-Christian Eick

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