Betrunken am Steuer

Fünf Jahre nach Horrorcrash auf B2: Münchnerin bekommt ihre Strafe

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Die Frau, die für einen Crash auf der B2 bei Puchheim mit einer Toten verantwortlich ist, wurde verurteilt.

Fünf Jahre lang zog es sich bis zur Urteilsverkündung: Die Unfallverursacherin, die für einen Crash auf der B2 bei Puchheim mit einer Toten verantwortlich ist, wurde nun verurteilt. 

Puchheim - Es war ein Horrorcrash, damals im Juni 2013. Maria H. († 44) saß in ihrem Käfer-Cabrio, sie hatte keine Chance, als ihr eine junge Münchnerin (27) mit 1,88 Promille Alkohol im Blut auf der Bundesstraße B 2 bei Puchheim-Ort frontal in den Wagen krachte. Geschlagene fünf Jahre hat es gebraucht, bis die heute 32-Jährige endgültig verurteilt wurde. Ihr Verteidiger Kai Wagler hatte zwar noch versucht, eine einjährige Bewährungsstrafe herauszuholen, doch das Landgericht München II verurteilte die Frau zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten.

„Es ist mit der Verteidigung der Rechtsordnung nicht in Einklang zu bringen, in diesem Fall noch eine Bewährung auszusprechen“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Bürger hätten dafür auch kein Verständnis.

Angeklagte leide „wie ein Hund“ - sie fuhr nie wieder Auto

Die heute 32-Jährige, die noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, versuchte, bei der Urteilsverkündung die Fassung zu wahren. „Sie leidet wie ein Hund“, sagte ihr Anwalt am Rande des Verfahrens. Ihre Alkoholerkrankung bekam sie mit einer langen und erfolgreichen Therapie in den Griff. Hinter ein Steuer setzte sie sich nie wieder.

Deshalb dauerte das Gerichtsverfahren so lange 

Dass das Gerichtsverfahren so lange dauerte, war nicht die Schuld der Unfallfahrerin. Im März 2014 war sie vom Amtsgericht Fürstenfeldbruck wegen fahrlässiger Tötung zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Führerschein wurde eingezogen, eine 22-monatige Sperrfrist verhängt. Gegen das Urteil ging die Angeklagte in Berufung. Vor dem Landgericht München II wurde der Fall anverhandelt und schnell wieder ausgesetzt. Grund: Die Richterin ordnete ein psychiatrisches Gutachten an. Dann verlor sich die Akte im Gericht und musste mühsam rekonstruiert werden.

Im Sommer 2016 wurde die Frau, eine Angestellte, in zweiter Instanz vom Landgericht München II zu anderthalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Sperrfrist für den Führerschein betrug nun nur noch drei Monate. Doch der Verteidiger zog in die Revision vor das Oberlandesgericht – mit Erfolg: Wegen eines Verfahrensfehlers wurde das Urteil im Juli 2017 aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts München II verwiesen. Gestern nun fand dort der fünfte Prozess um die Todesfahrt statt.

Prozessdauer setzte Familie des Opfers enorm zu

Als Nebenkläger verfolgte einer der Söhne der Verunglückten mit seiner Frau die Verhandlung. Der Mann war beim Tod der Mutter 23 Jahre alt gewesen, sein jüngerer Bruder 22. Der Prozess setzte ihm deutlich zu. Dass die Tat über Jahre nicht geahndet werden konnte, ärgerte ihn sehr. 

Als das Gericht dann gestern eine Haftstrafe verhängte und der Richter in der mündlichen Urteilsbegründung vermerkte, dass Maria H. nicht der Anflug einer Mitverschuldung angelastet werden könne, wirkte der heute 28-Jährige erleichtert. „Es hätte uns alle treffen können“, betonte der Richter noch einmal die Schuldfrage, die er allein bei der Angeklagten sah. Eine Entschädigung der überlangen Verfahrensdauer sah er in den abgezogenen drei Monaten für gegeben.

Lesen Sie auch: Auf der B2: Autofahrerin verursacht Unfall mit Schwerstverletzter - und fährt einfach weiter

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