St. Bernhard

Fürstenfeldbruck: Anwohner von Glockengeläut genervt

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Schon der erste Glockenschlag reißt einen in der Früh aus dem Schlaf: Alexander Schapovalov ist genervt vom Angelus-Läuten der Kirche St. Bernhard im Brucker Westen. 

Für die Gläubigen ist es ein Ritual, für einige Nachbarn eine unzumutbare Lärmbelästigung: Um das morgendliche Angelus-Läuten der St.-Bernhard-Kirche im Brucker Westen ist ein Streit entbrannt.

Fürstenfeldbruck – Beschwerdeführer ist Alexander Schapovalov. Er ist direkter Nachbar der St. Bernhard-Kirche. Er wohnt seit dem Jahr 1997 einen Steinwurf von der Kirche entfernt und betont: „Die ganzen 20 Jahre lang, bis zur Renovierung des Glockenturms, gab es kein morgendliches Angelusläuten in St. Bernhard – lediglich mittags und am Abend.“

Dass seit Dezember 2016, nach Abschluss der Statikprüfungen des Turms, auch jeden Morgen drei Minuten lang geläutet wird, könne er als Berufstätiger unter der Woche sogar hinnehmen. Nicht aber am Wochenende oder an Feiertagen. Nicht nur für ihn, sondern auch für andere Anwohner dienten diese Tage der Erholung. Mehrmals habe er sich im Pfarrbüro beschwert, sei aber immer abgewimmelt worden.

Markus Amann von der Kirchenverwaltung dagegen kommentiert: „Das Angelusläuten ist ein für Katholiken identitätsstiftendes Glockengeläut, das die Gläubigen erinnern soll, ihren Tag mit einem Gebet oder einem Gedanken an Gott zu beginnen.“ Das dreimalige tägliche Geläut solle den Gläubigen Struktur für den Tag geben. Außerdem berichtet Amann von zahlreichen positiven Rückmeldungen auf das Läuten.

Außerdem sei der Pfarrverband Herrn Schapovalov großzügig entgegengekommen: „Eine gute Nachbarschaft ist uns wichtig. Die Läutedauer wurde von drei auf zwei Minuten reduziert. Und anstelle zweier läute nur noch eine Glocke.“

In der Sitzung am 29. März habe die Kirchenverwaltung zudem beschlossen, das morgendliche Gebetsläuten von 7 auf 8 Uhr zu verlegen. In anderen Kirchen des Pfarrverbandes (St. Magdalena, St. Johanes der Täufer, St. Sebastian, St. Stephanus und Hl. Dreifaltigkeit) sei es üblich, dass zwischen 6 und 7 Uhr das Angelusläuten praktiziert wird. „Wir hoffen, mit diesen Neuregelungen den Lebensgewohnheiten der Gemeinde und insbesondere den direkten Anwohnern entgegen zukommen.“

Alexander Schapovalov sieht das anders: Denn schon die ersten Glockenschlägen reißen ihn aus dem Schlaf. „Das ist wie mit einem Wecker: wenn er klingelt, sind Sie wach, egal wie lang er läutet.“ Beim Angelusläuten maß der 56-jährige Funkingenieur jeweils zwischen 68 und 75 Dezibel – das sei vergleichbar mit einem lauten Rasenmäher oder einem vorbeifahrenden Lastwagen. Seine privaten Messungen zweifelte die Kirchengemeinde laut Schapovalov an. Wobei: Auch die Messungen eines TV-Privatsenders bestätigten die Werte.

Der Streit ums Geläut kann wohl nicht als erledigt abgeheftet werden: „Ich weiß, dass viele Nachbarn meiner Meinung sind und ich werde deine Unterschriftenaktion starten“, sagt Schapovalov. Er will, da er selbst Christ sei, den Brucker Gläubigen nicht verbieten, ihre Religion auszuüben.

Aber: Heute habe schließlich jeder eine Uhr oder einen Wecker, der bei Bedarf ganz leise jeden einzelnen ans eigene Gebetsritual erinnern könne, ohne andere, ob Christ oder nicht, in ihrer Lebensweise zu beeinträchtigen. (akk)

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