Krasse Konsequenz

Handy am Steuer: Busfahrer gefeuert

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Der Fahrer fuhr mit einem Bus der Linie 840 in Fürstenfeldbruck.

Harte Konsequenz eines privaten Smartphone-Videos: Der Busfahrer, der auf einer Brucker Linie minutenlang mit dem Handy herumgespielt hatte, ist fristlos entlassen worden.

Fürstenfeldbruck– „Ein solches Verhalten wird nicht annähernd geduldet. Das geht gar nicht“, sagt der Beauftragte für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr im Landkreis, Hermann Seifert. Der mit der Linie betraute Busunternehmer habe dem betreffenden Fahrer deshalb fristlos gekündigt. An der Echtheit des Videos habe kein Zweifel bestanden. Dass ein Busfahrer während der Fahrt mit dem Handy herumspiele, sei nicht tolerierbar. Dies sei natürlich ein extremer Fall.

Ein Fahrgast hatte mit seinem Handy gefilmt, wie der Fahrer auf der Linie 840 am Freitag zwischen Dianastraße und der Buchenau minutenlang immer wieder aufs Handy schaute, während er den Bus steuerte. Das Video schickte er an eine überregionale Boulevard-Zeitung. Der Fall schlug hohe Wellen.

„Filmende Fahrgäste nicht tolerierbar“

Der MVV als Auftraggeber der Linie verhängte gegen den Busunternehmer eine Vertragsstrafe in Höhe von 200 Euro. Das sei das eine, sagte Seifert. Das andere seien die Sanktionen des Unternehmers gegen den Fahrer selbst. Die dritte Komponente sei der Bußgeldtatbestand, was aber Sache der Polizei sei.

Seifert betont aber auch: Es könne prinzipiell nicht sein, dass ein Fahrgast den Busfahrer minutenlang filmt. Der ÖPNV-Experte erinnert an das Recht am eigenen Bild und daran, dass im Bus der Unternehmer das Hausrecht habe. So entstehe der Eindruck, dass sich der Fahrgast ein Honorar als Leserreporter habe verdienen wollen. Es sei nicht tolerierbar, dass Fahrgäste einfach mit filmten, um dann zu schauen, ob etwas zu finden sei. Seifert fragt sich: „Was wird als nächstes gefilmt? Kinder?“

Busse werden immer wieder auf Qualität geprüft

Zudem wäre es begrüßenswert gewesen, wenn das Video zum MVV gelangt wäre, so Seifert. Der Fahrer könne sich gegen solche Aufnahmen nicht wehren. Sie könnten ihn vielmehr nervös machen. Am Ende müsse klar sein, dass es um Menschen und deren Existenz geht. Gebe ein Unternehmer die Vertragsstrafe über 200 Euro an einen überführten Busfahrer weiter, sei das eine schmerzliche Gehaltseinbuße.

Wie der ÖPNV-Experte in diesem Zusammenhang berichtet, gibt es in Bussen immer wieder Kontrollen zum Qualitätsmanagement, die manchmal zu Vertragsstrafen gegen Unternehmer führten. Gleichzeitig berichtet Seifert aber auch von Beschwerden, bei denen man nachweisen habe können, dass sie einfach nicht stimmten.

Der Filmer müsste sich bei der Polizei melden

Unabhängig vom aktuellen Handy-Fall wirbt Seifert um Verständnis für Busfahrer. Man müsse sich vorstellen, was auf einen Fahrer alles zustürme. Klar sei vor diesem Hintergrund die Handyspielerei – auch wenn sie Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung ist – noch weniger zu akzeptieren. Das Handy dürfte während der Fahrt nicht verwendet werden. Sogar via Headseat seien nur Dienstgespräche erlaubt und die müssten möglichst kurz sein.

Die Polizei betont, dass sich der Videofilmer bei den Beamten melden müsste. Nur dann könnten sie aktiv werden. Auch die Polizei betont das Recht am eigenen Bild.

von Thomas Steinhardt

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