Besonderes Jubiläum

„Etwas Besonderes, wenn man seinen Chef mit Prinz ansprechen darf“

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Kennen sich mit Bier aus: Helmut Guggeis (l.), technischer Direktor, und Geschäftsführer Oliver Lentz.

Ein Betriebsjubiläum der besonderen Art gibt es heuer bei der König Ludwig Brauerei in Fürstenfeldbruck. Der Geschäftsführer und der technische Direktor sind zusammen seit 50 Jahren Bierbrauer aus Leidenschaft.

Fürstenfeldbruck –  Wenn man das Reich von Oliver Lentz und Helmut Guggeis betritt, dann steigt dem Besucher gleich der süßlich, malzige Duft entgegen. Bei gefühlten 50 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von nahezu einhundert Prozent zeigen sich im Sudhaus schnell die Schweißperlen auf der Stirn. Es herrschen harte Bedingungen. Doch die beiden Männer lieben ihren Job.

Die Wege, die sie zu diesem Beruf geführt haben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der 49-jährige Oliver Lentz ist inzwischen seit 20 Jahren Geschäftsführer der Traditionsbrauerei, doch begonnen hatte er als Hotelkaufmann. Erst über Umwege im Verkauf bei einem Mineralwasserkonzern hat es den gebürtigen Nordrhein-Westfalen nach Bruck verschlagen. Inzwischen ist er Chef von fast 130 Angestellten und freut sich immer noch, sagen zu können: „Es ist doch etwas Besonderes, wenn man seinen Chef mit Prinz ansprechen darf.“

Immer wieder neue Herausforderungen - auch nach 30 Jahren

Für Helmut Guggeis (57), technischer Direktor des Unternehmens, war der Weg klar vorgezeichnet. „Ich wusste schon immer, dass ich etwas in Weihenstephan studieren will und so bin ich zum Brauwesen gekommen.“ Dabei ist er jetzt 30 Jahre lang geblieben und Guggeis findet immer wieder neue Herausforderungen in seinem Beruf. „An der Rezeptur wird zwar selten etwas verändert, aber die Zutaten sind immer wieder unterschiedlich“, erklärt der in Niederbayern lebende Brauer. Denn trotz Missernten beim Hopfen dieses Jahr muss die Qualität des Bieres immer gleich sein.

Die gleichbleibende Versorgung mit Produktionsmaterialien wird in Zeiten des Klimawandels die größte Herausforderung für die Beiden in den kommenden Jahren sein. Denn Bier ist eines der reinsten Lebensmittel und schon allein das Reinheitsgebot verbietet es, chemische Zutaten zu verwenden. „Es gibt keine Alternative zu echtem Hopfen“, sagt Guggeis.

Sowohl er als auch Oliver Lentz denken, dass man an der Formel Wasser, Hefe, Malz und Hopfen nichts ändern sollte und stehen Craft-Bier-Variationen wie Schokoladenbier eher skeptisch gegenüber. Der Veränderung des Konsumverhaltens vor allem jüngerer Menschen sehen sie aber gelassen entgegen. Keine Zigaretten, kein Alkohol und nur noch regionale und Bio-Lebensmittel sind für Viele schon fast zu einer Art Doktrin geworden. Aber: „Bier war schon immer natürlich und der Verzehr von alkoholfreiem Bier ist inzwischen gesellschaftsfähig geworden“, meint Lentz. Beim Gerstensaft handele es sich in erster Linie um ein Genuss- und nicht um ein Suchtmittel.

Blick in die Zukunft: Herausforderungen für Brauereien

Was schon eher eine Herausforderung vor allem für den fürs Marketing verantwortlichen Oliver Lentz ist, sind die wenig wechselfreudigen Stammtrinker. Denn die Beobachtung zeigt, dass Biertrinker sehr markentreu sind. „Jede Biermarke hat seine Anhänger und die sind schwer zu überzeugen“, weiß der 49-Jährige. So ist zum Beispiel die Augustiner Brauerei – ohne Werbung zu machen – sogar Marktführer bei hellem Bier.

Doch trotz Klimawandel und Gesundheitstrend sehen die beiden positiv in die Zukunft. Sie wissen, dass die Brauerei auf einem soliden Fundament steht. „Wir haben zum Beispiel den Rekordsommer dieses Jahr fast unbeschadet überstanden“, sagt Guggeis. Sie sind sich sicher, dass die Schlossbrauerei, die es bereits seit 1871 gibt, auch noch in den nächsten Jahren ihr berufliches Zuhause sein wird. TOM ELDERSCH

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