Dramatische Entwicklung

Klinik muss Intensivpatienten abweisen - Rettungsdienste fahren teils 137 Kilometer weiter

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Die Kreisklinik Fürstenfeldbruck muss an 255 Tagen im Jahr Intensivpatienten abweisen (Symbolfoto).

Die Kreisklinik kann an mehr als zwei Dritteln des Jahres keine Intensiv- und Überwachungspatienten von den Rettungsdiensten aufnehmen. Die Rettungsdienste stellt das vor ein Problem.

Fürstenfeldbruck – An 6136 Stunden im Jahr hatte die Brucker Kreisklinik zuletzt erklärt, dass die Intensiv- und Überwachungsstationen nicht mehr aufnahmefähig sind. Diese Zahl legte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Michael Daunderer, nun im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZFR) vor. Die Brucker Klinik weist damit den schlechtesten Wert im Gebiet des ZFR auf.

6136 Stunden entsprechen 255 Tagen – also fast 70 Prozent des Jahres. Bei den Kliniken in Starnberg (2919 Stunden – 121 Tage) und Dachau (2329 Stunden – 97 Tage) sind die Engpässe bei weitem nicht so ausgeprägt. „Schuld ist der Fachkräftemangel“, erklärte Daunderer. Weil es zudem eine gesetzliche Verordnung für Personaluntergrenzen gebe, bleibe den Kliniken oft gar nichts anderes übrig, als einen Aufnahmestopp zu verhängen.

Fürstenfeldbrucker Landrat: Der Gesetzgeber ist weit weg von der Realität

Weniger dramatisch ist die Lage bei stationären Patienten, bei denen Bruck an 617 Stunden im Jahr, Dachau an 499 Stunden im Jahr und Starnberg nur an 31 Stunden im Jahr nicht aufnahmefähig ist. Insbesondere bei Intensiv- und Überwachungspatienten stellt der Ausfall der Kliniken die Rettungsdienste vor ein Problem.

„Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder fahren die Rettungswägen eine nicht aufnahmefähige Klinik an“, sagte Daunderer Diese seien zur Hilfeleistung verpflichtet. Oder es werde ein zum Teil erheblicher Fahrtweg in eine aufnahmebereite Klinik auf sich genommen.

Keine Plätze in Klinik: An Weihnachten wird‘s besonders eng

Dabei könne es an besonderen Tagen wie Weihnachten durchaus dazu kommen, dass dafür das Gebiet des ZFR verlassen werden müsse. „Zur Not muss man dann eben bis Traunstein fahren“, sagte Daunderer. Auch wenn über das System „Ivena“ die Kapazitäten in vielen Krankenhäusern inzwischen online abgefragt werden können, würden beide Möglichkeiten Risiken bergen.

Das Problem kann der ZFR laut Daunderer nicht lösen: „Das ist eine politische Frage.“ Das sieht auch der Verbandsvorsitzende, Landrat Thomas Karmasin, so: „Der Gesetzgeber ist in Berlin weit weg von der Realität.“ So werde – wie im Falle der Personaluntergrenzenverordnung – einfach in ein Gesetz geschrieben, was man nicht will. „Und wir Landräte müssen uns dann damit auseinandersetzen.“  

ad

Ein 29-Jähriger aus Gauting hatte jahrelang mit gefälschten Papieren in bayerischen Kliniken gearbeitet. Die Zeugnisfälschungen hatte er daheim am PC angefertigt, berichtet Merkur.de*.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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