Schizophrener vor Gericht

Eine unheimliche Stimme fordert: Ermorde deinen besten Freund! Mann greift zum Messer 

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Unheimliche Stimmen hört der Angeklagte seit fast 40 Jahren. 

Sven J. griff seinen Mitbewohner und Freund an. Obwohl er dafür vor Gericht steht, kann der Schläger für die Tat nicht belangt werden.

Fürstenfeldbruck – Für Mitbewohner Rüdiger (Name geändert) kam die Attacke völlig unerwartet. In einer Oktobernacht 2017 versetzte ihm Sven (42) mehrere wuchtige Faustschläge ins Gesicht. Erst als ein dritter Mitbewohner dazwischen ging, ließ der 42-Jährige von ihm ab. Seit Dienstag muss sich der Schläger vor dem Landgericht München II verantworten. Er kann für sein Handeln nicht bestraft werden. Sven ist schizophren. Im Prozess geht es um seine Unterbringung in der Psychiatrie.

Unheimliche Stimmen verfolgen Sven J. seit der Kindheit

Als Vierjähriger hörte Sven J. aus Fürstenfeldbruck erstmals Stimmen. Eine sagte ihm, man werde seinen Opa holen. Kurz darauf starb der Großvater. In den Folgejahren hielt er dieses Stimmenhören für eine Gabe – bis er zum Mord aufgefordert wurde, später auch zum Suizid. Dass er an einer heimtückischen Krankheit litt, erkannte er erst viel später an. Er lernte, mit den Stimmen umzugehen, mal kamen sie von einem Mann, mal von einer Frau. 

Der heute 42-Jährige flüchtete sich in die Spiritualität, versuchte eine positive Rückmeldung aus dem Gehörten zu ziehen. Er fühlte sich tatsächlich gefrustet, wenn sie ihm sagten, er sei gefrustet. Er versuchte, den Stimmen eine Identität zu geben.

Der Liebeskummer von Rüdiger sei zu viel für ihn geworden

In der Fürstenfeldbrucker Wohngemeinschaft fühlte er sich wohl. Rüdiger, sein späteres Opfer, empfand er als besten Freund. Niemals, so glaubte er, hätte er ihm etwas antun können. Dann verliebte sich Rüdiger in Gisela (Name geändert). Doch sie empfand gar nichts für ihn. Er bombardierte sie in den sozialen Netzwerken, er ließ ihr keine Ruhe. „Er stalkte sie“, erzählte Sven J. im Gericht. Und weil Gisela seine Liebe so gar nicht erwiderte, verdächtigte Rüdiger seinen späteren Peiniger, er würde mit Gisela in einer Beziehung stehen.

Stimme: „Mach‘ ihn im Badezimmer kalt“

Ein Dreivierteljahr will sich der 42-Jährige geduldig diese Litanei angehört haben. Dann kam er so in Rage, dass ihm die Stimmen rieten, Rüdiger ein Messer in den Bauch zu stechen und ihm die Kehle durchzuschneiden. „Mach’ ihn im Badezimmer kalt“, hörte er eine andere Stimme sagen. Doch der Verstand hielt ihn gerade noch davon ab, Rüdiger war doch sein bester Freund.

In der Tatnacht eskalierte die Situation. Sven J. schnappte sich ein Messer, ging vors Haus und rief die Polizei an. „Ich mache alle alle“, drohte er in der Hoffnung, die Polizei würde kommen, ihn mit seinem Messer als gefährlich einstufen und ihn erschießen. Suizid durch dritte Hand nennt man das. Doch er wartete nach eigenem Empfinden eine Dreiviertelstunde. Dann warf er das Messer weg, klingelte und griff Rüdiger mit der Faust an. Anschließend ging er wieder vors Haus, rief nochmal die Polizei an und sagte: „Ich mache nichts mehr.“

„Warum wollten sie sich umbringen?“, fragte Richter Martin Hofmann. „Ich war unzufrieden mit der Komplettsituation“, sagte Sven J. Sollte das Gericht seine Unterbringung in der Psychiatrie zur Bewährung aussetzen, will er zunächst einmal zu seiner Mutter ziehen und eine Ausbildung zum Altenpfleger machen. Sollte er in der Psychiatrie bleiben müssen, würde er sich mit der Situation auch abfinden, erklärte er. 

Sie war verlobt, schwanger und freute sich auf ein Leben zu dritt. Doch dann kam alles anders. In einer Septembernacht 2016 wurde eine 27-Jährige in Penzberg von ihrem gleichaltrigen Freund gewürgt. Er hatte einen schizophrenen Schub, wie merkur.de berichtete.

wal

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