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Rostig und alt: Wie ein Spielplatz im Münchner Umland zum Desaster wurde

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Von: Dirk Walter

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Tristesse in einer Wohnanlage im Fürstenfeldbrucker Westen
Eine Wippe im Sandkasten – Tristesse in einer Wohnanlage im Fürstenfeldbrucker Westen. © Dirk Walter

Kinder freuen sich über gute Spielplätze. Diese neu zu bauen ist aber gar nicht so einfach, wie ein Beispiel aus Fürstenfeldbruck zeigt.

Fürstenfeldbruck – Es gibt ganz fantastische Spielplätze – und es gibt atemberaubend verlotterte. Ein Spaziergang durch den Westen von Fürstenfeldbruck. Ein willkürliches Beispiel, gewiss, aber vielleicht ein typisches. Vor einem Hochhaus mit bestimmt zehn Geschossen steht auf einer Wiese einsam wie ein Mahnmal ein verrostetes Klettergerät. Sonst gibt es hier für Kinder gar nichts. Wenig erstaunlich: Kein Kind weit und breit ist zu sehen.

Wer weiter geht, stößt auf eine Art Trabantenstadt – entlang der Richard-Higgins-Straße gibt es etliche fünf- bis sechsgeschossige Wohnblocks. Für Kinder gibt es inmitten einer riesigen Wiese ein Wippgerät und zwei Sandkästen – das war’s auch schon.

Fürstenfeldbruck: Zwei Möglichkeiten für neue Spielplätze

Warum ist das so? Nachfrage bei Andreas Schnödt, Sachgebietsleiter der Bauverwaltung in der Stadt Fürstenfeldbruck. „Fürstenfeldbruck ist eine sehr kinderfreundliche Stadt“, sagt er. Und erklärt dann ein sehr kompliziertes und sehr differenziertes Regelwerk. Kurz gesagt gibt es zwei Möglichkeiten, in denen die Stadt das Anlegen von neuen Spielplätzen verlangen darf.

Erstens bei der Neuaufstellung von Bebauungsplänen. In diesen Fällen „machen wir in einem städtebaulichen Vertrag genaue Vorschriften“, sagt Schnödt. Man sei da weiter als andere vergleichbare Städte.

Spielgerät vor einem großen Wohnblock in Fürstenfeldbruck
Das einzige Spielgerät vor einem großen Wohnblock in Fürstenfeldbruck. © Dirk Walter

Zweitens greift die Spielplatz-Pflicht auch, wenn in einem Stadtgebiet Neubauvorhaben bestehen und die Stadt statt einem Bebauungsplan eine städtische Gestaltungssatzung erlässt. Laut der Satzung sind dann „für Gebäude mit mehr als drei Wohnungen je 25 Quadratmeter Wohnfläche 1,5 Quadratmeter Kinderspielplatzfläche nachzuweisen“ – wobei der Spielplatz mindestens 60 Quadratmeter groß sein muss.

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Das werde auch kontrolliert, versichert Schnödt. Wer keinen Spielplatz baut, der werde bestraft. Der Bauherr kann sich in Bayern unter gewissen Umständen auch mit einer Geldzahlung von der Pflicht befreien – „die Gemeinde kann den Geldbetrag auch für die Herstellung oder Unterhaltung anderer örtlicher Kinder- oder Jugendfreizeiteinrichtungen verwenden“, teilt das bayerische Bauministerium dazu mit. Das können zum Beispiel Jugendzentren sein.

Video: Alligator macht Spielplatz unsicher - Mann greift mit bloßen Händen ein

Bei Bestandsbauten in Fürstenfeldbruck ist nichts zu machen

Was aber passiert in den heute schon bestehenden großen Wohnblocks, wie sie vielerorts in den 1970er-Jahren entstanden sind?
Bauamtsleiter Schnödt kennt das Problem, aber er hat keine Lösung. „Bei Bestandsbauten wird es schwer.“ Es gelte Bestandsschutz – die Stadt habe da leider keine Handhabe.

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