Objekt gehört zu den Topstücken Bayerns

Mega-Fund auf Dachboden - und sie unterschätzt ihn zunächst

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Edles Stück: Die rund 310 Jahre alte Sänfte des bayerischen Hofkämmerers mit dem Toerring’schen Wappen. Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker hält ihn für das beste Stück in der Tölzer Sammlung.

Als die Barocksänfte vor etwa zwei Jahren aus einem Dachstuhl des Stadtmuseums geborgen wurde, ahnte Leiterin Elisabeth Hinterstocker gleich, dass es sich um ein besonders Stück handelt.  Wie besonders, das erfuhr sie erst jetzt.

Bad Tölz – Tatsächlich ist der noble Tragstuhl so rar, dass er als eines von nur 100 ausgesuchten Objekten die Sonderausstellung zur Eröffnung des Hauses der Bayerischen Geschichte im Jahr 2019 in Regensburg schmücken soll.  Das war Hinterstocker bei ihrem Fund nicht bewusst.

Die Sänfte, so berichtete sie nun im Tölzer Finanzausschuss, ist quasi ein Unikat, „von dem es in Deutschland keine zehn Stück gibt“. Die Sänfte gehörte nicht, wie zunächst angenommen, der Kurfürstin Henriette Adelheid, die in Heilbrunn „kurte“, sondern Max Cajetan von Toerring-Seefeld (1670- 1752). Er war Oberstkämmerer des Kurfürsten Max Emanuel sowie Obersthofmeister von Kaiser Karl Albrecht. Eine Topadresse am Hof also, oder wie Hinterstocker es versuchte, zu erklären: „Von Toerring-Seefeld war der oberste Beamte Bayerns, so was, wie die Herren Forster und Fürstberger in Tölz“. Die Räte grinsten, Forster, leicht errötend, auch.

Die Tölzer Sänfte ist vollvergoldet und in ihrer Eleganz und höchst qualitätsvollen Ausführung so nicht mal im Münchner Marstallmuseum zu finden. Für Tölz wäre es, so Kurdirektorin Brita Hohenreiter in ihrem Sachvortrag, „das hochkarätigste Stück und der Diamant der Sammlung“.

Der Schliff von Diamanten kostet Geld. Das rund 310 Jahre alte, in Paris entstandene Stück ist nicht optimal gelagert gewesen. Die Goldfasssung blättert ab, die erhaltenen originalen Leder-Wände (sehr selten übrigens) sind teilweise zerrissen. Um eine Restaurierung vornehmen zu können, muss eine Voruntersuchung durchgeführt werden, die ein Restaurierungskonzept und die Kostenschätzung enthält. 70 000 bis 100 000 Euro könnten für die Restaurierung nötig sein.

Als er diese Zahl zuerst hörte, habe er als Kämmerer „schon ein Problem gehabt“, sagte Forster. Es gibt aber gute Nachrichten, die dem Ausschuss die einstimmige Zustimmung zur Voruntersuchung und Kostenermittlung leicht machten. Die auf Denkmäler spezialisierte Messerschmitt-Stiftung hat sich bereit erklärt, die Kosten für die Voruntersuchung zu übernehmen und will wohl auch bei der Restaurierung der Stadt kräftig unter die Arme greifen. Auch die Landesstelle für nichtstaatliche Museen hat Zuschüsse für Gutachten und Restaurierung in Aussicht gestellt. „Das ist eben kein Bauernschrank unter vielen“, betonte Hinterstocker, sondern „ein echtes Alleinstellungsmerkmal und Aushängeschild des Museums“.

Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart, der die Sitzung leitete, fand etwas anderes fast noch wichtiger: Bei der Sonderausstellung in Regensburg 2019 „werden nur die 100 Topstücke Bayerns gezeigt“. An der Sänfte würden, da sei er sich sicher, im Verlauf der Ausstellung hundertausende Besucher vorbeigehen. „Der Werbeeffekt für Tölz ist sehr hoch zu beziffern.“ Christoph Schnitzer

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