Unfassbarer Vorfall bei Hallenturnier

Fußball-Schiri (20) von Trainer verprügelt - Klinik

Germering/Emmering – Dieses Hallenturnier wird ein junger Fußball-Schiedsrichter nicht vergessen. Er ist von einem Trainer derart vermöbelt worden, dass er eine Nacht im Krankenhaus verbringen musste.

Sebastian S. (20) vom FC Emmering war von den Schiedsrichter-Offiziellen der Ammersee-Gruppe zu einem vom SC Unterpfaffenhofen organisierten Privatturnier in die Germeringer Realschulhalle geschickt worden. Zunächst verlief das Kräftemessen mehrerer U15-Juniorenteams aus dem Großraum München problemlos. Bis der für den FC Emmering pfeifende Referee einem Nachwuchsspieler des Münchner Landesliga-Vereins Türkgücü Ataspor wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte zeigte. Dessen 34-jähriger Trainer beschwerte sich daraufhin massiv und wurde nach einem heftigen Wortgefecht vom Schiedsrichter der Halle verwiesen.

Zur Siegerehrung kehrte der Coach aber zurück und stellte den 20-jährigen Emmeringer erneut zur Rede. Die Situation eskalierte, es kam zu Handgreiflichkeiten. S. flüchtete in die Kabine und rief von dort aus die Germeringer Polizei zu Hilfe.

Die Beamten waren auch gleich zur Stelle, nahmen die Personalien auf und schickten den Schiedsrichter vorsichtshalber ins Krankenhaus. Dort wurde er eine Nacht zur Beobachtung behalten. Die Ärzte diagnostizierten bei dem Schiri eine Gehirnerschütterung sowie eine Schädel- und eine Magenprellung, die durch einen Tritt in den Bauchbereich ausgelöst worden sei.

S. hat mittlerweile Anzeige erstattet und den Vorfall dem Bayerischen Fußballverband gemeldet. Doch auch der aus Bosnien stammende Türkgücü-Trainer ist bei der Polizei vorstellig geworden und hat seinerseits Anzeige gegen Sebastian S. erstattet. Er habe ihn provoziert und angegriffen, erklärte der hauptberufliche Gastronom gegenüber den Beamten. Die Vereinsverantwortlichen des im Münchner Stadtteil Ramersdorf beheimateten Clubs waren trotz mehrmaliger Tagblatt-Anfrage nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Sebastian S. hatte vor sechs Jahren die Schiedsrichterprüfung abgelegt und wurde von den Funktionären der Ammersee-Gruppe regelmäßig eingesetzt. Nach einer Bundeswehr-Pause war der Jungschiri wieder neu eingestiegen und pfeift seitdem für den FC Emmering. Und das soll auch trotz des Zwischenfalls so bleiben: „Ich pfeife natürlich weiter“, erklärt Sebastian S. und wirbt um weitere Verstärkungen fürs Schiedsrichterwesen. Sein Obmann, Christian Erdle (Stefansberg), befürchtet unterdessen, dass mögliche Interessenten von derartigen Vorfällen abgeschreckt werden. Trotzdem: Demnächst beginnt in Türkenfeld wieder ein Neulingskurs. Die beiden jüngeren Brüder von Sebastian S. haben sich bereits angemeldet.

Dem Trainer drohen neben strafrechtlichen Folgen auch Konsequenzen vom Bayerischen Fußballverband, der mittlerweile eingeschaltet wurde. Bislang gab es bei derartigen Vorfällen oft langjährige Funktionssperren.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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