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Polizei, Zäune, Hubschrauber: Anwohner berichten vom Leben am „Fort Knox“ des G7-Gipfels

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Von: Josef Hornsteiner

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Der G7-Gipfel in Elmau steht vor der Tür. Anwohner, die direkt am Sicherheitsbereich wohnen, berichten im Video-Interview von ihren Erfahrungen.

Klais – Große Hubschrauber kreisen über den Häusern. Ein Blaulichtfahrzeug nach dem anderen reiht sich an den Straßen. Überall Zäune, überall Polizisten. Der kleine Krüner Weiler Klais gleicht aktuell dem „Fort Knox“. Hier leben die Einheimischen an der Grenze zum 16 Kilometer umfassenden Sicherheitsbereich um Schloss Elmau, wo von 26. bis 28. Juni der G7-Gipfel stattfindet.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Anwohner an der Grenze zum Sicherheitsbereich im Interview

Direkt an dieser Grenze lebt Evi Hien, 56 Jahre alt, Friseurmeisterin und Vermieterin. Sie ist eine der wenigen Klaiser, die an den Gipfeltagen nicht in den Urlaub geflüchtet sind. In ihrem Anwesen „Altes Forsthaus“ vermietet sie ihre drei Ferienwohnungen eigentlich an Urlauber. Dieser Tage geben sich Polizisten und Sanitäter die Klinke in die Hand.

Evi Hien (56) wohnt direkt neben dem Sicherheitsbereich des G7-Gipfels. Im Video berichtet sie über ihre Erfahrungen.
Evi Hien (56) wohnt direkt neben dem Sicherheitsbereich des G7-Gipfels. Im Interview spricht sie mit Josef Hornsteiner, vom Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, über ihre Erfahrungen. © Daniel Quero Espino

„Es ist ein Kommen und Gehen“, sagt sie. Manche blieben mehrere Wochen, andere nur ein, zwei Tage lang. Wie empfindet sie die aktuelle Situation neben jenem Ort, auf den in diesen Tagen die ganze Welt blickt? Erstaunlich gelassen. „Die ganzen Polizisten sind furchtbar nett.“ Auch mit dem Auto nach Hause und wieder wegzukommen, sei überhaupt kein Problem. Natürlich müsse man einmal ein oder zwei Minuten warten.

Sicherheitsbereich des G7-Gipfels erschwert Anwohnerin das Heimkommen ab und an

Lediglich Radfahren wird hin und wieder zur Herausforderung. Bei einer Tour am Freitag wollte sie zur Wallgauer Alm im gleichnamigen Nachbarort. Bei der Rückfahrt versperrte ihr plötzlich ein Zaun bei einer nahegelegenen Fischzucht in Klais den Weg. Beim nächsten Radlweg hielten sie Polizisten auf. „Da dürfen sie leider nicht durch“, hieß es Römerweg, der vis a vis ihres Wohnhauses verläuft. Also noch einmal außen rum über die Straße fahren. Auch dort springt ihr ein Polizist vor das Fahrrad.

Wo sie den hinwolle? „Einfach nur nach Hause.“ Dort angekommen, musste sie aber auch schon wieder schmunzeln. „Es ist nicht alles ganz einfach“, meint sie. Aber im Großen und Ganzen sei sie zufrieden. „In ein paar Tagen ist es ja wieder rum.“ Bis dahin bleibt sie nun zu Hause. Menschen zum Reden hat sie ja genug. Ihre 84-jährige Mutter Margarete sowie sehr viele freundliche Polizisten.

Polizisten gleichen Kundenverluste des G7-Gipfels beinahe aus

Am Ortseingang in Klais gehört Klaus Wurmer die einzige Tankstelle in der Nähe. Ob er Verlust macht durch den Ausfall von Touristen? „Das ist nicht so dramatisch“, meint Wurmer. Denn schließlich würden zu seinen Kunden aktuell 90 Prozent Polizisten zählen. Ganz wett macht das die Verluste natürlich nicht. „Aber wir sind es ja schon gewohnt.“ Er kann dem Gipfel durchaus positives abgewinnen. „Es ist eine super Werbung für uns.“

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