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G7-Gipfel in Elmau: Große Befürchtung von Einheimischen, doch Herrmann gibt Versprechen ab

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Von: Andreas Seiler

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Rund 50 Tage sind es noch bis zum G7-Gipfel auf Schloss Elmau. Polizei und Politiker beteuerten auf einem Info-Abend: Für Einheimische soll es so wenig Einschränkungen wie möglich geben.

Garmisch-Partenkirchen – Vom 26. bis 28. Juni rückt das Werdenfelser Land ins Licht der Weltöffentlichkeit: Dann nämlich kommen die Staats- und Regierungschefs der sieben mächtigsten, westlichen Industrienationen nach 2015 erneut auf Schloss Elmau zusammen. Für die Urlaubsregion bedeutet dies den Ausnahmezustand. Sie verwandelt sich für kurze Zeit in eine Hochsicherheitszone.

G7-Gipfel in Elmau: Urlaubsregion verwandelt sich in Hochsicherheitszone

Vor allem Garmisch-Partenkirchen wird die Auswirkungen zu spüren bekommen. Denn im Kreisort werden größere Demonstrationen und Kundgebungen der Gipfelgegner erwartet. Und hier schlägt der Sicherheitsapparat seine Zelte auf. Die Vorbereitungen sind nicht zu übersehen. Dazu zählt die Container-Siedlung für das Polizei- und Justizzentrum im Olympia-Skistadion. Oder das abgeriegelte Kongresshaus, in dem die Bundespolizei untergebracht wird.

Hoher Besuch: Innenminister Joachim Herrmann bei der Begrüßung. Dahinter: Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) und Landrat Anton Speer (Freie Wähler).
Hoher Besuch: Innenminister Joachim Herrmann bei der Begrüßung. Dahinter: Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) und Landrat Anton Speer (Freie Wähler). © Sehr

Die Verantwortlichen, allen voran Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), waren jetzt auf einer Info-Veranstaltung darum bemüht, Ängste und Verunsicherungen in der Bevölkerung abzubauen. Die Botschaft war unmissverständlich: „Wir kriegen das auch diesmal wieder hin“, betonte Herrmann.

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Das Interesse an dem hochkarätig besetzten Abend – aus Berlin angereist war sogar Regierungssprecher Steffen Hebestreit – hielt sich jedoch wie schon zuvor in Krün in Grenzen. Gezählt wurden in der Bayernhalle knapp 200 Besucher, wobei die Mehrheit davon offizielle Vertreter der Kommunalpolitik, Wirtschaft und Blaulicht-Organisationen waren. Die „normalen“ Bürger waren eindeutig in der Minderheit.

G7-Gipfel in Elmau: Kaum Besucher bei Info-Veranstaltung in Garmisch-Partenkirchen

In der abschließenden Fragerunde gab es gerade mal fünf Wortbeiträge – nicht viel für eine 29 000-Einwohner-Gemeinde. Dabei rückte die Befürchtung in den Mittelpunkt, Geschäfte, Häuserwände oder Wiesen könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Herrmann gab diesbezüglich Entwarnung: „Sollte es trotz aller Vorkehrungen dennoch zu unmittelbar gipfelbedingten Schäden kommen, wird niemand auf seinem Schaden sitzen bleiben.“ Bund und Freistaat stünden hierfür gerade. Es sei eine spezielle Versicherung abgeschlossen werden.

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„Wir werden bestens vorbereitet sein, um für ein friedliches und sicheres Gipfeltreffen zu sorgen“, betonte der Minister – und kündigte eine „hohe Polizeipräsenz“ an. 2015 waren in der Spitze rund 18 000 Beamte im Einsatz. Heuer wird eine vergleichbare Größenordnung erwartet, allein die Bundespolizei stellt 7000 Kräfte zur Verfügung.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Polizei betont - „Einschränkungen möglichst gering halten“

„Wir werden die Einschränkungen möglichst gering halten“, kündigte Manfred Hauser, Polizeipräsident für Oberbayern Süd, an. Darauf hoffen nicht nur Einheimische, sondern auch die vielen Pendler, Handwerker und Lieferanten, die auf funktionierende Verkehrsströme angewiesen sind.

Bemerkenswert: Abgesehen von zwei jeweils vierstündigen Zeitfenstern am An- und Abreisetag der prominenten Gäste (26. und 28. Juni) soll es keine größeren Sperrungen auf der Protokollstrecke geben. „Ansonsten werden Sie alles ganz normal erreichen können“, sagte Hauser ins Publikum. Die Autofahrer müssen sich jedoch auf Kontrollen einstellen. Die Polizei möchte versuchen, den Verkehr weiträumig umzuleiten und potenzielle Krawallmacher frühzeitig rauszuziehen.

G7-Gipfel 2022: Nicht viele größere Sperrungen auf Protokollstrecke

Eine erste, etwas konkretere Einschätzung, was die zu erwarteten Proteste angeht, lieferte Franz Xaver Vogl, Vizepräsident der Bundespolizeidirektion München. Demnach rechnen die Behörden weniger mit G7-Gegnern aus dem linksextremen Lager, vielmehr mit einer großen Anzahl an Klimaschützern der Fridays-for-future-Bewegung.

Auch Querdenker sowie – was hohes Konfliktrisiko birgt – prorussische und proukrainische Anhänger könnten das Forum nutzen. Für Herrmann steht fest: „Friedliche Demonstranten sind in Bayern willkommen. Das gehört zu unserer Demokratie.“ Gewaltbereite Störenfriede seien hingegen nicht erwünscht.

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