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G7-Protest in Mittenwald: Mehr Reporter als Demonstranten

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Von: Christof Schnürer

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G7-Demonstration am Bahnhof Mittenwald.
Kamera läuft: Dr. Stephan Stracke, der Organisator einer Mini-Demo, kann sich in Mittenwald zumindest nicht über mangelndes Medieninteresse beklagen. © Kathrin Ebenhoch

An die 500 Demonstranten waren es mal bei linken Protesten gegen die Gebirgsjäger – lange ist es her. Am Montag folgte nicht mal eine Handvoll Gleichgesinnter dem Aufruf von Stephan Stracke.

Mittenwald – Morgens um 10 Uhr am Mittenwalder Bahnhof. Es ist schwül und bereits sehr heiß. Eigentlich sollte im Zuge der Proteste rund um den G7-Gipfel in Elmau jetzt am Mittenwalder Bahnhof eine Kundgebung beginnen. Doch weit und breit keine Demonstranten – dafür umso mehr Polizei und Presse.

G7-Gipfel in Elmau: Mini-Demo in Mittenwald

Plötzlich taucht Dr. Stephan Stracke auf. „Wir warten noch“, sagt der Organisator gegenüber einem Fernsehteam des ZDF. Derweil ertönt aus der Konserve eine Stimme, die aus dem Buch „Hinterwald“ vorträgt, in dem mit einer oberbayerischen Gebirgsjäger-Garnison abgerechnet wird. Inzwischen tummeln sich um die zehn Reporter von Funk und Fernsehen um den Protagonisten. Eine gelbblau gekleidete Fahrrad-Staffel der Polizei bleibt lieber im schattigen Hintergrund.

Demonstration vor der Luttensee-Kaserne in Mittenwald
An Symbolik darf‘s nicht fehlen: Lange wird die Denkschrift, die Stephan Stracke und Begleiterin angebracht haben, nicht am Eingangstor der Luttensee-Kaserne gehängt sein. © Kathrin Ebenhoch

Dann endlich, mit einer dreiviertel Stunde Verspätung, setzt sich die Pedelec-Tour Richtung Kranzberg in Bewegung. Vorne ein Polizist, dahinter Stracke und eine Mitstreiterin.

G7-Protest: Zwei Demonstranten – begleitet von Fahrradstaffel

Vorher teilt der Historiker aus Wuppertal, der namens des Arbeitskreises Angreifbare Traditionspflege seit 2002 für Kampagnen in Mittenwald trommelt, noch einige Auflagen der Polizei mit: keine Glasflaschen, kein Alkohol. „Wir dürfen auch keine Straftaten am Schandmal verüben.“

Damit meint Stracke natürlich das ihm so verhasste Ehrenmal der Gebirgsjäger. Das Gelände auf dem Hohen Brendten wird ohnehin zur Tabuzone erklärt – auf Wunsch des Kameradenkreises der Gebirgstruppe und auf Geheiß des Landratsamts.

So touren Stracke und Begleiterin samt Polizei-Bike-Kommando hinauf zur Luttensee-Kaserne – über die Hochstraße, das Gries und den Gröblweg. Viele Medienvertreter haben da schon keine Lust mehr, bereits am Bahnhof sind sie abgezogen.

Blumen und Denkschrift für georgische Soldaten

Am Eingang der Luttensee-Kaserne nach einer verhältnismäßig kurzen 15-Minuten-Fahrt angekommen, legen Stracke und Begleiterin Blumen und Denkschrift nieder für zwölf georgische Soldaten. Diese sind dort für den Kampf hinter der sowjetischen Front ausgebildet, aber bereits vor dem Einsatz als Deserteure von einem deutschen Kriegsgericht 1942 zum Tode verurteilt worden (wir berichteten).

Die Polizisten in Schwarz hören sich Strackes Geschichtsstunde regungslos an. Der Funke scheint auch bei ihnen nicht übergesprungen zu sein.

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