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Ausflug nach Elmau: Mit Blaulicht-Eskorte in den Sicherheitsbereich 1 – Der Blick ins Allerheiligste

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Von: Christian Fellner

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Schloss Elmau im Vorfeld des G7-Gipfels 2022 bei Abend.
Harry-Potter-Stimmung: Doch in Schloss Elmau zaubert nicht Dumbledore, sondern sprechen Scholz und Co. über Weltpolitik. © Christian Fellner

Es ist der Blick hinter die Barriere, der diesen Ausflug so interessant macht. Hinein ins Allerheiligste dieses Gipfels: ins Hochtal von Elmau.

Elmau – Am Samstagabend, 25. Juni, einige Stunden vor Beginn des G7-Spektakels, hat auch das Tagblatt die Möglichkeit, bei der Einstimmung der Medien dabei zu sein.

18:35 Uhr: Pünktlich da sein, so heißt es in der Einladung. Am Meeting Point für die Fahrten nach Elmau. Den muss man erst einmal finden beim ersten Besuch dieses Komplexes, der sich IMC nennt: International Media Center. Unglaublich, was dort alles aufgebaut wurde. Wenn man sich irgendwann durch die Zelte durchgearbeitet hat, findet man den Treffpunkt am nordwestlichsten Eck.

Dann Einlasskontrolle: Von welchem Medium sind Sie? Garmisch-Partenkirchner Tagblatt. „Ha“, lacht der Mann, „Sie habe ich auf jeden Fall schon gesehen auf der Liste.“ Schön. Das ist übrigens erst Schleuse Nummer zwei. Denn davor steht der erste Security-Check an. Wie im Flughafen, nur, dass man Getränke mitnehmen darf. Dann wird die sogenannte Pool-Karte gescannt, die den Eintritt nach Elmau gewährt. Und: der nächste Check. Die Menschen sind supernett.

Dann aber doch das erste Problem: Warten, warten und nochmals warten. Es passiert nichts. Ein Sprecher der Regierung entschuldigt sich hinterher: Man sei noch am Optimieren. Ja, gut eine Stunde Rumstehen hätte es nicht gebraucht. Aber es war bestes Wetter, ein lauer Sommerabend. Für Regen übrigens haben die Initiatoren tatsächlich drei hölzerne Bushäuschen aufstellen lassen. Kurios.

Erfahrungs- und Gedankenaustausch bei Journalisten aus aller Welt im Briefing Center bei Schloss Elmau. Zu ihnen gesellt sich auch Regierungssprecher Steffen Hebestreit
Erfahrungs- und Gedankenaustausch bei G7-erprobten Journalisten aus aller Welt im Briefing Center. Zu ihnen gesellt sich auch Regierungssprecher Steffen Hebestreit (2. v. r.). © Christian Fellner

19:45 Uhr: Jetzt geht’s los. Die drei Busse der Bundeswehr rollen. Mit Polizei-Eskorte – und Blaulicht. Im Konvoi geht es durch Garmisch-Partenkirchen, dann hinauf in Richtung Klais und Elmau. Erst jetzt wird einem deutlich, wie viel Einsatzkräfte entlang der Protokollstrecke postiert sind. Es gibt keinen Schlupfwinkel, der nicht durch Beamte besetzt ist. Auf dem Parkplatz kurz vor der Schwabe-Kurve sieht man die gigantischen Wasserwerfer. In Kaltenbrunn ist alles abgeriegelt, an jeder Einfahrt stehen Polizeikräfte. Absperrgitter umsäumen die komplette Bundesstraße. Aber – wie versprochen: Es fahren noch Autos, die kein Blaulicht auf dem Dach haben.

Von Klais hat man schlimme Dinge gehört, als Festung der Polizei wurde es bereits bezeichnet. Doch es läuft glatt durch den Krüner Ortsteil. Nur an der Abzweigung nach Elmau stockt es kurz.

20:15 Uhr: Jetzt steht der Tross auf einmal. Ungefähr auf Höhe von Schloss Kranzbach. Was ist los? Das fragen sich alle. Ein paar Minuten gibt’s keine Info. Dann melden sich die Vertreter des Bundeskriminalamts: Es kommt größerer Gegenverkehr auf der schmalen Mautstraße. Bus gegen Bus, das klappt nicht. Nichts Tragisches.

20:28 Uhr: Es geht weiter. Bald taucht das Schloss Elmau auf. Schön, wie es im Abendlicht vor dem Wetterstein liegt. Das temporäre Briefing Center befindet sich links vor dem Tagungsort, dort wo sonst Gäste oder Wanderer parken.

G7-Gipfel in Elmau: Plötzlich landet Macron

20:33 Uhr: Die Ankunft. Im Entenmarsch geht’s hinauf in Richtung Briefing Center. Nicht trödeln, zusammenbleiben, nicht auf die Wiesen, innen Maske auf – klare Anweisungen. Natürlich muss aber jeder sein Bild vom Schloss machen. Die Horde Journalisten gleicht eher einem Sack Flöhe. Es ist schon auch zum Schmunzeln, wie sich mancher Weltjournalist an einem Bild der schönen Szenerie doch so erfreuen kann. Da wird einem mal wieder deutlich: Die Welt, in der wir im Werdenfelser Land leben, ist schon ein besonderes Fleckerl.

20.59 Uhr: Pünktlich geht’s los. Eine kleine Talkrunde mit Regierungssprecher Steffen Hebestreit, Staatssekretär Dr. Jörg Kukies und Jens Plötner, dem sicherheitspolitischen Berater. Es geht um Energie, um die Ukraine, die großen weltpolitischen Themen, die in den Gipfeltagen besprochen werden.

21:18 Uhr: Es wird laut, ein Hubschrauber naht. „Macron“, flüstert Hebestreit seinem Nachbarn zu. Kurze Zeit später bestätigt er es auch. Der französische Präsident kam gerade eingeflogen.

21:40 Uhr: „Machen wir Schluss“, sagt Hebestreit. Dann könne er noch ein Glas Rotwein trinken. Für die Journalisten heißt es wieder warten – auf die Busse. Da bleibt noch ein bisschen Zeit zum Ratsch mit den Vertretern des Bundespresseamts.

21:55 Uhr: Los geht’s, zurück in Richtung Garmisch-Partenkirchen – ohne Stopp, ohne Kontrollen.

22:30 Uhr: Der Lokalredakteur schnauft tief durch: Auch das Rad steht noch am Medienzentrum. Er muss nicht zu Fuß nach Hause. Alles gut gegangen. Vier Stunden für einmal Elmau und zurück – das war’s schon wert.

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